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Böses Erwachen: US-Patienten drohen nach Corona-Behandlungen hohe Rechnungen

  • Die Corona-Pandemie zeigt überdeutlich die Schwächen des amerikanischen Gesundheitssystems auf.
  • Obwohl eine Mischung aus privaten Versicherern, Regierungsprogrammen und unterschiedlichen Tarifen die Menschen schützen soll, fallen manche durch das Raster.
  • Die Patienten bekommen teilweise hohe Rechnungen.
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New York. Eine Infektion mit dem Coronavirus schwächt Menschen nicht nur körperlich, sondern kann schwerwiegende finanzielle Folgen haben. In den USA, wo mehr als sieben Millionen bestätigte Infektionen registriert wurden, müssen Patienten noch Monate nach einer Behandlung mit bösen Überraschungen rechnen. Zwar haben viele Versicherer und auch die US-Regierung angekündigt, Kosten im Zusammenhang mit einer medizinischen Versorgung wegen Covid-19 zu übernehmen, aber dennoch können hohe Summen übrig bleiben.

Regierung wollte Kosten für Corona-Tests übernehmen

Das erlebte Melissa Szymanski, die im März in Hartford in Connecticut fünf Stunden in einer Notaufnahme verbrachte. Ihre Rechnung: 3200 Dollar. Die Grundschullehrerin wurde nicht auf das Coronavirus getestet, obwohl sie Fieber hatte und ihr Arzt eine Röntgenuntersuchung des Brustraumes anordnete. Das Krankenhaus hatte die Zahl der Tests begrenzt und Szymanski erfüllte die Kriterien nicht. Sie bekam daher nie die offizielle Diagnose Covid-19 und ihr Versicherer Anthem BlueCross BlueShield erklärte, sie müsse zunächst einen hohen Eigenanteil zahlen, bevor eine Kostenübernahme greife.

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"Ich war überrascht, dass ich überhaupt eine Rechnung bekommen habe, weil es doch so offensichtlich Covid zu sein schien", sagt Szymanski. Sie machte später einen Bluttest, der zeigte, dass sie tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert war und ist jetzt bemüht, die Rechnung zu reduzieren.

Kliniken sollen nicht auf Kosten sitzen bleiben

Dagegen erhielt Mary Lynn Fager nach ihrer Infektion Ende März gar keine Rechnung, obwohl sie sogar vier Tage im Krankenhaus mit Sauerstoff versorgt werden musste und mehrfach untersucht wurde. Sie fragte in der Verwaltung nach den Kosten und erhielt die Auskunft, dass man ihr nichts in Rechnung stellen werde. Fager hatte kurz zuvor ihren Arbeitsplatz verloren und wurde damit in das Medicaid-Programm des Staates New York aufgenommen. Alle Kosten waren so gedeckt. "Ich konnte es gar nicht glauben", sagt sie. "Selbst als ich nicht atmen konnte, war das die ganze Zeit in meinem Hinterkopf. Ich habe an Krankenhausrechnungen gedacht."

Damit es möglichst wenig Infizierten so ergeht, hat die US-Regierung erklärt, sie wolle Kliniken, die unversicherte Covid-19-Patienten behandeln, die Kosten erstatten. Zudem haben 78 Versicherungskonzerne angekündigt, ihren Versicherten die Eigenanteile nicht in Rechnung zu stellen, wie die Kaiser Family Foundation recherchierte. Das wollen auch große Arbeitgeber, die für ihre Mitarbeiter die Krankenversicherung übernehmen, so handhaben. Allerdings haben die Regelungen Grenzen, manche laufen mit dem Jahresende aus.

Rechnungen werden häufig falsch ausgestellt

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In den USA stehen Patienten oft vor einem weiteren Problem: Sie bekommen ihre Behandlungskosten nur bezahlt, wenn sie Krankenhäuser aufsuchen, mit denen ihre Versicherung einen Vertrag geschlossen hat. "Wenn man sich außerhalb dieses Netzwerks behandeln lässt, dann könnten einige dicke Rechnungen kommen", sagt Karen Pollitz von der Kaiser-Stiftung. Und selbst wer in ein Krankenhaus seiner Versicherung geht, ist noch nicht auf der sicheren Seite. Denn es gibt keine Garantie, dass der Vertrag auch für den behandelnden Arzt gilt.

Die Krankenhäuser brauchen manchmal Wochen und Monate, um die Rechnung zu stellen. Bisher ist daher unklar, wie viele Patienten vor hohen Kosten stehen könnten, wie der Ökonom Matthew Eisenberg von der medizinischen Fakultät Johns Hopkins Bloomberg erklärt.

Wenn eine hohe Rechnung in der Post liegt, sollten die Patienten nicht umgehend zahlen, sondern erst einmal Fragen stellen, so der Rat von Experten. Oftmals erhalten die Krankenhäuser Bundeshilfen und dürften daher gar keine Rechnungen an Covid-19-Genesene verschicken. Sabrina Corlette, Co-Direktorin des Zentrums für Gesundheitsreformen an der Universität Georgetown, erklärt, die Klinikverwaltungen seien noch nicht sicher im Umgang mit Ansprüchen aus Covid-19-Fällen. Es komme immer wieder zu Fehlern bei der Rechnungsstellung. "Es gibt gute Gründe, warum sowohl die Versicherung als auch das Krankenhaus vielleicht sagen: Hoppla, da ist uns ein Fehler unterlaufen."

Betroffene sollten sich Hilfe holen

Für Szymanski hat sich ihre Hartnäckigkeit ausgezahlt. Nach mehr als 20 Telefonanrufen und E-Mails innerhalb der vergangenen fünf Monate hat sie immerhin erreicht, dass 2900 Dollar von ihrer Rechnung gestrichen werden. Sie hofft, dass ihre Versicherung den Rest übernimmt.

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Die Expertin Elisabeth Benjamin rät allen Betroffenen, sich dringend professionellen Rat zu suchen. Viele Krankenhäuser wollten durchaus das Richtige tun, erklärt Benjamin, die für die Community Service Society of New York Menschen beim Umgang mit ihren Arztrechnungen berät. Zu Beginn der Pandemie seien viele Menschen frustriert gewesen, weil die Verwaltungen in den Krankenhäusern nicht einmal ans Telefon gegangen seien. Nun gehe es hauptsächlich um Rechnungen für Behandlungen, die die Versicherungen nicht abdeckten. "Das ist sehr kompliziert", sagt Benjamin. "Es ist traurig, dass unser Gesundheitssystem die Menschen zwingt, zu Experten zu werden."

RND/AP

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