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Astrazeneca-Impfstopp: Wie gehen andere Länder mit dem umstrittenen Impfstoff um?

  • Deutschland hat die Corona-Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin ausgesetzt.
  • Es wird untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen schweren Nebenwirkungen und dem Impfstoff gibt.
  • Auch in anderen Ländern ist das Vakzin in der Öffentlichkeit umstritten. Wie damit umgegangen wird, unterscheidet sich aber von Land zu Land.
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Deutschland hat die Verimpfung des Astrazeneca-Impfstoffes unterbrochen, nachdem das Paul-Ehrlich-Institut von einem möglichen Zusammenhang mit einer speziellen Thrombose berichtet hatte. Zuvor hatten bereits andere europäische Länder die Impfungen mit dem Vakzin ausgesetzt, darunter Dänemark, Norwegen und die Niederlande. Der Schritt ist dennoch umstritten. Experten erklären, der Nutzen der Impfung übersteige das Risiko deutlich – und der Schaden für die Impfkampagnen sei noch nicht abzusehen.

Derzeit prüft die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) die Studien zu möglichen Nebenwirkungen und will am Donnerstag entscheiden, inwieweit sie die Zulassung des Astrazeneca-Präparats anpassen will. Bis dahin liegt die Entscheidung, die Impfungen zu unterbrechen oder fortzusetzen, auf nationaler Ebene. Die RND-Auslandskorrespondenten berichten, wie in ihrer Wahlheimat mit dem Impfstoff verfahren wird.

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Trotz Bedenken wegen Nebenwirkungen: Österreich impft weiter mit Astrazeneca

Adelheid Wölfl: Österreich impft grundsätzlich weiter mit dem Vakzin von Astrazeneca. Dies entschied am Montagabend das Nationale Impfgremium. Lediglich eine spezielle Charge wurde nach mehreren Krankheitsfällen aus dem Verkehr gezogen. Man müsse noch Daten auswerten, die in diversen europäischen Ländern erhoben wurden. Die neuen Daten der EMA würden als Entscheidungsgrundlage dienen. Für das österreichische Gesundheitsministerium hat der Impfstoff jedenfalls ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis.

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Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) fordert ein „gesamteuropäisches Vorgehen“ und eine „raschestmögliche, klare Stellungnahme von den europäischen Behörden“. Nationale Einzelgänge seien in diesem Zusammenhang nicht effektiv.

Italien: Fast die Hälfte aller Impfdosen von Astrazeneca

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Dominik Straub: Am Wochenende hatte die Regierung von Mario Draghi noch verkündet, dass bis Mitte September 80 Prozent der Bevölkerung geimpft sein sollten – damit wurde der neue Teil-Lockdown, der am Montag in Kraft getreten ist, etwas versüßt. Der Stopp für Astrazeneca, der am Sonntag von Gesundheitsexperten empfohlen wurde, ist deshalb psychologisch fatal: Sollte der Impfstoff blockiert bleiben, ist die Prognose bereits wieder Makulatur.

Astrazeneca ist in Italien von großer Bedeutung für die Impfkampagne, besonders in der jetzigen Phase: Von den 7,5 Millionen Impfdosen, die bis Ende März eintreffen sollten, entfallen 2,9 Millionen auf den britisch-schwedischen Hersteller, also fast die Hälfte. Insgesamt hat Italien eine Option von 40 Millionen Dosen Astrazeneca bis Ende des Jahres; etwas mehr als eine Million ist bereits verimpft worden.

Italienische Experten weisen darauf hin, dass es sich beim Astrazeneca-Impfstopp lediglich um einen provisorischen Stopp handle und dass bisher keinerlei wissenschaftliche Belege dafür existierten, dass es sich um einen gefährlichen Impfstoff handle. Dennoch wird befürchtet, dass die Vorsichtsmaßnahme das Vertrauen der Bevölkerung in den Impfstoff nachhaltig erschüttern und generell die (bisher vergleichsweise hohe) Bereitschaft, sich impfen zu lassen, beeinträchtigen könnte.

Spanien: Experten befürchten Imageschaden für Impfkampagne

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Martin Dahms: Auch Spanien hat am Montagnachmittag die Impfkampagne mit dem Astrazeneca-Impfstoff ausgesetzt, was aus Sicht der spanischen Fachleute ein Fehler ist. „Der Nutzen [der Impfung] ist weit höher als die Risiken“, sagt die Virologin Margarita del Val. Der Experte für Präventivmedizin Juan Martínez Hernández fürchtet einen „nicht wiedergutzumachenden Reputationsschaden“ für die gesamte Impfkampagne. „Ich sehe keine ausreichenden medizinischen Gründe für diesen Stopp“, meint der Mikrobiologe Xavier Abad, außer „potenziellen Ausreden“, warum die „unmöglichen“ Impfversprechen für dieses Jahr nicht eingehalten werden können.

Bis heute stammte ein Sechstel aller verabreichten Impfdosen in Spanien von Astrazeneca. Ausgegeben wurden sie an Lehrer, Polizisten und Soldaten unter 55 Jahren.

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Brasilien: Astrazeneca-Vakzin wurde gerade erst genehmigt

Tobias Käufer: Der insgesamt vierte Wechsel an der Spitze des Gesundheitsministeriums seit Ausbruch der Pandemie überlagert derzeit die Impfdebatte in Brasilien. Erst vor wenigen Tagen hat die zuständige Behörde grünes Licht für die Freigabe von Astrazeneca-Impfdosen erteilt, die vor Ort produziert werden. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte zuletzt stets die Haltung der Hersteller kritisiert, für mögliche Nebenwirkungen nicht haften zu wollen.

Laut brasilianischen Medien hat gut ein Viertel von bislang elf Millionen geimpften Brasilianern das aus dem Ausland importierte Astrazeneca-Vakzin erhalten, der überwiegende Rest wurde bislang mit dem Impfstoff des chinesischen Herstellers Coronavac immunisiert.

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