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Britische Coronavirus-Variante: Sind Kinder und Jugendliche besonders anfällig für B.1.1.7?

  • In Kitas und Schulen kommt es aktuell zunehmend zu Corona-Ausbrüchen.
  • Auslöser für die Infektionen ist vor allem die britische Virusvariante B.1.1.7, die in Deutschland vorherrscht.
  • Der mutierte Erreger steht schon seit Längerem in Verdacht, besonders junge Menschen zu infizieren.
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Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland infizieren sich mit dem Coronavirus. Wie aus den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht, ist die Sieben-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe der unter 14-Jährigen deutlich gestiegen: Waren es in der achten Kalenderwoche (22. bis 28. Februar) noch durchschnittlich 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, sind es in der elften Kalenderwoche (15. bis 21. März) bereits mehr als 110 neue Fälle gewesen.

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Von Kindern und Jugendlichen würden „zunehmend Übertragungen und Ausbruchsgeschehen ausgehen“, schrieb das RKI in seinem jüngsten Situationsbericht. Corona-Ausbrüche beobachtet die Behörde aktuell vor allem in privaten Haushalten, zunehmend aber auch in Kitas, Schulen und im beruflichen Umfeld. Grund für diese Entwicklung sei die britische Coronavirus-Variante B.1.1.7, für die Kinder und Jugendliche besonders anfällig zu sein scheinen.

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B.1.1.7 verursacht wohl keine schwereren Krankheitsverläufe bei Jüngeren

Schon Ende vergangenen Jahres wiesen britische Experten darauf hin, dass sich Jüngere häufiger mit der Mutante infizieren könnten. Damals war die Datenlage aber noch zu dünn, um eine Kausalität festzustellen. Eine Analyse der Mathematikerin Sarah D. Rasmussen von der Universität Cambridge kommt jetzt, rund vier Monate später, ebenfalls zu dem Ergebnis, dass sich B.1.1.7 bevorzugt unter Kindern und Jugendlichen verbreitet. Die Studie ist auf dem Preprint-Server Medrxiv erschienen, das heißt, sie wurde noch nicht von unabhängigen Experten begutachtet.

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Die britische Mutante ist nach Angaben des RKI mittlerweile zur dominierenden Sars-CoV-2-Variante in Deutschland geworden. Mehr als 72 Prozent der Neuinfektionen würden auf eine Ansteckung mit B.1.1.7 zurückgehen. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Jüngere nun primär mit dem mutierten Erreger infizieren.

Aber: „Schweres akutes respiratorisches Covid-19 bleibt ein seltenes Ereignis bei Kindern und Jugendlichen“, stellten Forscher des Departments of Paediatric Respiratory Medicine des King’s College Hospital NHS Foundation Trust Anfang Februar in einer Studie heraus. Eine Infektion mit B.1.1.7 führt also offenbar nicht zu einem schwereren Krankheitsverlauf in den jüngeren Altersgruppen.

Kinderärzte versetzt die Entwicklung in Deutschland dennoch in Alarmbereitschaft. „Wir rechnen durch die Lockerungen der Maßnahmen mit mehr Betroffenen mit meist diffusen, länger anhaltenden gesundheitlichen Problemen“, sagte Prof. Markus Hufnagel vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg. „Darauf ist die Pädiatrie im Vergleich zur Versorgungssituation bei Erwachsenen nach überstandener Infektion noch nicht vorbereitet.“

Britische Virusvariante macht Kinder und Jugendliche infektiöser

Kinder und Jugendliche können zudem genauso infektiös sein wie Erwachsene – selbst wenn sie mehrheitlich nur asymptomatische Krankheitsverläufe aufweisen. Das heißt, sie können gleichermaßen andere mit dem Coronavirus anstecken. Weil die britische Mutante leichter übertragbar ist als der bisherige Virustyp, sind folglich jüngere Menschen infektiöser.

„Die Kinder stecken sich an, gehen nach Hause, infizieren ihre Eltern, die es wiederum an ihren Arbeitsplatz tragen“, sagte der Medizinprofessor und Public-Health-Experte Dirk Devroey von der Freien Universität Brüssel dem „Spiegel“. Er bezeichnete die Schulen als „Motor des Infektionsgeschehens“ in Belgien.

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Corona-Tests in Schulen und Kitas könnten Fallzahlen verzerrt haben

Ein Forscherteam um Prof. Kai Nagel von der Technischen Universität Berlin hat berechnet, dass in Deutschland die Kontakte in den Schulen einen Anteil an der Reproduktionszahl von 0,2 haben – vorausgesetzt, die Einrichtungen sind vollständig geöffnet. Die Reproduktionszahl, auch R-Wert genannt, gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt.

Dass Schulen und Kitas Infektionsorte sind, ist schon seit Längerem bekannt. Deshalb wollen Bund und Länder die Testkapazitäten in den Bildungseinrichtungen weiter ausbauen. Zwei Testungen pro Woche sollen dort bald möglich sein, um Infizierte frühzeitig zu identifizieren.

Die Teststrategie könnte mitunter Ursache für den hohen Anstieg der Infektionszahlen in den jungen Altersgruppen sein, sagte Marco Binder, Virologe am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, der „Zeit“. Die vermehrten Testungen könnten die Fallzahlen etwas in Richtung der Jüngeren verzerrt haben. Außerdem seien Schulen und Kitas frühzeitig geöffnet worden, noch vor anderen Bereichen des öffentlichen Lebens, sodass sich das Coronavirus in den Einrichtungen jetzt verstärkt verbreite.

mit dpa

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