Schlachtereien als Virus-Herde: Inzwischen 260 Corona-Infizierte in Coesfeld

  • Bei der Firma Westfleisch in Nordrhein-Westfalen sind weitere Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden.
  • Deutsche Schlachthöfe entwickeln sich zunehmend zu Corona-Brennpunkten.
  • Auch in Bayern und Baden-Württemberg gibt es Virus-Ausbrüche in Schlachtereien.
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Düsseldorf. Nach dem Corona-Ausbruch in einer Fleischfabrik im westfälischen Coesfeld ist die Zahl der positiv auf das Virus getesteten Arbeiter auf 260 gestiegen. Mit Stand Dienstmittag waren 1012 der rund 1200 Beschäftigen der Firma Westfleisch getestet worden, 571 mit einem negativen Ergebnis, wie der Kreis Coesfeld mitteilte.

Am Montag hatte der Kreis 254 infizierte gemeldet. In deutschen Schlachthöfen waren zuletzt vermehrt Corona-Infektionen aufgetreten.

Als Konsequenz aus dem Corona-Ausbruch hatte der Kreis Coesfeld in Abstimmung mit der NRW-Landesregierung einen Großteil der geplanten Lockerungen der Corona-Auflagen um eine Woche verschoben. Außerdem sollen die bis zu 20.000 Mitarbeiter aller Schlachtbetriebe in Nordrhein-Westfalen auf das Coronavirus getestet werden.

Schlachthof-Infektionen auch in Bayern und Baden-Württemberg

Unter Mitarbeitern eines Schlachthofs in Niederbayern gibt es ebenfalls sieben Corona-Infizierte. Das sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. Es laufe nun eine „Reihentestung“ der rund 1000 Mitarbeiter. Parallel werde ermittelt, welcher Mitarbeiter mit wem Kontakt hatte. Problem sei, dass einige der Betroffenen in kleineren Gemeinschaftsunterkünften lebten, berichtete Huml.

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Auch in einem Schlachthof in Birkenfeld bei Pforzheim in Baden-Württemberg sind mehr als 80 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Damit steige die Zahl der Mitarbeiter, die mit Covid-19 infiziert sind oder waren, auf rund 400, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes im baden-württembergischen Enzkreis am Dienstag. Das ist mehr als ein Drittel der Belegschaft von etwa 1100 Mitarbeitern. Die Ergebnisse hatte die Behörde am Montagabend veröffentlicht. Mehrere Medien berichteten darüber.

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Fast 150 Mitarbeiter seien inzwischen genesen. Das bedeutet, dass sie zwar wieder zur Arbeit dürfen - sie unterliegen aber weiter der Betriebsquarantäne und dürfen sich nur zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bewegen, wie die Sprecherin weiter erklärte.

Mitarbeiter leben in beengten Unterkünften

Die Firma erklärte in einer Pressemitteilung vom Vorabend, einen „Pandemieplan 2.0“ erarbeiten zu wollen. „Die Gesundheit der Menschen, die bei uns arbeiten, liegt uns am Herzen“, wurde Martin Müller, Geschäftsführer von Müller Fleisch, darin zitiert.

Die infizierten Mitarbeiter, die in beengten Wohnverhältnisse lebten, sind vom Landratsamt seit einiger Zeit in Ausweichunterkünften untergebracht. Laut Sprecherin war eine Schließung des Unternehmens - auch in Zusammenarbeit mit dem Landesgesundheitsamt - geprüft, aber verworfen worden. Dafür gebe es keine rechtliche Handhabe, solange die Firma sich an die Auflagen halte.

RND/dpa

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