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Drosten: Darum kann England effizienter boostern

Die Boosterkampagne läuft in Großbritannien auf Hochtouren.

Die täglich vermeldeten Corona-Fallzahlen sind in England seit 18 Tagen in Folge rückläufig, meldet die „Financial Times“ (FT) in einer Auswertung. Auch die Krankenhauseinweisungen im Zusammenhang mit Covid-19 sind der Datenanalyse zufolge im Land rückläufig. Das könnte unter anderem mit den Booster-Impfungen zusammenhängen.

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Acht von zehn Personen mit Doppelimpfung in England ab 80 Jahren, die ihre zweite Dosis vor mindestens sechs Monaten erhalten haben, haben im Land bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten, ebenso wie 69 Prozent der 70- bis 79-Jährigen. Und, wie der Bericht vermerkt: Bei den über 80-Jährigen sinken die Fallzahlen am schnellsten, wochenweise um etwa 30 Prozent.

Prof. Julian Hiscox, Lehrstuhlinhaber für Infektion und globale Gesundheit an der Universität Liverpool, sagte der FT, der Abwärtstrend bei Infektionen sei „einzigartig“, da er „fast ausschließlich durch die Immunitätsmauer und nicht durch Verhaltensänderungen oder Einschränkungen“ verursacht werde. Die Hoffnung: Das Timing des Boosterprogramms hilft in den Wintermonaten.

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Könnten die Booster-Impfungen also auch in Deutschland noch die Explosion bei den Fallzahlen aufhalten? Oder zumindest die Dynamik abbremsen?

Drosten: Boostern hilft, um Kontaktbeschränkungen zu verhindern

Ein Einzelfall ist England nicht: Die Beobachtungen decken sich mit Erfahrungen aus Israel. Dort hat ein Forschungsteam vom Clalit Research Institute in Tel Aviv ebenfalls gezeigt, dass auf den Start der dritten Impfung im Land die Zahl der Coronavirus-Infektionen, also die Inzidenz, in den jeweiligen Altersgruppen zurückgingen. Die Daten legen also ebenfalls nahe, dass die dritte Impfung auch einen eindämmenden Effekt auf das Infektionsgeschehen haben kann.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité spricht sich vor diesem Hintergrund auch für Deutschland generell dafür aus, möglichst schnell die Auffrischimpfungen in der Bevölkerung voranzubringen. „Man könnte statt auf Kontaktbegrenzungen auf die Booster-Impfungen setzen“, sagte er im NDR Info-Podcast „Coronavirus Update“. „Das ist etwas, woran ich auch wirklich glaube.“

Folgt Deutschland mit dieser Strategie dann auf den Erfolg in England und Israel? Kann man hierzulande bald schon auf sinkende Fallzahlen hoffen? Die Situation lasse sich nicht direkt mit der in Großbritannien vergleichen, machte Drosten in einem Tweet deutlich, der sich auf den Bericht der „Financial Times“ bezieht. „Unsere Impfquote ist zwar ähnlich wie in UK, aber nicht so gut auf die Älteren gewichtet.“ Wegen der hohen Impfquote bei Älteren könne Großbritannien sehr effizient boostern. In Deutschland hingegen gebe es eine Impflücke bei den über 60-Jährigen.

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Das Impfquotendashboard der Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt in der Tat: Rund 15 Prozent der über 60-Jährigen sind noch gar nicht geimpft, haben also keinen Schutz gegen Covid-19 aufgebaut. Und auch bei den Booster-Impfungen ist erst ein Bruchteil der Älteren versorgt: Fast 10 Prozent der über 60-Jährigen hat den Impfschutz inzwischen aufgefrischt (Stand: 11. November). Die Lage ist also eine ganz andere als in Großbritannien.

In Deutschland gehe das nicht so schnell, machte Drosten auch im Podcast deutlich. Zuerst müsse man die Ältesten zum dritten Mal impfen, um Todesfälle zu verhindern. Bei jüngeren Menschen sei der Booster „ein Rettungsanker für den Übertragungsschutz“. Langfristig müsse aber das „ideelle Ziel“ sein: „eine dreifach komplett durchgeimpfte Bevölkerung“. Auch RKI und Ständige Impfkommission (Stiko) empfehlen, dass sich aktuell vorerst insbesondere die besonders Gefährdeten ein drittes Mal impfen lassen: also Ältere und Immungeschwächte.

RND/she

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