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  • “Brandgefährlich”: Virologe Kekulé kritisiert Handeln der Politik in Corona-Pandemie

Virologe Kekulé: Eingriffe in Intervallen sind “brandgefährlich”

  • Alexander Kekulé kritisiert das aktuelle Handeln der Politik scharf.
  • Die Maßnahmen nach dem Prinzip “Bremsen und Beschleunigen” zu lockern und verschärfen, sei “hochriskant”.
  • Kekulé spricht sich dagegen aus, die Maßnahmen nun ohne alternatives Schutzkonzept zu lockern.
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Der Virologe Alexander Kekulé hat die Lockerung der Corona-Maßnahmen scharf kritisiert. In einem Gastbeitrag für “Die Zeit” kritisiert Kekulé: Auch wenn der Lockdown große wirtschaftliche Schäden verursache, dürfte die Politik erst dann die Kontaktbeschränkungen lockern, wenn sie “alternative Schutmaßnahmen” installiert habe.

Die Maßnahmen zu lockern, wenn die Reproduktionszahl unter einen Wert von 1 gefallen ist und sie dann wieder zu verschärfen, wenn sie über einen Wert von 1 steigt, hält Kekulé nicht für sinnvoll: “[…] das Konzept der Eingriffe in Intervallen ist brandgefährlich.” Die Erfahrung mit anderen Coronaviren lehre, dass im Herbst wahrscheinlich wieder mit einem “deutlichen” Anstieg der Fallzahlen zu rechnen sei. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass es zu diesem Zeitpunkt schon einen Impfstoff, Herdenimmunität oder vielleicht sogar eine lebensrettende Therapie gebe.

Konzept ist “hochriskant”

Tatsächlich könnte es anderthalb Jahre dauern, bis Sars-Cov-2 durch einen Impfstoff eingedämmt werden könne, so Kekulé. “Ein so langer Zeitraum kann aufgrund der wirtschaftlichen, sozialen, politischen und auch gesundheitlichen Kollateralschäden nicht mit ,Beschleunigen und Bremsen‘ überbrückt werden." Denn das Konzept sei im Hinblick auf die unmittelbaren Gesundheitsfolgen von Covid-19 “hochriskant”, mahnt Kekulé.

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Würden die Kontaktbeschränkungen jetzt gelockert – und besonders die Kitas und Grundschulen geöffnet –, werde es ohne ein anderes Schutzkonzept zu mehr Infektionen und Todesfällen kommen. Auch dass die Maßnahmen für Geschäfte, Gastronomie und Schulen nun mehr oder minder gleichzeitig gelockert würden, kritisiert der Virologe. “Aus fehlender Immunität, vernachlässigtem Social Distancing und unzureichendem Schutz der Risikogruppen könnte dann im Herbst ein viraler Orkan entstehen.”

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Plädoyer für das Smart Distancing

Kekulé plädiert dafür, sich im Kampf gegen die Corona-Pandemie nun weniger auf die Reproduktionszahl zu konzentrieren und sich stattdessen an der Zahl der täglichen Neuinfektionen zu orientieren. Der Lockdown habe dazu gedient, den exponentiellen Anstieg unter Kontrolle zu bekommen. Nun gehe es darum, dass die Zahl der Neuinfektionen das Gesundheitssystem nicht überlaste: “Neben der Nachverfolgung von Kontakten wird die Epidemie in diesem Stadium insbesondere durch Smart Distancing kontrolliert.” Dazu gehörten der Schutz von Risikogruppen, Masken, Aufklärung des Infektionsgeschehens, reaktionsschnelle Nachverfolgung und Tests.

Besonders bei der Aufklärung des Infektionsgeschehens, also der Frage: “Wer steckt sich wo an?”, gebe es jedoch noch “erhebliche Lücken”.

Doch auch beim Schutz des Risikogruppen gebe es noch Widerstände, kritisiert Kekulé. “Der Schutz der Risikogruppen ist jedoch möglich, ohne ihre Grundrechte zu beschränken.” Tatsächlich würden die Risikogruppen durch die nun verfolgte Strategie vom “Beschleunigen und Bremsen” viel eher einer Gefahr ausgesetzt, ohne dass dies offen kommuniziert sei. “Da Risikopersonen und insbesondere Alte nicht konsequent geschützt werden, tragen sie ein höheres Risiko als die jüngere Bevölkerung, die ihrerseits überproportional von den Freiheiten profitiert.”

RND/asu




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