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Was Studien nahelegen und Fachleute raten

Jetzt gegen BA.1 impfen lassen – oder lieber auf den Impfstoff gegen BA.5 warten?

Eine Spritze wird mit einem Corona-Impfstoff aufgezogen.

Eine Spritze wird mit einem Corona-Impfstoff aufgezogen.

Die ersten an Omikron angepassten Corona-Impfstoffe könnten bald in Europa verfügbar sein. Am Donnerstag hat die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA eine Zulassungsempfehlung für die adaptierten Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna ausgesprochen. Nach der Genehmigung durch die EU-Kommission können die Impfstoffe dann ab September in Hausarztpraxen und von mobilen Impfteams verimpft werden.

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Dabei muss jedoch berücksichtigt werden: Ganz auf dem neuesten Stand sind die Omikron-Impfstoffe nicht. Denn sie basieren nicht auf der aktuell dominierenden Virusvariante BA.5, sondern auf dem Subtypen BA.1, der zuvor das Infektionsgeschehen in Deutschland angefacht hat. An BA.5 angepasste Vakzine durchlaufen derzeit noch das Rolling-Review-Verfahren bei der EMA. Es könnte noch ein paar Wochen dauern, bis diese dann zur Verfügung stehen. Sollte man sich jetzt also mit einem BA.1-Impfstoff impfen lassen? Oder doch lieber warten?

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BA.1-Impfstoffe sind auch wirksam gegen BA.5

Immunologe Carsten Watzl rät davon ab, auf ein an BA.5 angepasstes Vakzin zu warten. „Es gibt zu diesem Impfstoffkandidaten bisher keine klinischen Daten“, sagte er. Man könne nur über den Nutzen spekulieren – auch angesichts der nicht vorhersehbaren Entwicklung der vorherrschenden Varianten in den kommenden Monaten. Auch Modalitäten der Zulassung in der EU und deren Zeitpunkt seien offen.

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Zudem sind die BA.1-Impfstoffe keinesfalls unwirksam gegen den Omikron-Subtypen BA.5. Das legen zumindest die Studien der Impfstoffhersteller nahe. US-Pharmariese Moderna berichtete Anfang Juli beispielsweise, dass sein Impfstoffkandidat bei Menschen ohne vorherige Corona-Infektion „signifikant höhere“ neutralisierende Antikörpertiter gegen die Virusvariante hervorgerufen habe als der bisher eingesetzte Impfstoff, der noch auf der Virusversion aus Wuhan basiert.

Auch Biontech meldete Ende Juni eine hohe Wirksamkeit seiner Impfstoffkandidaten. Vorläufige Laborergebnisse hätten deutlich gemacht, dass die BA.1-Vakzine die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 neutralisieren können, allerdings in einem geringeren Umfang als beim Subtypen BA.1.

USA geben Zulassungen für Omikron-Booster

In den USA sind die Auffrischungsimpfungen von Biontech und Pfizer sowie von Moderna gegen die derzeit vorherrschenden Omikron-Varianten zugelassen worden.

Wer sollte sich mit den Omikron-Impfstoffen impfen lassen?

Genaue Prozentangaben zur Wirksamkeit der Omikron-Impfstoffe gibt es nicht. Daten zum Schutz vor symptomatischer Infektion, schwerer Erkrankung und Tod sind erst aus der Anwendung zu erwarten. Angestrebt wird ein besserer Schutz vor Omikron – und hierbei vor allem vor der Erkrankung. Die Vakzine sollen verhindern, dass Deutschland im Herbst wieder ein Corona-Chaos erlebt. Dass sich Krankenhäuser mit Covid-19-Fällen rasch füllen; dass sich zu viele Beschäftigte mit dem Virus infizieren und in Isolation müssen, und so an anderer Stelle fehlen.

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Dass die Omikron-Impfstoffe auch vor Ansteckungen schützen, wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach prognostizierte, glaubt Immunologe Watzl nicht. Der Schutz vor Infektionen werde nach der Impfung wieder nur vorübergehend bestehen, sagte er. Er warnte die Politik davor, mit den angepassten Impfstoffen falsche Hoffnungen zu wecken. Auch damit könne man Corona nicht wegimpfen. „Wenn man damit jetzt großflächig hausieren geht und jeden unbedingt zu der Impfung aufruft, wiederholt man die Fehler vom vorigen Jahr.“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte im ARD-Morgenmagazin in Aussicht gestellt, dass die Omikron-Impfstoffe „mit großer Wahrscheinlichkeit“ auch vor Ansteckungen schützen werden, und nicht nur wie bisher hauptsächlich vor schwerer Erkrankung und Tod.

Wer genau sich mit den Omikron-Impfstoffen impfen lassen sollte, ist noch nicht bekannt. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) steht noch aus. Die deutschen Kassenärztinnen und Kassenärzte hoffen, dass diese schnell folgen wird. Immunologe Watzl hält eine Empfehlung für einen weiteren Booster mit den neuen Präparaten nur für bestimmte Gruppen für wahrscheinlich – etwa Menschen ab 60 Jahren, mit unterdrücktem Immunsystem oder mit Vorerkrankungen. „Ich wäre sehr überrascht, wenn die Stiko sagen würde, dass sich alle Erwachsenen noch mal impfen lassen sollen.“

RND/mit Material der dpa

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