Circuitbreaker: Virologe Drosten plädiert für „Minilockdowns“

  • Die steigende Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen macht härtere Corona-Regeln in Deutschland immer wahrscheinlicher.
  • Christian Drosten schlug im NDR-Podcast vor, auf „Minilockdowns“ zu setzen.
  • Diese Circuitbreaker seien auch besser im Voraus planbar.
Michèle Förster
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Angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen in Deutschland spricht sich der Virologe Christian Drosten für neue, deutliche Maßnahmen aus. „Wenn die Belastung zu groß ist, muss man eine Pause einlegen“, sagte Drosten in einer neuen Podcastfolge des „Coronavirus-Update“ (NDR). Aus diesem Grund sei es sinnvoll, über einen „Minilockdown“ – einen sogenannten Circuitbreaker – nachzudenken.

Mehrere kleine Lockdowns sind besser planbar

Circuitbreaker (deutsch: Überlastungsschutz) sind kurze, zeitlich befristete Shutdowns, die die Ausbreitung des Coronavirus bremsen und die wirtschaftlichen Folgen minimieren sollen. Laut britischen Forschern soll eine solche Unterbrechung mindestens zwei Wochen dauern, Drosten plädiert sogar für drei Wochen. Der Vorteil einer solchen Maßnahme gegenüber einem vollständigem Shutdown liegt auf der Hand: „Alle wissen von vornherein: Er ist zeitlich befristet“, sagte der Leiter der Virologie an der Berliner Charité. „Dann können sich alle darauf einstellen.“

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Um die Auswirkungen auf Alltag und Berufsleben möglichst gering zu halten, könne die Politik den Minilockdown frühzeitig ankündigen. „Man könnte sich überlegen, dass die Schulen offen bleiben – oder dass man die Maßnahmen in die Ferienzeit legt“, so Drosten. Eine solche Maßnahme könne auch den Gesundheitsämtern Luft verschaffen, da die Zahl der täglichen Neuinfektionen nach einem kurzen Lockdown wieder sinken würde.

Einen weiteren Vorteil sieht Drosten in der Planbarkeit der Maßnahme. Es könne mehrere kleine Lockdowns geben „bis zum Frühjahr, bis die Situation wieder besser ist, bis ein Impfstoff verfügbar ist“, so der Virologe. Momentan sei die Inzidenz in Deutschland noch vergleichsweise niedrig. „Wenn wir jetzt einmal auf die Bremse treten würden, dann hätte das einen ganz nachhaltigen Effekt.“

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Fast zwei Drittel der Bürger rechnen nach einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur damit, dass es wegen der stark steigenden Infektionszahlen wieder zu Schließungen von Geschäften, Restaurants oder Schulen kommen wird. Am Mittwoch berät Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder über Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus.

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