Bayerische Forscher arbeiten an Pille gegen Coronavirus

  • Das bayerische Start-up Eisbach Bio kennen derzeit nur absolute Experten – es kann gut sein, dass das so bleibt.
  • Allerdings könnte es auch passieren, dass das Jungunternehmen in näherer Zukunft durchaus populär wird.
  • Was wiederum mit der aktuellen Corona-Pandemie zu tun hat.
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An Corona-Medikamenten wird derzeit weltweit unter Hochdruck geforscht. 165 Impfstoffprojekte hat die Weltgesundheitsorganisation bis Ende Juli gezählt. Seitdem sind sieben weitere Impfstoffkandidaten dazugekommen. “Es fallen mir aber weltweit keine fünf ein, die an einem neuen Wirkstoff für bereits Erkrankte forschen”, sagt Adrian Schomburg. Der 37-Jährige ist Mitbegründer des Medizin-Start-ups Eisbach Bio aus Planegg-Martinsried bei München. Er zählt zu den wenigen Experten, die an einem solchen Therapeutikum arbeiten. Schomburg findet die Einseitigkeit fahrlässig.

Produktionsreif bis Mitte 2021?

Was, wenn es länger dauert, bis ein wirksamer Impfstoff ohne größere Nebenwirkungen gefunden wird oder wenn das Virus so mutieren sollte, dass der Impfstoff nicht mehr wirkt? Es gibt auch Viren wie HIV oder Krankheiten wie Hepatitis C, gegen die es nach Jahren der Forschung keinen Impfschutz gibt. Dann brauchte man längerfristig einen Wirkstoff für Corona-Erkrankte. Geht alles gut, hat Eisbach Bio den nach eigener Aussage Mitte 2021 produktionsreif.

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Das ist ein extrem ambitioniertes Ziel, da das in etwa der Zeitraum ist, in dem die ersten validen Impfstoffe erwartet werden. Möglicherweise wäre das Produkt also schon obsolet, wenn es auf den Markt kommt, weil bis dahin gute Impfstoffe zur Verfügung stehen. Auch bei der weiteren Entwicklung von Eisbach kann noch einiges schiefgehen. Schomburg ist Realist. “Die Chance liegt bei 10 bis 20 Prozent, dass es funktioniert”, schätzt er.

Ein anonymer Financier glaubt an das Projekt

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Sollte dieses Chance Wirklichkeit werden, wären die Marktchancen immens. “Das wäre Blockbuster-Potenzial”, sagt der Molekularbiologe. Das hat auch ein Gönner des erst Anfang 2019 von Schomburg und dem Biochemiker Andreas Ladurner gegründeten Unternehmens erkannt. Eine einstellige Millionensumme habe der spontan für die Erforschung des Corona-Medikaments zur Verfügung und noch mehr in Aussicht gestellt, verrät Schomburg. Namentlich wolle der solvente Spender nicht genannt werden. Nach dem antiviralen Wirkstoff hätten sich auch schon Regierungen erkundigt, sagt der Eisbach-Mitbegründer. Weil die Forschung in Martinsried zudem weniger offene Begehrlichkeiten weckt, sei man jüngst auch von staatlichen Spezialisten für Cyberkriminalität in Gefahrenabwehr unterrichtet worden.

Denn schon der technologische Ansatz von Eisbach Bio ist nach Ansicht seiner Gründer “einzigartig”. Zum einen suchen die Martinsrieder gezielt nach einem Corona-Wirkstoff und probieren nicht nur nach dem Zufallsprinzip für andere Krankheiten zugelassene Medikamente aus. Remdesivir der US-Firma Gilead, eigentlich ein Ebola-Medikament, gilt in der Kategorie derzeit als das wirksamste, ist aber durch erhebliche Nebenwirkungen belastet. Eisbach Bio versucht dagegen, dem Coronavirus die Fähigkeit zur Ausbreitung zu nehmen, indem sie mit speziellen Molekülen ein Eiweiß angreifen und es lahmlegen, das der Erreger zur Reproduktion essenziell benötigt. “Wir kleben ein Schloss zu, mit dem das Coronavirus seine Erbinformationen in unseren Zellen öffnet und ablesbar macht”, veranschaulicht Schomburg die Wirkungsweise.

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Der Molekularbiologe Adrian Schomburg, Mitbegründer und CEO von Eisbach Bio, ist optimistisch, bis Mitte 2021 ein Medikament gegen Covid-19 auf den Markt bringen zu können. © Quelle: Getty Images

Gemessen an den üblichen Entwicklungszeiten kamen erste Erfolge sehr rasch

Ursprünglich wurde Eisbach Bio gegründet, um mit dieser Methode ein Mittel gegen Krebs zu finden. Dann kam Corona. “Ich habe mir am Rechner die Gensequenz des Virus angesehen und erkannt, dass das da ein Eiweiß ist, das unserem Zielprotein bei Krebs ähnlich ist”, erzählt Schomburg. Insofern war auch Glück im Spiel. Dann kam der neue Investor, das Team wurde flugs von zehn auf 15 Forscher aufgestockt, und im Schichtmodell wurde mit Mundschutz 24 Stunden rund um die Uhr gearbeitet. Gemessen an den in der Branche üblichen Entwicklungszeiten kamen erste Erfolge sehr rasch.

Ihre Methodik, ein Virus zu bekämpfen, sei zudem grundsätzlich arm an Nebenwirkungen und relativ resistent gegen Mutationen, sagt Schomburg. Dazu kämen niedrige Kosten. Eine voraussichtlich ein- bis zweiwöchige Therapie würde deutlich unter 100 Euro kosten, stellt der Jungunternehmer in Aussicht. Bei einem Impfstoff gegen das Virus seien dagegen Preise von 1000 Euro je Dosis im Gespräch. Das könnten sich die Gesundheitssysteme armer Länder nicht flächendeckend leisten, weshalb ein Wirkstoff gegen das Virus auch deshalb sinnvoll ist.

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Im Labor habe man Sars-CoV-2 bereits wirksam bekämpft, sagt Schomburg. Demnächst würden Tierversuche beginnen. Bis Ende des Jahres wisse man, ob die Nebenwirkungen im Rahmen bleiben, und könnte Anfang 2021 beginnen, den Wirkstoff an ersten Corona-Patienten zu erproben. Denn lax oder gar nicht testen wie derzeit offenbar in Russland der Fall, kommt für die Bayern nicht infrage. Gleiches gilt für die Optionen, einen Staat bevorzugt zu beliefern oder die gesamte Forschung zu verkaufen. “Für kein Geld der Welt” wollten er und Ladurner die Kontrolle aus der Hand geben. “Wir wissen, was zu tun ist, und sind die Einzigen, die diese Technologie haben”, sagt Schomburg. Das Selbstbewusstsein für einen künftigen Erfolg, es ist zumindest schon vorhanden.

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