Virologe Christian Drosten rechnet mit Kontaktbeschränkungen ab Herbst

  • Die Impfquote von 61 Prozent sei zu niedrig, um die Pandemie zu kontrollieren, sagt Christian Drosten.
  • Notwendig sei eine Quote von 90 Prozent, damit Abstands- und Hygieneregeln allein ausreichen.
  • Der Virologe rechnet deshalb ab Oktober erneut mit gesamtgesellschaftlichen Kontaktbeschränkungen.
Alice Mecke
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Hannover. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hat im Interview mit dem Deutschlandfunk noch einmal ausdrücklich für eine Impfung gegen das Coronavirus geworben. Derzeit liegt die Quote der vollständig Geimpften bei fast 61 Prozent (Stand: 2. September). „Mit dieser Impfquote können wir absolut nicht in den Herbst gehen“, sagte der Corona-Experte.

Es sei notwendig, dass 85 Prozent der unter 60-Jährigen und 90 Prozent der über 60-Jährigen geimpft sind. Für Kinder unter zwölf Jahren empfahl der Virologe, die regelmäßigen Corona-Tests in den Schulen beizubehalten. Den großen Anteil an Personen, die sich nicht impfen lassen wollen, nennt Drosten „ein großes Problem“, wenn es um die Pandemiekontrolle geht.

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Erneut Kontakte beschränken ab Herbst?

Alle weiteren Maßnahmen wie etwa Abstands- und Hygieneregeln reichten zur nachhaltigen Eindämmung der Pandemie nicht aus. Sie seien nur ein „Nebenwerkzeug“, so Drosten. Deswegen rechnet der Virologe, und laut ihm auch das Robert Koch-Institut (RKI), „fest“ mit erneut notwendig werdendem Kontaktverzicht im Herbst.

„Wir werden gegen Anfang Oktober eine 10-prozentige Kontaktreduktion und gegen Anfang November eine 30-prozentige, nochmalige Kontaktreduktion brauchen, angesichts der erwartbaren Lage in den Krankenhäusern.“ Man werde „gesamtgesellschaftlich die Zahl der Kontakte wieder einschränken müssen“, erklärte der Wissenschaftler im Interview.

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„Ich will aber nicht so stark jetzt damit sagen ‚wir brauchen Kontaktbeschränkungen für Geimpfte, ich will eigentlich etwas ganz anderes sagen und zwar: Wir müssen unbedingt an der Impfquote arbeiten“, betonte Drosten. Die beste Antwort auf diese Herausforderung sei die Impfung. Politische Entscheidungen wolle Drosten nicht vorwegnehmen oder kritisieren.

Delta bleibt „besorgniserregend“

Insbesondere die Aggressivität der Delta-Variante ist Drosten zufolge besorgniserregend. Die Übertragungsrate der Variante sei vom RKI wahrscheinlich als „zu niedrig angenommen“ worden. Drosten verweist auf Studien aus Großbritannien. „Neueste Daten aus England sagen, dass die Hospitalisierungsrate, damit die Krankheitsschwere der Delta-Variante bis zu verdoppelt ist. Wobei man sich das nochmal genau anschauen muss.“

Zudem verweist der Virologe auf die bereits weit verbreitete Annahme, dass Corona-Impfungen nach etwa einem halben Jahr deutlich an Übertragungsschutz verlieren. Mit den Nachwirkungen der Corona-Pandemie werde man noch jahrelang zu tun haben, sagte Drosten.

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