Bio-Essen in Kantinen: Nur ein teurer Trend?

  • Grünen-Politikerin Renate Künast möchte, dass alle öffentlichen Kantinen auf Bio-Produkte umsteigen.
  • In einigen Bundesländern könnte das schon funktionieren, vielen Kantinenbetreibern ist die Umstellung aber zu riskant.
  • Ohne staatliche Unterstützung würden vermutlich die Kantinen-Preise steigen.
David Sander
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Hannover. "Wenn alle Schulen, Kitas und Krankenhäuser bei der Verpflegung auf Bio-Lebensmittel setzen, ist das eine Botschaft an die Bauernfamilien auf dem Land, die Umstellung zu wagen", sagte Renate Künast, die ernährungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". So würde es auch für die Bauern attraktiver werden, ihre Produktion auf Bio umzustellen. Alles Bio, alles gut? Weit gefehlt... Künasts These bekommt Gegenwind - von den Kantinenbetreibern selbst.

Umsetzung von Bio-Kantinen: Bundesweite Unterschiede

Ganz neu ist die Idee nicht. Wie die "BILD" berichtete, forderte bereits Ende August 2019 Grünen-Politiker Frithjof Rittberger vom Kreisverband Tübingen (Baden-Württemberg), dass landeseigene Kantinen nur noch Bio-Essen anbieten sollten. Das setzt voraus, dass regionale Landwirte diese Nachfrage befriedigen. Laut dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg werden insgesamt 14 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ökologisch bewirtschaftet. Das würde ausreichen, um alle Kantinen-Kunden im Land Baden-Württemberg zu sättigen, wie die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg gegenüber dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND)" bestätigt. Doch das seien lediglich Zahlen für Baden-Württemberg, in anderen Bundesländern könne es anders aussehen.

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Mehr Bio? Kantinenbetreiber sind skeptisch

Auf Seiten einiger Kantinenbetreiber ruft die Grünen-Idee Skepsis hervor. "Auf dem freien Markt können sich große Kantinen mehr drauf einstellen, weil der Kundenkreis angesprochen wird, der Bio-Preise zahlen kann. Aber kleine, mittelständische Unternehmen könnten schon echte Probleme bekommen", sagt Rolf Häußler, Vorsitzender des Bundesverbands der Kantinenpächter (BdK) gegenüber dem "RND". Der BdK vertritt die Interessen vieler Kantinenpächter der Bundeswehr sowie in der freien Wirtschaft, Industrie und von Behörden. "Gerade bei jungen Soldaten geht der Trend Richtung Bio, die Nachfrage ist also da. Aber die Kantinen-Gerichte müssen bezahlbar sein, sonst bleibt nur der gute Wille", so Häußler.

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Kantinen: Bio bedeutet Preisanstieg

Laut Häußler gibt es aktuell keinen Betrieb im Bundesverband der Kantinenpächter, der ausschließlich auf Bio-Produkte setzt. Aber etwa 60 Prozent verwenden regelmäßig Bio-Lebensmittel. Eine komplette Umstellung würde ein zu hohes Risiko bergen, obwohl die Motivation vorhanden sei. "Jeder Kantinenpächter verkauft gerne Bio. Aber Bio ist zwangsläufig im Einkauf teurer - wenn es hier staatliche Unterstützung gäbe, würden sicherlich mehr Kantinen den Versuch wagen, komplett umzustellen." Am Ende würde eh der Steuerzahler dafür aufkommen. Die Stuttgarter Rathaus-Kantine beispielsweise hat auf Bio umgestellt - seitdem seien die Mahlzeiten um 20 Prozent teurer geworden, sagt Stadtsprecherin Jasmin Bühler gegenüber "Bild".

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Landwirte: Ökobetriebe haben weniger Ernte

Auch die Landwirte, die in dieser Diskussion eine wichtige Rolle spielen, dürfen nicht vergessen werden. Reine Ökobetriebe kommen auf weniger Ertrag pro Fläche. Ökobauern fahren im Schnitt nur etwa 75 Prozent der Ernte von konventionellen Betrieben ein. Das heißt: Landwirte würden durch Bio-Kantinen nur motiviert werden, ihren Betrieb auf Bio umzustellen, wenn sie die Einbußen von der Ernte finanziell ausgeglichen bekämen.

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