Astrazeneca: So sehen Betroffene den Impfstopp

  • Der am Montag verhängte Impfstopp für das britisch-schwedische Corona-Vakzin sorgt für Verunsicherung in der Bevölkerung.
  • Betroffene aus ganz Deutschland zeigen sich verärgert, dass gerade erst vereinbarte Termine nun wieder infrage stehen.
  • Die meisten Bundesländer haben die Impfungen mit Astrazeneca bis Ende dieser Woche ausgesetzt.
Marc R. Hofmann
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Gerade erst vereinbarte Impftermine für Personen der Prioritätsgruppe zwei wie Senioren über 70 Jahre und Kita-Erzieher liegen jetzt nach einer Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts auf Eis. Vorangegangen waren Meldungen über Thrombosen der Hirnvenen bei bislang sieben Betroffenen in Deutschland, die in Zusammenhang mit dem Wirkstoff von Astrazeneca stehen könnten. Bereits vereinbarte Termine mit den Mitteln von Biontech und Moderna bestehen fort. Erste Bundesländer wie Hamburg wollen keine Astrazeneca-Termine absagen, sondern den Impflingen stattdessen die Biontech- oder Moderna-Vakzine anbieten.

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Nach Impfstopp: Mit Astrazeneca Geimpfte fordern zweite Dosis ein
1:41 min
Die erste Impfung wurde ohne Komplikationen verabreicht, und nun freute sich Annette Swertz bereits auf den zweiten Termin.  © Reuters

„Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr ich mich ärgere“, sagt Stefan Holland*. Die Frau des 31-Jährigen ist schwanger, zu ihrem Schutz hätte er am Dienstag einen Impftermin gehabt. Der ist, nach Stand von Montagmittag, geplatzt – und der Familienvater aus Esslingen in Baden-Württemberg stinksauer. „Da findet man irgendwelche Nebenwirkungen mit unglaublich niedriger Wahrscheinlichkeit und alles wird gestoppt“, ärgert sich Holland.

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Hoffnung auf baldige Corona-Impfung bleibt

Rainer Stange aus Ahrensburg in Schleswig-Holstein hofft hingegen, dass der Termin von ihm und seiner Frau am 4. April noch stattfinden kann. Denn bisher sind in dem Bundesland nur Reservierungen bis zum 19. März abgesagt. „Ich saß zum Start der Terminvergabe um Punkt 17 Uhr am Rechner und musste eine Stunde warten, bis mir ein Angebot gemacht wurde“, sagt der 72-Jährige. Am liebsten wäre ihm, wenn er statt des Präparats von Astrazeneca nun Biontech oder Moderna bekommen könnte, wie es Hamburg plant. „Stand jetzt würden wir aber auch das Risiko eingehen und uns mit Astrazeneca impfen lassen.“

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„Die Impfung wird ausgesetzt … das Virus setzt aber nicht aus, sondern nimmt Fahrt auf, und zwar gerade in den Gruppen, die jetzt ihren Impftermin vereinbart hatten“, sagt Regina Grabe*, die in einer Schulbetreuung arbeitet und am Samstag noch ihre erste Astrazeneca-Dosis erhalten hat. Die Schulen seien am Start, die Schnelltests nicht vor Ort. „Heute saß ich länger mit einem Grundschüler zusammen, dessen Mutter und Oma gerade binnen Tagen von der neuen Mutation ins Jenseits befördert wurden – Verzweiflung, Fassungslosigkeit und Angst machen sich breit“, berichtet die 54-Jährige. „Und dann lese ich, dass die Impfung ausgesetzt wird. Null Verständnis!“ Das Leben an sich sei gefährlich. „Beim Impfen gibt es ein minimales Risiko, aber Covid bekommen ist totaler Mist.“

Steigende Inzidenzzahlen geben Anlass zur Sorge

Sorgen macht sich ebenfalls Grundschullehrerin Cornelia Sommer*. Die 40-Jährige sagt: „Es ist frustrierend, dass die Impfungen ausgesetzt wurden.“ Positiv daran wäre nur, wenn sie stattdessen den Wirkstoff von Biontech bekommen könnte. Denn sie möchte nicht mit einem unausgereiften Medikament behandelt werden. „Auf der anderen Seite gäbe es einem ein besseres Gefühl, geimpft zu sein.“ Denn die Inzidenz in ihrem Stadtteil liege aktuell bei 180, viele Schüler und auch Kollegen seien in Quarantäne. Auch, weil Eltern ihre Kinder nach wie vor mit Fieber zur Schule schickten, so die Beobachtung der Lehrerin. Kollegen, die das Produkt Astrazeneca bislang bekommen haben, hätten es gut vertragen.

Vertrauen in Astrazeneca ist angeknackst

Grundsätzlich geimpft werden möchte auch Ursel Zimmermann. Nun allerdings nicht mehr mit Astrazeneca. „In den Wirkstoff habe ich kein Vertrauen mehr“, sagt die 71-Jährige. Dabei hatte sie große Hoffnungen in die Impfung gesetzt. „Ich konnte es erst gar nicht glauben, dass es wirklich mit einem Termin geklappt hat“, so die Frau aus Schleswig-Holstein, „und hatte schon einen Besuch bei meiner Tochter in Holland geplant.“ Nun will sie sicherheitshalber abwarten. Mit der Impfung und dem Besuch.

Karin Conrad* (43), Erzieherin aus Hannover, sieht das anders: „Ich nehme den Impfstoff trotzdem. Die Gefahr für mich als Erzieherin, Corona zu bekommen, ist weitaus höher als die Gefahr schwerer Nebenwirkungen bei der Impfung. Mir ist es wichtig, meine Familie zu schützen. Daher nehme ich das sehr niedrige Risiko in Kauf.“

Das denkt auch Peter Hansen*. Der 73-jährige Schleswig-Holsteiner hatte für sich und seine Frau einen Termin in der kommenden Woche ergattert. „Ich habe null Bedenken und hoffe, dass der auch stattfindet“, sagt er auf Nachfrage des RND.

* Namen von der Redaktion geändert.

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