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Leere Spritzen, nichts verabreicht: Brasiliens Ärger über Scheinimpfungen

Amateurvideos zeigen, wie ältere Menschen in Brasilien nur zum Schein geimpft werden.

In Brasilien macht sich Aufregung über vermeintliche Scheinimpfungen breit. Dokumentiert werden diese durch Amateurvideos, die von Handykameras aufgenommen wurden. Sie zeigen die sogenannten „Windimpfungen“ oder spanisch: Vacina de vento.

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In dem südamerikanischen Land sind sogenannte Impfstraßen üblich, bei denen die zu impfende Person im Auto vorgefahren wird und die Spritze dann durch das geöffnete Beifahrerfenster erhält. Was das Impfpersonal offenbar nicht sehen kann: Häufig filmt der Fahrer mit der Handykamera wie der Beifahrer geimpft wird.

Diese wackeligen Amateurvideos zeigen Schockierendes: In den Videos setzt das Impfpersonal zwar die Spritze, es drückt aber den Kolben nicht herunter, sondern zieht die Spritze wieder heraus, ohne dass das Vakzin in den Körper gelangt ist. Andere Videos zeigen, dass der Kolben zwar heruntergedrückt wurde, die Spritze aber leer war.

Fehler im Stress oder kriminelles Vorgehen?

Bisher gibt es nur wenige solcher Aufnahmen. Es ist deshalb erst mal davon auszugehen, dass es sich um Einzelfälle handelt. Dennoch verunsichern die Schlagzeilen viele Brasilianer, die sich nun fragen, ob sie wirklich den Impfstoff erhalten haben, oder ob auch sie um ihre Dosis betrogen wurden.

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Unklar sind auch die Motive. Möglich ist, dass das Impfpersonal unter Stress einen Fehler gemacht hat. So hat etwa eine Krankenschwester aus der Stadt Petrópolis zugegeben, sie habe völlig übermüdet einen Fehler gemacht, dadurch sei eine Impfdosis verloren gegangen. Um das zu verschleiern, habe sie eine Seniorin nur zum Schein geimpft und eine leere Spritze verwendet, berichtet Tagesschau.de.

Ähnliches hat die Impfhelferin Rozemary Gomes Pita ausgesagt, die in einem Video erkannt und dann von schwer bewaffneten Polizisten zum Verhör begleitet wurde, wie der „Spiegel“ berichtet. In ihrer Aussage sprach sie demnach ebenfalls von Müdigkeit und Stress. Gomes Pita sagte, dass sie nicht mitbekommen hätte, was passiert sei. Aber die brasilianischen Behörden zweifeln an dieser Version, denn wenn fahrlässig gehandelt worden wäre, dann hätte man das volle Vakzinfläschchen irgendwo finden müssen.

Im Verdacht steht deshalb auch ein kriminelles Vorgehen. So könnte das medizinische Personal Impfungen unterschlagen haben, um sich selbst und die Angehörigen mit dem knappen Gut zu versorgen. Möglich ist aber auch, dass die Impfdosen auf dem Schwarzmarkt angeboten werden und dort hohe Preise erzielen.

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Impfkampagne startete spät und mit Komplikationen

Bislang haben sich in Brasilien mehr als 10,5 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert – nur in den USA und in Indien sind die Zahlen noch höher. Zuletzt überschritt das Land die Marke von 250.000 Toten in Verbindung mit dem Virus.

Trotz der dramatischen Lage lief die Impfkampagne in Brasilien erst im Januar an und wurde noch dazu von Komplikationen geprägt. Angesichts fehlender Impfstoffe setzten Rio und andere wichtige Städte die Impfungen zuletzt sogar aus. Hinzu kommt: Die im Amazonasgebiet nachgewiesene Variante des Coronavirus ist laut Gesundheitsminister Eduardo Pazuello dreimal ansteckender als der ursprüngliche Erreger.

mit dpa

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