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Booster-Impfung für alle: Wann bin ich dran – und kann man sich auch früher impfen lassen?

  • Sechs Monate nach der zweiten Impfdosis können sich alle über 18-Jährigen boostern lassen.
  • Was aber, wenn man den Impfschutz schon vorher erhöhen will?
  • Die Abwägung ist komplex – und hängt an der Infektionsdynamik, dem Immunsystem, dem Alter und den Vorerkrankungen.
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In der Regel sechs Monate nach der zuletzt verabreichten Dosis gegen Covid-19 kann man sich in Deutschland boostern lassen. Die Impfverordnung sieht die Möglichkeit zur Auffrischung nach Ablauf dieser Frist grundsätzlich für alle Menschen vor, für die es zugelassene Impfstoffe gibt. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Auffrischimpfung allen über 18-Jährigen.

Zugelassen ist zwar seit Ende November auch der Impfstoff für 5- bis 12-jährige Kinder der Hersteller Biontech/Pfizer. Da in dieser Altersgruppe aber erst jetzt mit den Erstimpfungen gestartet wird, dauert es noch, bis Booster-Impfungen infrage kommen. Zudem empfiehlt die Stiko die Impfung jüngerer Kinder derzeit nur, wenn diese durch Vorerkrankungen besonders gefährdet sind.

Für diejenigen, die sich im Frühjahr haben impfen lassen, also insbesondere Ältere und besonders Gefährdete mit Risikofaktoren und Menschen aus Berufen mit besonders vielen Kontakten, ist die Frist schon abgelaufen, oder wird es in den kommenden Wochen. Andere, die im Sommer und Herbst die zweite Dosis erhalten haben, müssen sich noch ein wenig gedulden.

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Aber macht das Abwarten Sinn? Was, wenn man angesichts explodierender Infektionszahlen und der befürchteten Ausbreitung der Omikron-Variante schon früher eine Auffrischung gegen Corona haben möchte? Lohnt es, um einen Termin beim Hausarzt oder der Hausärztin zu bitten oder sich ohne Termin bei Impfstellen und Aktionen anzustellen?

Warum eine Booster-Impfung?

Ein Booster empfiehlt sich, um den persönlichen Schutz vor Covid-19-Erkrankung und Tod zu erhöhen. Untersuchungen aus Israel, Schweden und Deutschland haben gezeigt, dass das Level für den Immunschutz relevanter Antikörper bei allen zugelassenen Impfstoffen mit der Zeit unterschiedlich stark abnimmt, spätestens aber nach sechs Monaten. Das heißt nicht, dass es dann plötzlich gar keinen Schutz mehr gibt. Aber die Impfung schützt nicht mehr so gut vor Ansteckung, Erkrankung und Tod wie zu Beginn.

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Dafür gibt es eine Lösung: Den Impfbooster, also eine dritte Dosis mit einem mRNA-Impfstoff. Dieser erhöht den Schutz vor schwerem Covid-19 infolge einer Delta-Infektion noch einmal deutlich – verglichen mit den zweifach Geimpften. Forschende aus Israel konnten beispielsweise zeigen, dass bei einem Booster mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer erneut eine 93-prozentige Wirksamkeit gegen Krankenhauseinweisung erreicht wurde.

Menschen mit einer Grundimmunisierung haben ersten Erkenntnissen zufolge zudem nicht genügend Antikörper, um die Omikron-Variante zu neutralisieren - wodurch wohl insbesondere der Schutz vor einer Ansteckung geringer ausfällt. Ein Booster erhöht das Level und damit die Immunantwort hingegen um ein Vielfaches - auch bei der neuen Mutante. Das zumindest lassen erste Laboruntersuchungen des Herstellers Biontech vermuten.

Expertinnen und Experten halten die Ergebnisse für übertragbar auf andere Impfstoffe - also auch Moderna. Wie lange der verbesserten Schutz durch den Booster Bestand hat und wie hoch genau er in Bezug auf Ansteckung, Krankheit und Tod ausfällt, ist noch unklar. Corona-Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass Omikron sich zum neuen Jahr hin hierzulande weiter ausbreiten wird.

Die immunologische Sicht: Abstand lieber einhalten

Bei der Deltavariante, die gegenwärtig noch dominant ist, zeigen die Daten, dass in der Regel – also wenn man nicht immungeschwächt ist oder besonders alt – ein Booster für den persönlichen Schutz sechs Monate nach Verabreichen der zweiten Impfdosis ausreicht. „In den ersten Monaten nach der Zweitimpfung hat man erst einmal einen exzellenten Schutz“, erklärte etwa der Impfstoffforscher Erik Leif Sander der „Zeit“. „Da ist der Nutzen der Auffrischung noch nicht so hoch.“

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Die Ausnahme: Personen mit schwerer Immunschwäche. Sie können die dritte Impfstoffdosis bereits vier Wochen nach Grundimmunisierung bekommen. Wer mit Johnson & Johnson geimpft wurde, kann ebenfalls vier Wochen nach der Grund­immunisierung mit einer Dosis von Biontech oder Moderna auffrischen.

Es gibt dem Experten zufolge einen immunologischen Grund, wieso es in den anderen Fällen Sinn haben kann, die Frist grob einzuhalten: Gibt man die Drittimpfung zu früh, unterbricht man bestimmte Reifungsprozesse des Immunsystems. „Man sollte nicht sofort nachimpfen“, erklärte Sander vor wenigen Wochen. Es sei von anderen Impfstoffen bekannt, dass ein größerer Abstand zwischen Zweitimpfung und Booster zu einer besseren Immunantwort führt. Wo genau beim Corona-Impfstoff die Grenze verlaufe, wisse man jedoch nicht genau.

Die Sicht der Stiko: Gefährdete zuerst

Eine weitere Überlegung, wieso es als gesunde jüngere Person im Moment weniger dringlich ist, sich noch vor der Frist um einen Booster zu bemühen, stellt die Ständige Impfkommission (Stiko) in den Vordergrund. Das Gremium empfiehlt zwar allen über 18-Jährigen die Booster-Impfung - aber prioritär insbesondere besonders Gefährdeten. Dazu zählen Ältere über 70 und Menschen mit Immundefizienz, worunter beispielsweise Immundefekte, Organ- und Stammzelltransplantationen, Krebs und HIV fallen.

Der Grund? „Die Situation ist ja Folgende, die überwiegende Anzahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen sind über 60-Jährige und Personen mit Vorerkrankungen“, erklärte Stiko-Mitglied Klaus Überla im Gespräch mit dem Science Media Center (SMC). „Und wir brauchen akut eine Entlastung der Intensivstationen. Insofern müssen wir bei Engpässen hinsichtlich der Impfkapazität zunächst diese Personengruppen impfen, um rasch von den Zahlen auf den Intensivstationen herunterzukommen.“ Bei einer Auffrischimpfkampagne sollte der Stiko zufolge soweit wie möglich nach absteigendem Lebensalter vorgegangen werden.

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Die epidemiologische Sicht: Schnell viele boostern

Ein Argument, den Booster bei sehr hoher Infektionsdynamik rechtzeitig zu bekommen, auch ohne Vorerkrankung oder hohes Alter, demonstrieren Beobachtungsdaten aus Israel und Großbritannien. Dort wurde bevölkerungsweit bereits im Sommer intensiv geboostert. In der Folge ging das Infektionsgeschehen in den relevanten Bevölkerungsgruppen zurück – hatte also einen eindämmenden Effekt. Die Hoffnung haben Fachleute auch hierzulande: Deutschland könnte mittelfristig die Ansteckungen im Corona-Winter besser in den Griff bekommen, wenn die Boosterimpfungen zügig bevölkerungsweit durchgeführt werden.

Auch die Stiko formuliert, dass eine Auffrischung für alle über 18-Jährigen zum Ziel hat, den Individualschutz aufrechtzuerhalten und die Übertragungen von Sars-CoV-2 in Deutschland damit zu reduzieren. Heißt also: Die Infektionswelle könnte damit abgeschwächt und zusätzlich schwere Erkrankungs- und Todesfälle verhindert werden.

Nach Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA könnten Boosterimpfungen auch schon nach drei Monaten erfolgen. Ungeachtet der geltenden Empfehlungen, die Auffrischung nach sechs Monaten zu verabreichen, „sprechen die derzeit verfügbaren Daten für eine sichere und wirksame Auffrischungsdosis bereits drei Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung“, sagte der EMA-Direktor für Impfstrategie Marco Cavaleri Mitte Dezember bei einer Pressekonferenz der Behörde in Amsterdam. Ein so kurzer Abstand wäre möglich, wenn dies „unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Gesundheit wünschenswert ist“.

Muss der Booster am Stichtag erfolgen?

Ein Anruf beim Hausarzt oder der Hausärztin, dass Interesse an einer Auffrischungsimpfung besteht, schadet also nicht. Darauf zu drängen, weit vor der Sechs-Monatsfrist dranzukommen, ist aber kontraproduktiv. Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate kann im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind erwogen werden, sagt die Stiko. Grundsätzlich sollte man mit der Sechsmonatsgrenze pragmatisch umgehen, sagt auch Sander.

Wer zum Beispiel unter 70 Jahre alt ist oder etwas weniger als sechs Monate geimpft, sollte den Booster nicht ablehnen: Bei Grenzfällen würde er überhaupt nicht dogmatisch vorgehen. „Dann würde ich sagen: Jeder gegebene Booster ist besser als jeder nicht gegebene.“ Auch eine Auffrischung nach vier oder fünf Monaten halte er für unbedenklich – gerade bei besonders hohem Infektionsrisiko oder Vorerkrankungen.

Die rund sechs Monate Abstand nach der zweiten Impfung seien für Personen ohne Immunschwäche lediglich ein Richtwert, sagt auch der Immunologe Carsten Watzl. Alles zwischen vier und acht Monaten sei „wohl okay“. Ob man sich infiziere, hänge zudem nicht nur davon ab, wie gut der Immunschutz ist, so der Experte. Sondern auch davon, wie stark man dem Coronavirus ausgesetzt ist. Sprich: Bei steigenden Infektionszahlen steigt auch das Ansteckungsrisiko.

Wo kann ich mich informieren?

Die erste Anlaufstelle für eine Auffrischimpfung ist der Hausarzt oder die Hausärztin. Wer dort nicht weiterkommt oder keine feste hausärztliche Praxis hat, kann zum Beispiel bei der kostenlosen Hotline 116 117 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung anrufen und nach Terminen fragen. Eine weitere Anlaufstelle ist das vom Bundesgesundheitsministerium betriebene Portal „zusammengegencorona.de“. Dort gibt es zum Beispiel eine interaktive Deutschlandkarte, in der man Links, Telefonnummern sowie konkrete Impfangebote findet.

Dieser Artikel wurde am 11. Dezember aktualisiert.

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