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Astrazeneca-Impfstoff: Forscher identifizieren mögliche Ursache für Thrombosen

  • In Deutschland sind inzwischen 13 Fälle von Hirnvenenthrombosen bekannt, die in zeitlicher Nähe zur Astrazeneca-Impfung auftraten.
  • Warum es zu diesen Blutgerinnseln kam, haben Forscher aus Greifswald genauer untersucht.
  • Sie gehen davon aus, dass der Impfstoff im Körper einen Abwehrmechanismus auslöst.
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Greifswald. Greifswalder Forscher halten einen bestimmten Mechanismus für die Ursache der möglichen Thrombose-Fälle nach einer Astrazeneca-Impfung. „Wir wissen, um was es sich handelt“, sagte Andreas Greinacher, Leiter der Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald (UMG), am Freitag in einer Videoschalte mit Journalisten und Journalistinnen. Demnach könnten bei den selten auftretenden Hirnvenenthrombosen bestimmte Moleküle des Immunsystems eine Rolle spielen. Von unabhängigen Experten geprüft und in einem Fachjournal erschienen sind die Ergebnisse nicht.

Über eine ähnliche Vermutung hatten am Donnerstag bereits Forscher in Norwegen berichtet: Pal Andre Holme vom Universitätsklinikum Oslo hatte gesagt, er vermute, dass die Bildung der Gerinnsel über eine starke Immunantwort und dabei entstehende Antikörper, die an die Blutplättchen andocken und diese aktivieren, laufen könnte. Experten betonen, dass solche Ideen zum möglichen Ablauf bisher rein spekulativ sind.

„Wir meinen, dass wir einen Zusammenhang nachweisen können zwischen dem Vorliegen dieser Antikörper und dem Auftreten der Thrombosen“, sagte Greinacher. Eine ganz andere Frage sei, wie häufig diese Thrombosen ausgelöst werden und ob durch die Impfung deutlich vermehrt Komplikationen auftreten. „Es ist höchstwahrscheinlich so, dass diese Komplikationen sehr, sehr selten auftreten.“

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Astrazeneca: Forscher sieht möglichen Grund für Thrombosen
0:57 min
Ein Wissenschaftler hält einen bestimmten Mechanismus für die Ursache der möglichen Thrombose-Fälle nach einer Astrazeneca-Impfung.  © TNN-Videoservice/dpa

Impfstoff aktiviert Blutplättchen

In Abstimmung mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) seien von seinem Team zusammen mit österreichischen Wissenschaftlern Blutproben von Menschen untersucht worden, die nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin schwerwiegende Thrombosen entwickelt hatten, erläuterte Greinacher. Die Proben von vier Betroffenen seien intensiv untersucht worden, drei weitere Proben hätten die Annahmen bestätigt. Weitere Proben würden noch untersucht.

„Bei allen Patienten mit der Komplikation, die wir bislang untersuchen konnten, haben wir alle das gleiche gefunden“, erklärte Greinacher. Vom Immunsystem in Reaktion auf die Impfung gebildete Abwehrstoffe hätten bei den Betroffenen offenbar die Blutplättchen aktiviert, was wiederum zu Blutgerinnseln geführt habe. Das passiere normalerweise etwa, wenn Gefäße beschädigt seien.

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Ob die Reaktion auf den Impfstoff selbst oder den Vektor - also die Verpackung des Wirkstoffes - zurückgehe oder es sich um eine allgemeine Entzündungsreaktion als Immunantwort auf die Impfung handele, müsse noch untersucht werden. Greinacher zufolge ließe sich der Mechanismus bei Betroffenen mit einem Test auf die speziellen Moleküle nachweisen. Mit einem gängigen Medikament, das für viele Erkrankungen verwendet werde und in allen Krankenhäusern zur Verfügung stehe, könne er gehemmt werden. Tests und eine etwaige Behandlung seien aber nur sinnvoll, wenn es entsprechende Anzeichen für eine solche Thrombose gebe.

Thrombosen vor allem bei Frauen unter 55 Jahren nachgewiesen

Fälle von Hirnvenenthrombosen in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung hatten zum zeitweisen Stopp der Astrazeneca-Impfungen geführt. Hinweise darauf, dass die Impfungen tatsächlich die Vorfälle verursachten, hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA nicht gefunden. Sie bekräftigte am Donnerstag die Sicherheit des Impfstoffs. Dieser soll nun mit der Warnung versehen werden, dass er in möglichen seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen bei Frauen unter 55 Jahren verursachen könnte. Die Impfungen in Deutschland sollten am Freitag wieder aufgenommen werden.

Die EMA gab auch zu bedenken, dass es zumindest zum Teil auf den höheren Anteil dieser Gruppe bei den Impfungen zurückgehen könnte, dass die meisten Berichte Frauen unter 55 Jahren betrafen: In Deutschland wurden mit Astrazeneca zunächst Menschen unter 65 Jahren, vielfach Klinik- und Pflegepersonal geimpft - das von Frauen dominiert wird.

Risiko bei Frauen generell erhöht

Zuvor hatte bereits der Virologe Christian Drosten bei NDR Info angemerkt, dass es sich möglicherweise um ein statistisches Problem handeln könnte: In Deutschland seien Menschen unter 65 Jahre mit Astrazeneca geimpft worden, weil es zunächst keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission für Ältere gegeben hatte. In England hingegen seien bevorzugt Ältere damit geimpft worden; trotz einer höheren Zahl an Impfungen sei dort keine solche Thrombosen-Häufung beobachtet worden.

Auch Drosten verwies auf einen wohl hohen Frauenanteil beim medizinischen Personal und Pflegepersonal, das das Mittel in Deutschland erhielt. Er fragte: „Könnte es sein, dass das die Statistik färbt?“ Bei Frauen seien Probleme mit Thrombosen generell häufiger.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) werde die Erkenntnisse aus Greifswald prüfen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag.

RND/dpa

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