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  • Astrazeneca: Wie sicher ist der Corona-Impfstoff? Deutschland stoppt Impfungen vorsorglich

Astrazeneca-Impfstopp: Wie Impfstoffexperten das Risiko einschätzen

  • Mehrere Länder haben nach Berichten über Blutgerinnsel die Corona-Impfungen mit dem Astrazeneca-Mittel vorläufig ausgesetzt.
  • Nun stoppt auch Deutschland vorläufig die Astrazeneca-Impfungen: Die Entscheidung betrifft sowohl Erst- als auch Folgeimpfungen.
  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht von einer reinen Vorsichtsmaßnahme, Impfstoffexperten erachten das Thrombose-Risiko als gering.
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Dänemark, Norwegen, Irland, Island, Niederlande – und nun auch Deutschland: Mehrere Länder haben vorsorglich die Impfung mit einer Produktionscharge des vom britisch-schwedischen Hersteller Astrazeneca und Oxford-Forschern entwickelten Impfstoffs AZD1222 pausiert. Der Grund: Es sind nach Impfungen vereinzelt Fälle von Blutgerinnseln aufgetreten, einige davon in zeitlichem Zusammenhang und mit Todesfolge.

Impfstoffbehörden der EU prüfen nun den weiteren Einsatz des Vakzins. Astrazeneca selbst wies nach einer Analyse von Impfdaten von mehr als 17 Millionen Geimpften in der EU und Großbritannien hingegen erneut Zweifel an der Sicherheit seines Corona-Impfstoffes zurück. Es gebe keine Belege für ein höheres Risiko für Lungenembolien, tiefe Venenthrombosen und Thrombozytopenie.

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Astrazeneca-Impfstoff: Was sagen prüfende Behörden?

EMA: Die Prüfinstanzen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) untersuchen nun einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Risikosignal und der Impfung. In den präklinischen und klinischen Studien des Astrazeneca-Impfstoffs sind nach Auskunft der Entwickler Blutgerinnungsstörungen bisher nicht als unerwünschte Nebenwirkungen aufgetreten.

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Paul-Ehrlich-Institut: Nach neuen Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung in Deutschland und Europa hält das Paul-Ehrlich-Institut weitere Untersuchungen für notwendig. Die Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca sind nun vorerst auch in Deutschland gestoppt. Das betrifft nach Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Erst- und die Zweitimpfung. Die Regierung folge damit einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), die Impfungen wegen neu aufgetretener Thrombose-Fälle vorsorglich auszusetzen. Spahn sprach bei einer Pressekonferenz am Montag von sieben berichteten Fällen bei mehr als 1,6 Millionen Impfungen in Deutschland.

Er gehe von einem grundsätzlich sehr geringen Thrombose-Risiko für die allermeisten aus. Aber ein Zusammenhang könne nicht völlig ausgeschlossen werden. Deshalb werde die Überprüfung der EMA nun vorerst abgewartet. Personen, die bereits Astrazeneca erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen, sollten sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben.

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Britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel: Anders als mehrere andere europäische Länder nutzt Großbritannien weiter den Corona-Impfstoff von Astrazeneca. „Wir prüfen die Berichte genau, aber angesichts der großen Anzahl verabreichter Dosen und der Häufigkeit, mit der Blutgerinnsel auf natürliche Weise auftreten können, deuten die verfügbaren Beweise nicht darauf hin, dass der Impfstoff die Ursache ist“, sagte Phil Bryan von der britischen Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) einer Mitteilung zufolge. „Alle Menschen sollten sich gegen Covid-19 impfen lassen, wenn sie dazu aufgefordert werden“, sagte Bryan.

Was sagen Wissenschaftler zum Astrazeneca-Impfstoff?

Zusammenhang zwischen Thrombose und Impfung? „Die ergriffenen Maßnahmen sind selbstverständlich als Vorsichtsmaßnahmen zu verstehen“, sagte vergangene Woche Impfstoffforscher Erik Leif Sander von der Charité Berlin. Auch nach der Gabe von vielen Millionen Impfdosen des Astrazeneca-Impfstoffs zeige sich beispielsweise in Großbritannien keine Häufung von thrombotischen Ereignissen unter den Geimpften. „Daher ist ein kausaler Zusammenhang zwischen Impfung und Thrombosen eher nicht zu erwarten.“ Es sei aber wichtig und richtig, dass allen Ereignissen durch die zuständigen Behörden sehr sorgfältig nachgegangen werde. „Ich sehe aber aktuell keinen Grund zur Sorge“, betont Sander.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit gebe es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfung und den wenigen thromboembolischen Ereignissen, sagt zuletzt auch der Chefarzt der Infektiologie Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing. Statt von einer Kausalität sei eher von einer Koinzidenz auszugehen, also mehr Zufall als Ursache. „Dies ist auch die Schlussfolgerung von EMA und PEI auf der Basis der bisher vorliegenden Daten. Insofern gibt es auf einer wissenschaftlichen Faktenbasis keinen stichhaltigen Grund, an der Sicherheit des Impfstoffes AZD1222 zu zweifeln.“

Beobachtete Fälle: Eine geimpfte Person sei in Dänemark zehn Tage nach Impfung an multiplen Thrombosen verstorben, eine andere Person habe eine Lungenembolie nach der Impfung erlitten, von der sie sich derzeit erholt, berichtet der Chefarzt der Infektiologie Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing. Zwei weitere Fällen von thromboembolischen Ereignissen mit einer spezifischen Impfstofflieferung dieser Vakzine (ABV5300) seien bis zum 9. März berichtet worden. In Norwegen sind bei drei jungen Menschen Blutgerinnsel beziehungsweise Hirnblutungen aufgetreten, nachdem sie mit Astrazeneca geimpft worden sind. Es werde nun untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Blutgerinnsel gibt.

In Deutschland seien bis zum 11. März elf Meldungen über thromboembolische Ereignisse bei etwa 1,2 Millionen Impfungen berichtet worden, also weniger als eine pro 100.000 Personen. „Zusätzlich sei angemerkt, dass das erwähnte Batch ABV5300 nicht nach Deutschland geliefert wurde und hier auch nicht verimpft wird“, erklärt Wendtner.

Wie wahrscheinlich ist das Thrombose-Risiko nach der Covid-19-Impfung? Der Leiter der Spezialeinheit für hochansteckende lebensbedrohliche Infektionen rechnet vor: „Ein Batch umfasst in der Herstellung eine Million Impfdosen, entsprechend beträgt das Risiko für ein thromboembolisches Ereignis bis dato 1:250.000.“ Laut EMA seien bis zum 10. März 30 Fälle von thromboembolischen Ereignissen bei mehr als fünf Millionen mit dem Astrazeneca-Impfstoff geimpften Personen im Europäischen Wirtschaftsraum gemeldet, „entsprechend also einem Risiko von circa 1:170.000“.

Thrombose-Risiko auch ohne Impfungen: Es sei wichtig zu wissen, dass sich venöse Thrombosen unabhängig von Covid-19 mit einer jährlichen Inzidenz von etwa einem pro 1000 Erwachsenen ereignen, also mit einem Faktor 100 häufiger in der Allgemeinbevölkerung auftreten. Jährlich gebe es in Deutschland 100.000 Todesfälle aufgrund von thromboembolischen Ereignissen. Diese stellten derzeit die dritthäufigste Todesursache dar, so Wendtner. Auch die Erkrankung Covid-19 gehe mit einem starken Risiko für Thrombosen einher: In einer aktuellen US-amerikanischen Auswertung basierend auf 3334 Patienten traten thromboembolische Ereignisse bei insgesamt 533 Patienten, entsprechend 16 Prozent, auf.

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Impfstopp in Dänemark und Co.: Welche Auswirkungen hat das?

Imageschaden und Unsicherheit: „Auf der Grundlage der vorliegenden Daten halte ich das für einen Fehler“, schrieb Epidemiologe und SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach auf Twitter zu den ausgesetzten Impfungen in Deutschland. „Die Prüfung ohne Aussetzung der Impfung wäre wegen der Seltenheit der Komplikation besser gewesen.“ Bereits jetzt ist Medizinern und Wissenschaftlern zufolge ein Schaden entstanden – nicht durch den Impfstoff selbst, sondern durch eine Aussetzung der Impfkampagne. Es sei „bedauerlicherweise eine weitere vermeintlich negative Nachricht in der Welt, die dem Image des Impfstoffes und der Impfkampagne insgesamt schadet“, sagt Wendtner.

Blutgerinnsel, die vereinzelt nach der Corona-Impfung registriert wurden, kämen bei schwer kranken Covid-19-Patienten sehr häufig vor, sagte vergangene Woche Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Jena. Durch das Aussetzen der Impfungen in Dänemark für zunächst zwei Wochen sei es sehr wahrscheinlich, dass nun mehr Menschen an Covid-19 erkranken als ohne diese Entscheidung – und etwa 5 Prozent davon sicher auch schwer. So könnten folglich auch mehr Thrombosen entstehen. Das sei eine unangemessene Nutzen-Risiko-Abwägung gewesen.

Was hat es mit den Anaphylaxie-Fällen auf sich?

Wegen Berichten möglicher Anaphylaxie-Fälle unter fünf Millionen Geimpften in Großbritannien soll der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zufolge auch die Liste möglicher Nebenwirkungen erweitert werden. Das gab die EMA am Freitag in einer Mitteilung bekannt. Die schwere allergische Reaktion sei eine bekannte Nebenwirkung, die bei Impfstoffen sehr selten auftreten kann. Wer geimpft wird, sollte deshalb rund 15 Minuten unter ärztlicher Beobachtung bleiben.

Welche Impfreaktionen sind noch zu erwarten?

Die häufigsten Impfreaktionen nach einer Astrazeneca-Impfung sind nach einer Auswertung der Ständigen Impfkommission (Stiko) Schmerzen an der Einstichstelle, Spannungsgefühl, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen sowie Krankheitsgefühl. Erhöhte Temperaturen trat bei der Zulassungsstudie bei 33,6 Prozent der Covid-19-Geimpften auf, Fieber bei 7,9 Prozent. Die Informationen des Herstellers zeigten zudem, dass die Häufigkeit lokaler und systemischer Reaktionen nach der zweiten Dosis geringer war als nach der ersten Dosis.

mit Material von dpa und Science Media Center (SMC)

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