Briten wollen Homöopathie abschaffen

  • In Großbritannien gab es bisher homöopathische Arzneimittel gratis.
  • Doch geht es nach dem Willen des staatlichen Gesundheitsdiensts des Landes, sollen Globuli und Co. nicht mehr kostenlos verschrieben werden.
  • Ein Grund dafür: Homöopathische Methoden seien wissenschaftlich nicht bewiesen.
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Hannover. Die Homöopathie ist immer wieder Grundlage für Diskussionen. Sind die Zuckerkügelchen heilsam oder nicht? Sollten die Mittel überhaupt weiterhin verschrieben werden und eine noch wichtigere Frage: Sollten die Kosten dafür von den Krankenkassen übernommen werden? Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn meint, Alternativmedizin und Homöopathie hätten ihre Berechtigung – was eine emotionale Debatte zur Folge hatte.

Doch nicht nur in Deutschland bleibt die Homöopathie ein strittiges Thema, in ganz Europa wird diskutiert – in manchen Ländern bereits mit Ergebnissen. So wurde in Frankreich beschlossen, die Kostenerstattung für homöopathische Mittel ab 2021 nicht mehr zu übernehmen. Auch Großbritannien möchte dieses Verbot erlangen, aus demselben Grund wie Frankreich: Die wissenschaftliche Wirkung sei nicht erwiesen.

Praktiken der Homöopathen „fehlerhaft“

Wie die „FAZ“ berichtet, hat der staatliche Gesundheitsdienst NHS in Großbritannien schon vor zwei Jahren die Ärzte angewiesen, keine Globuli mehr zu verschreiben. Da die Wirkung nicht wissenschaftlich erwiesen sei, fordert der NHS nun, dem Homöopathen-Verband das Gütesiegel des PSA zu entziehen. Das PSA ist das halbstaatliche Gesundheits-Berufsstandardgremium Großbritanniens. Die NHS-Direktoren kritisieren in einem Brief an die PSA den Homöopathen-Verband. Der erfülle zwar „scheinbar die prozeduralen Standards, aber die Basis seiner Praktiken ist fundamental fehlerhaft“.

Weiter sagte NHS-Chef Simon Stevens in einem Interview mit dem „Guardian“ vor zwei Jahren, dass Homöopathie „im besten Fall ein Placebo und ein Missbrauch knapper NHS-Mittel“ sei.

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Umsatz in UK geht zurück

Übernehmen die Briten die Kritik des NHS allmählich? Schaut man sich die Verkaufszahlen der letzten Jahre an, scheint es so, denn in den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der verschriebenen Mittel gesunken. Von über 100.000 Verschreibungen auf noch 3300, in Zahlen sei das ein Verlust von 55.000 Pfund.

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Auch in Frankreich, wo ab 2021 keine homöopathischen Mittel von der Krankenkasse bezahlt werden, meldete der Arzneihersteller Boiron einen Umsatzrückgang von 12 Prozent.

In Deutschland wächst der Markt hingegen stetig, 2018 wurden für 670 Millionen Euro homöopathische Mittel verkauft, was einen Anstieg um knapp 70 Prozent seit 2010 bedeutet.

RND/ame