Wege aus dem Stillstand: Forscherteam entwickelt Plan für Ausstieg aus Corona-Maßnahmen

  • Eine Expertengruppe von 14 Forschern hat einen Plan für einen Ausstieg aus den Corona-Maßnahmen vorgelegt.
  • Die Forscher schlagen eine stufenweise Lockerung der Maßnahmen vor.
  • In einem ersten Schritt könnten Industriebetriebe ihre Produktion wiederaufnehmen und Schulen und Kitas wieder öffnen.
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München/Würzburg. Eine Expertengruppe von 14 Forschern hat einen Plan für das Ende des Corona-Stillstands vorgelegt. Die 14 Autoren aus verschiedenen Fachrichtungen schlagen eine Lockerung der Auflagen in vielen Schritten vor, wie aus der veröffentlichten Strategie hervorgeht. Denn nicht nur Covid-19, sondern auch Isolation könne krank machen, heißt es im Positionspapier. Nach Auffassung der Experten müssen Gesundheit und Wirtschaft in Einklang gebracht werden.

Auch bei einem stufenweisen Ausstieg aus den Corona-Maßnahmen ist Disziplin gefordert

“Würden die aktuellen Einschränkungen vollständig aufgehoben, könnte sich das weiterhin in Deutschland vorhandene Virus in der weitgehend nicht immunen Bevölkerung erneut sehr rasch ausbreiten und eine große Zahl schwerer Erkrankungen verursachen”, betonen die Forscher. Daher sei ein stufenweiser Ausstieg aus den Beschränkungen wichtig. Doch auch in der Zeit nach dem Lockdown wird der Abstand im Alltag noch nötig sein, sind sich die Forscher einig. Wenn die Maßnahmen schrittweise gelockert würden, sei viel Disziplin gefordert. Dazu gehöre auch, sich an die medizinisch notwendigen Einschränkungen zu halten. Ein stufenweiser Ausstieg müsse sich am aktuellen Risiko für den Schutz der Gesundheit orientieren, sagen die Experten. Wenn der Ausstieg auch ohne strikte Abschottung gelinge, könne der Alltag auch leichter zurückkehren.

Zuverlässiger Antikörper-Test kann Lockerung der Corona-Maßnahmen beschleunigen

“Der Nachweis von Antikörpern wird zukünftig für die Analyse der Gesamtzahl von Personen, die eine Infektion durchgemacht haben, und insbesondere zur Identifizierung gegen Sars-CoV-2 immuner Personen von erheblicher Bedeutung sein”, schreibt das Forscherteam um den Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, und den Würzburger Humanmediziner Martin Lohse. Jedoch helfe ein Antikörpertest bei der Identifizierung akut infektiöser Menschen nicht, da sich Antikörper erst im Verlauf der Infektion entwickeln. Sobald ein zuverlässiger Test jedoch verfügbar ist, können immunisierte Menschen beispielsweise zurück zur Arbeit und auf die Straßen.

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Erster Schritt: Produktion in Industriebetrieben aufnehmen, Schulen und Kitas öffnen

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Die Experten empfehlen, als Erstes die Produktion in Industriebetrieben und industrienahen Dienstleistungen wiederaufzunehmen. Denn in diese Bereichen könne der Abstand eingehalten werden. Jedoch gilt: In allen Sektoren müssen strenge Hygienestandards gelten. Vorbild seien Krankenhäuser oder die Lebensmittelindustrie. Unternehmen brauchen dafür genügen Masken, Desinfektionsmittel und Medikamente.

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“Junge Menschen haben nur selten schwere Verläufe und Beschulung zu Hause senkt die Bildungsgerechtigkeit und behindert die Eltern, ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen”, sagen die Forscher. Universitäten, Schulen und Kitas könnten daher ebenfalls mit einer ersten Lockerung der Maßnahmen wieder geöffnet werden. Das Gleiche gelte auch für für Spiel- und Sportplätze – in jedem Fall aber unter Wahrung der Abstandsregeln und Gruppengrößen. Restaurants, Diskotheken und Clubs müssen nach Ansicht der Forscher jedoch noch länger geschlossen bleiben, da Abstandsregeln nur schwer durchgesetzt werden könnten.

Unterschiedlich hohe Infektionszahlen: Lockerung der Maßnahmen abhängig von Region

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Für eine Lockerung der Maßnahmen muss nach Sektoren und Regionen differenziert werden, so die Forscher. Denn: “Obwohl grundsätzlich einheitliche Kriterien das Vorgehen vereinfachen, kann es im Lauf der Pandemie zu starken regionalen Unterschieden kommen”, hieß es. Solche Unterschiede seien auch bei sogenannten Infektionsclustern sowie bei der Zahl der Infektionen und bei den schweren Erkrankungen zu sehen. Regionen mit weniger Infizierten oder besserer Krankenversorgung sollten daher früher wieder in die Normalität zurückkehren.

RND/bk


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