China und USA: Fortschritte bei Tests mit Corona-Impfstoffen

  • Pharma-Unternehmen aus den USA und China melden, dass sie in die zweite Testphase vielversprechender Corona-Impfstoff-Kandidaten übergehen.
  • Forscher betonen, dass Sicherheitsstandards trotz Pandemie nicht gesenkt werden können.
  • Für schnellere Erfolge will die EU-Kommission weltweit Geld sammeln.
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Bei drei möglichen Impfstoffen gegen das Coronavirus haben Pharmafirmen in ersten Tests an Freiwilligen in den USA und China raschen Fortschritt erzielt. Bis ihre Wirksamkeit erwiesen ist, wird aber noch viel zu tun sein. Das chinesische Unternehmen CanSino Biologics habe die zweite Phase der Tests mit seinem Impfstoffkandidaten begonnen, teilte das Pekinger Ministerium für Wissenschaft und Technologie am Dienstag mit.

In den USA liegt ein Mittel, das von der Gesundheitsbehörde NIH und dem Unternehmen Moderna entwickelt wird, nicht weit dahinter. Die erste Person, die den experimentellen Impfstoff im März erhielt, ging am Dienstag für eine zweite Dosis in eine Klinik in Seattle. Der NIH-Chef für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, sagte der Nachrichtenagentur AP, bislang gebe es keine Warnzeichen. Hoffentlich könne die nächste, größere Testphase um den Juni herum beginnen. Zur Erprobung eines dritten etwaigen Impfstoffs von Inovio Pharmaceuticals gab es in der vergangenen Woche erste Verabreichungen.

Impfstoff-Sicherheit im Fokus

Bei den ersten Tests geht es um die Sicherheit der Präparate. Forscher in den USA sowie in China probieren unterschiedliche Dosierungen verschiedener Stoffe aus. In der zweiten Phase werden die Impfstoffe an wesentlich mehr Menschen getestet, um herauszufinden, ob sie vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 schützen.

CanSino beabsichtigt, diese nächste Studie mit 500 Teilnehmern durchzuführen, wie aus einem vergangene Woche eingereichten Bericht des Unternehmens hervorgeht. Dabei sollen zwei Dosen des Impfstoffs mit Placebo-Impfungen verglichen werden. Bis Montag erhielten 273 Freiwillige Injektionen, wie Staatsmedien berichteten.

Impfstoff-Entwicklung unter Pandemie-Hochdruck

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Laut Fauci könnten größere Studien etwas schneller als innerhalb der von ihm zunächst prognostizierten zwölf bis 18 Monate durchgeführt werden. Wenn das Virus weiterhin weit genug verbreitet bleibe, vielleicht schon zur Mitte oder gegen Ende des Winters. "Bitte lassen Sie mich diesen Vorbehalt nennen: Dies beruht auf der Annahme, dass es wirksam ist."

Auch sicher müsse der Impfstoff sein. Auch in China wurde betont, dass die Anforderungen an Sicherheit und Wirksamkeit nicht gesenkt werden könnten. Nur weil man sich in einer Krise befinde, dürften nicht die Standards heruntergeschraubt werden.

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Partnerschaften für Impfstoff-Entwicklung

Die Weltgesundheitsorganisation hat diese Woche rund um die Welt mehr als fünf Dutzend weitere Impfstoffkandidaten in frühen Entwicklungsstadien gezählt. Viele Forschergruppen kooperieren, um ihre Arbeit zu beschleunigen. Am Dienstag gaben Sanofi und GSK eine Partnerschaft für die Entwicklung eines Impfstoffs bekannt.

Die WHO nennt eine Vielzahl von Methoden, wie Impfstoffe entwickelt werden können. Wenn ein Ansatz erfolglos bleibt, funktioniert hoffentlich ein anderer. Der Kandidat von CanSino basiert auf einem Stoff, der gegen Ebola schützen soll. Die führenden US-Kandidaten wurden auf andere Weise entwickelt, mit Kopien eines Teils des Erbguts des Virus.

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EU-Kommission will Impfstoff-Entwicklung beschleunigen

Um weltweit Geld für die Entwicklung und Herstellung eines Impfstoffs gegen Covid-19 zu sammeln, veranstaltet die EU-Kommission am 4. Mai eine Online-Geberkonferenz. Diese werde helfen, unmittelbare Finanzierungslücken zu schließen, sagte Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Brüssel. Eine solche Konferenz hatte sie zusammen mit EU-Ratschef Charles Michel Ende März bei einer Videokonferenz der G20-Staaten vorgeschlagen.

Das Coronavirus könne nur durch internationale Zusammenarbeit besiegt werden, sagte von der Leyen am Mittwoch. Dazu gehöre, die Arbeit an Diagnose, Behandlung und Impfstoffen zu beschleunigen. Sobald es einen Impfstoff gebe, müsse dieser auf der ganzen Welt bereitgestellt werden. Dies sei die beste Möglichkeit, das Virus zu besiegen, sagte die CDU-Politikerin. Sie hoffe, dass Organisationen und Länder auf der ganzen Welt auf diesen Aufruf reagierten.

RND/ AP/ dpa

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