Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

„Get Boosted Now“: Wie Boris Johnson gegen Omikron kämpft

"Get Boosted now": Boris Johnson rief die britischen Bürgerinnen und Bürger erneut zur Booster-Impfung.

London. Ob in London, Bristol oder Liverpool, gestern bildeten sich überall in Großbritannien lange Schlangen vor Arztpraxen, kleinen Kliniken und vor Apotheken. Viele Menschen kamen schon in den frühen Morgenstunden, um sich dann dem liebsten britischen Hobby zu widmen: sich geduldig anstellen. Am Vortag warteten manche bis zu sieben Stunden, um die begehrten Booster zu bekommen. So mancher erhofft sich, so das Weihnachtsfest mit der Familie zu retten, nachdem dieses schon im letzten Jahr ausfallen musste.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Umfassendes Maßnahmenpaket soll die Lage im Land entspannen

Seit Montag folgen die Menschen in Großbritannien dem Aufruf von Premierminister Boris Johnson, sich so schnell wie möglich eine dritte Impfung zu holen. Das Ziel ist ambitioniert: Täglich sollen bis zu eine Million Menschen eine Spritze erhalten. Darüber hinaus wurden am Dienstagabend im Parlament weitere Maßnahmen verabschiedet zur Eindämmung der Omikron-Variante in England. Dazu gehört unter anderem der selbst in der konservativen Regierungspartei umstrittene „Covid Pass“. Erwachsene müssen nun nachweisen, dass sie doppelt geimpft sind oder negativ getestet wurden, wenn sie Nachtclubs, Sport- und andere Großveranstaltungen besuchen wollen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Am Mittwochabend rief Johnson die britischen Bürgerinnen und Bürger erneut zur Booster-Impfung auf: „Boostern Sie sich jetzt“, empfahl der Premier auf einer Pressekonferenz zur Corona-Lage in London. Jede Person, die sich jetzt impfen lasse, trage zum nationalen Kraftaufwand bei. Es werde überall geimpft, „in Einkaufszentren, auf Hauptstraßen und in Fußballstadien“, so Johnson. „Wir setzen alles daran.“ Außerdem rief er dazu auf, sich freiwillig zu melden, um der Impfkampagne zu helfen. So könne man etwas tun, von dem man seinen Enkeln noch „an vielen Weihnachtsfesten ab jetzt“ erzählen könne.

Omikron breitet sich rasant aus

Mit dem Maßnahmenpaket versucht man die angespannte Lage in Großbritannien in den Griff zu bekommen. Denn die Omikron-Variante breitet sich rasant aus – vor allem in London. Die Mutation macht in der Hauptstadt nach ersten Analysen inzwischen mehr als 50 Prozent der Fälle aus. Die Zahl der Coronavirus-Patientinnen und ‑Patienten in den Krankenhäusern ist dort auf rund 1360 gestiegen. Das ist der höchste Stand seit Anfang März. In ganz Großbritannien wurde die Zahl der Infektionen mit der neuen Variante auf 200.000 pro Tag geschätzt, diese Zahl ist jedoch umstritten, da sie weit über der von der Regierung veröffentlichten Zahl von rund 60.000 Neuansteckungen insgesamt liegt. Offiziell lag die Inzidenz landesweit zuletzt bei 514.

Dabei ist es Experten und Expertinnen zufolge kein Zufall, dass ausgerechnet London besonders stark von der Welle betroffen ist. Mittlerweile kennt in der Hauptstadt fast jeder gleich mehrere Menschen, die erkrankt sind. Denn während die Regionalregierungen in Wales, Nordirland und Schottland längst strengere Maßnahmen einführten, verzichtete Johnson in England seit dem sogenannten Freedom Day am 19. Juli dieses Jahres auf Beschränkungen wie eine Maskenpflicht und Abstandsregeln. Die Zahl der Neuinfektionen ist dort seitdem auf einem konstant hohen Niveau und pendelte sich zwischen 30.000 und 50.000 am Tag ein. Die Zahl der an oder mit Covid-19 Gestorbenen lag seit dem Sommer an den meisten Tagen zwischen 100 und 200 pro Tag. Kritiker und Kritikerinnen bezeichneten das Abschaffen der Restriktionen deshalb als zynisches Experiment. Es scheint nun, als würden sie recht damit behalten. Denn wegen der fehlenden Beschränkungen hat sich in den vergangenen Wochen die neue Omikron-Variante insbesondere in der Hauptstadt in Windeseile ausgebreitet.

Knapp 36 Prozent der Briten sind bereits geboostert

Die Booster-Kampagne ist daher ein Rennen gegen die Zeit. Aktuell haben rund 36 Prozent der Bevölkerung in Großbritannien eine Auffrischungs­impfung erhalten. Zum Vergleich: In Deutschland waren es zuletzt rund 24 Prozent. Am Dienstag erhielten rund eine halbe Million Briten und Britinnen eine Impfung. Beeindruckend ist dabei die Schnelligkeit, mit der man die Impfzentren eingerichtet hat. Im Unterschied zu Deutschland impfen in Großbritannien beispielsweise bereits auch Apotheker und Apothekerinnen oder sogar ehrenamtliche Helfer und Helferinnen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Auf der Insel setzt man bei der Auffrischung auf Biontech und Moderna. Probleme bei der Buchung von Impfterminen und den Mangel an Schnelltests begründete der britische Verkehrsminister Grant Shapps gestern mit logistischen Problemen: „Es gibt viele Vorräte.“ Man käme jedoch mit den Lieferungen nicht hinterher.

Hotels in Pflegeeinrichtungen umgewandelt

Mit den Booster-Impfungen und dem am Dienstag verabschiedeten Maßnahmenpaket verfolgt man vor allem ein Ziel: eine Überlastung des nationalen Gesundheitssystems NHS zu verhindern. Denn der Mangel an Personal und finanziellen Mitteln führte dazu, dass zuletzt immer weniger Krankenhausbetten zur Verfügung standen. Deshalb wurden die Krankenhäuser in England angewiesen, so viele Patienten und Patientinnen wie möglich zu entlassen, um auf den möglichen Ansturm von Covid-Patienten vorbereitet zu sein.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Kein leichtes Unterfangen, da schon in der Woche zuvor berichtet wurde, dass zahlreiche ältere Patienten und Patientinnen in Kliniken verweilen mussten, weil sie keinen Platz in einem Heim bekamen. Doch auch hierfür fand sich eine Lösung: So wurden kurzerhand Hotels in temporäre Pflegeeinrichtungen umgewandelt und mit aus Spanien und Griechenland eingeflogenen Arbeitern und Arbeiterinnen besetzt.

Mehr aus Gesundheit

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Spiele entdecken