Biontech-Studie: Das sagen Weltärztepräsident Montgomery und Infektiologin Addo

  • Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech hat vielversprechende Daten zu seinem Corona-Impfstoff veröffentlicht.
  • Wissenschaftler und Mediziner werten die ersten Ergebnisse als eine äußerst gute Nachricht mitten in der Pandemie.
  • Einige Fragen bleiben aber vorerst offen.
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Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech hat erste Daten aus der Phase-III-Studie seines Corona-Impfstoffes veröffentlicht. „BNT162b2“ soll einen Schutz gegen Covid-19 bieten. Es ist das erste Zwischenergebnis aus der für eine Zulassung entscheidenden Studienphase zu einem für Europa maßgeblichen Corona-Impfstoff.

Laut einer eigenen Pressemitteilung sind die Ergebnisse auf den ersten Blick erstaunlich: „Die Fallaufteilung zwischen geimpften Personen und Personen, die das Placebo erhielten, zeigt eine Impfstoff-Wirksamkeitsrate von über 90 Prozent sieben Tage nach der zweiten Dosis.“ Demnach werde dieser Impfschutz bereits 28 Tage nach Beginn der Impfung, die aus einem Zwei-Dosis-Schema besteht, aufgebaut. Was sagen internationale Impfexperten zu den vielversprechenden Ergebnissen der Hersteller? Das Science Media Center und das RND haben sich umgehört.

Gute Nachrichten – und das mitten in der Corona-Pandemie

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hat die Fortschritte beim angekündigten Impfstoff der Firma Biontech gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland als „Riesensprung nach vorne“ bezeichnet. Ein „Durchbruch“ sei das aber noch nicht, betonte der Mediziner. Es fehlten noch wissenschaftliche Arbeiten, sagte Montgomery. Er verwies auch darauf, dass „große Erfahrungen mit RNA-Impfstoffen“, also Impfstoffen, die auf Ribonukleinsäure beruhen, „bisher nicht vorhanden“ seien.

Als ausgesprochen positives Signal wertet auch Prof. Dr. Leif-Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, die Ergebnisse zum mRNA-Impfstoff von Biontech. „Sollte sich dieser Trend in den Daten fortsetzen, das heißt ein Schutz von über 90 Prozent der Geimpften, wäre dies eine unerwartet hohe Impfeffizienz, die mit vielen der routinemäßig eingesetzten Impfstoffe, wie zum Beispiel gegen Influenza, nicht erreicht wird.“ Nach Angaben der Firma zeigten sich keine sicherheitsrelevanten Nebenwirkungen.

Allerdings sei der Beobachtungszeitraum für relevante Nebenwirkungen noch zu kurz. „Es muss sich auch noch zeigen, ob der Impfstoff auch in verschiedenen Bevölkerungsgruppen, insbesondere in Risikogruppen wie älteren Menschen, ebenso effektiv ist“, sagt Sander. Außerdem sei es enorm wichtig zu untersuchen, ob diese Impfung vor schweren Verläufen von Covid-19 schützt. „Zudem muss sich zeigen, wie lange der Impfschutz anhält.“

Hohe Wirksamkeit bei Biontech-Impfstoff vermutet

Etwas vorsichtiger urteilt Prof. Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): „Das sind interessante erste Signale, die allerdings erneut nur in einer Pressemitteilung mitgeteilt werden. Es stehen noch keine Primärdaten zur Verfügung und eine Peer-Review-Publikation steht noch aus.“ Von besonderem Interesse seien die 94 aufgetretenen Infektionsfälle und Daten zu verschiedenen Altersgruppen.

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„Das sind fantastische Resultate“, sagt Prof. Florian Krammer, Vakzinologie-Professor an der Icahn School of Medicine in New York. „Die Wirksamkeit könnte höher sein als vermutet, und das bedeutet vermutlich auch, dass es – zumindest in den USA – sehr bald zu einem Antrag zur Zulassung kommen wird.“ Selbstverständlich wäre es besser, altersspezifische Daten zu sehen, er vermute aber, dass diese bald publiziert werden. „Ehrlich gesagt ist das die beste Nachricht, die ich seit dem 10. Januar erhalten habe“, bekräftigt Krammer.

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Vorteil von mRNA-Impfstoffen: schnelle Herstellung und Anpassung

Die übergeordnete Botschaft laut Prof. Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing: Ein völlig neues Impfprinzip auf der Basis von passgenauen mRNA-Impfstoffen habe erstmalig seine Effektivität bewiesen und bewährte Strategien auf der Basis von aufwendigen Virusvektoren oder Ähnlichem damit in den Hintergrund gerückt. „Das Herstellungsverfahren ist im Vergleich zu klassischen Impfstoffen sehr viel schneller und kann auch relativ schnell bei Auftreten von Virusmutationen angepasst werden“, betont der Mediziner.

Wendtner rechnet damit, dass noch im laufenden Monat November eine Notfallzulassung über die US-Zulassungsbehörde FDA beantragt werde. „Wenn dieser Schritt erfolgen wird, könnte in der Tat bereits Ende 2020 eine Impfwelle anrollen, dann stehen bereits 50 Millionen Dosen laut Hersteller zur Verfügung.“

RND/sbu


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