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Nach Astrazeneca-Impfstopp: Was sind Hirnvenen-Thrombosen?

  • Weil sieben Astrazeneca-Geimpfte schwer erkrankten, stoppte das Paul-Ehrlich-Institut am vergangenen Montag vorläufig die Impfungen.
  • Aber wie gefährlich ist der Impfstoff wirklich und gibt es weitere Nebenwirkungen?
  • Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
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Deutschland hat die Corona-Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin ausgesetzt. Der Grund dafür sind sieben Fälle einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenen-Thrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen und Blutungen bei rund 1,6 Millionen Astrazeneca-Geimpften. Aber wie gefährlich sind die Nebenwirkungen des Impfstoffs wirklich? Und was ist eine Hirnvenen-Thrombose? Wer ist besonders betroffen? Ein Überblick über die wichtigsten gesundheitlichen Fragen und Antworten.

Wie hängen Impfung und Erkrankung zusammen?

Auffällig ist, dass vor allem jüngere Menschen zwischen 20 und 50 Jahren betroffen sind – insbesondere Frauen. Alle Fälle seien zwischen 4 und 16 Tage nach der Impfung aufgetreten, berichtet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Drei der Fälle verliefen tödlich. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Impfung und Thrombose wurde bisher in keinem Fall festgestellt. „Es geht um ein sehr geringeres Risiko – aber, falls es tatsächlich im Zusammenhang mit der Impfung stehen sollte, um ein überdurchschnittliches Risiko“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei der Verkündung der vorläufigen Aussetzung am Montag. Auch aus Dänemark und Norwegen wurde bereits über plötzlich zunehmende Fälle solch seltener Blutgerinnsel berichtet – aus Großbritannien bislang nicht.

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Was ist eine Hirnvenen-Thrombose und wie wird sie behandelt?

Hirnvenen-Thrombosen, auch Sinusvenen-Thrombosen genannt, sind Blutgerinnsel, die sich in den großen venösen Blutgefäßen im Gehirn bilden. Sie sorgen dafür, dass sauerstoffarmes Blut nicht mehr schnell genug aus dem Kopf in Richtung Herz transportiert werden kann. Damit steigt der Druck im Schädelinneren. Betroffene entwickeln häufig Kopfschmerzen, Krampfanfälle und neurologische Ausfallerscheinungen. Auch Schlaganfälle können daraus resultieren. Frauen sind der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zufolge häufiger betroffen als Männer.

Eine Hirnvenen-Thrombose sollte so schnell wie möglich im Krankenhaus behandelt werden. Eine Form der Akuttherapie ist die Antikoagulation: Um einer Ausdehnung der Thrombose beziehungsweise einem neuen Gefäßverschluss vorzubeugen, erhalten Patienten den Wirkstoff Heparin. Dieser verhindert, dass das Blut im Körper gerinnt. Liegt zusätzlich eine Entzündung vor, kann diese mithilfe von Antibiotika behandelt werden.

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Europäische Arzneimittelbehörde: Vorteile von Astrazeneca-Vakzin größer als Risiken
2:29 min
Experten prüfen derzeit, ob zwischen der Impfung und aufgetretenen Fällen von Blutgerinnseln ein Zusammenhang besteht.  © Reuters

Nebenwirkungen bei Astrazeneca: Sind weitere beobachtet worden?

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Wegen 41 Berichten von Anaphylaxie-Fällen unter fünf Millionen Geimpften in Großbritannien erachtet die EMA diese schwere allergische Reaktion seit vergangener Woche offiziell als mögliche schwere Nebenwirkung, die gemeldet werden muss. Auch bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna kann diese in sehr seltenen Fällen auftreten. Wer geimpft wird, sollte deshalb 15 bis 30 Minuten unter ärztlicher Beobachtung bleiben.

Die häufigsten kurzweiligen Impfreaktionen als Zeichen der Immunantwort sind laut klinischer Astrazeneca-Studien: Druckempfindlichkeit und Schmerzen an der Injektionsstelle (rund 60 Prozent), Kopfschmerzen und Ermüdung (50 Prozent), Muskelschmerzen und Krankheitsgefühl (40 Prozent), Fiebrigkeitsgefühl und Schüttelfrost (30 Prozent), Gelenkschmerzen und Übelkeit (20 Prozent). Auch Erbrechen könne auftreten. Gelegentlich wurde über Lymphknotenschwellung, Juckreiz oder Hautausschlag berichtet.

Thromboserisiko – auch bei anderen Corona-Impfungen?

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Im Zusammenhang mit den Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna ist bisher nicht über ein erhöhtes Thromboserisiko berichtet worden. Dies deckt sich mit den Ergebnissen der klinischen Studien. Eine Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) zu möglichen Fällen für Deutschland blieb vom PEI bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Die nach der Astrazeneca-Impfung beobachteten Hirnvenen-Thrombosen standen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen. Diese Blutplättchen-Knappheit zeigte sich auch bei den mRNA-Vakzinen. Sechs Fälle verzeichnete das PEI bisher: Fünf Personen hatten zuvor den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten, eine das Vakzin von Moderna. Bei vier Fällen konnte die Impfung als Ursache jedoch ausgeschlossen werden. Eine Häufung von 15 Thromboembolien bei rund 6700 Geimpften trat in den klinischen Studien zu Johnson & Johnson auf. Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Vakzin und den Blutgerinnseln wurde nicht festgestellt.

Was sollten Astrazeneca-Geimpfte beachten?

Das Paul-Ehrlich-Institut weist darauf hin, dass Personen, die den Covid-19-Impfstoff Astrazeneca erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen – zum Beispiel mit starken und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen – unverzüglich zum Arzt gehen sollen.

Vom Impfstopp sind nicht nur die Erst- sondern auch die Zweitimpfungen mit dem Präparat von Astrazeneca betroffen. Diese Termine wurden ebenso bundesweit bis auf Weiteres abgesagt. Wird der Impfstopp wieder aufgehoben, sollten in der Zukunft liegende Termine rückbestätigt werden. Bisher unklar ist das Vorgehen, sollten die Impfungen endgültig gestoppt werden. Eine Zweitimpfung mit anderen Impfstoffen ist jedenfalls bisher nicht vorgesehen, weil zur Wirksamkeit noch wissenschaftliche Erkenntnisse fehlen.

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