Delta-Variante: Wie gut schützt der Impfstoff von Astrazeneca?

  • Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Europa aus.
  • Weil der mutierte Erreger Veränderungen am Spike-Protein aufweist, wirken Impfungen je nach Vakzin weniger gut.
  • Wie hoch fällt der Schutz bei Astrazeneca aus? Ein Überblick.
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Portugal, Großbritannien, Indien, Russland – durch die Ausbreitung der Coronavirus-Variante Delta sind diese Länder zwischenzeitlich zu Virusvariantengebieten erklärt worden. Inzwischen hat die Bundesregierung die Reisebeschränkungen für diese Staaten gelockert, doch die Delta-Variante ist dort weiterhin auf dem Vormarsch – genauso wie in Deutschland. Hierzulande macht die Mutante inzwischen 37 Prozent aller Neuinfektionen aus. Innerhalb einer Woche hat sich ihr Anteil mehr als verdoppelt.

Dass sich Delta so schnell ausbreitet, ist einer deutlich erhöhten Ansteckungsfähigkeit geschuldet, ebenso wie einer leichten Immunflucht, also der Eigenschaft, den Schutz nach Impfung oder durchgemachter Infektion zu umgehen. Der Impfschutz wird – laut einer aktuellen Untersuchung der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) – nur leicht herabgesetzt, was sich aber je nach Präparat unterscheidet. Aber wie hoch fällt der Schutz bei Astrazeneca aus? Ein Überblick.

Impfschutz: zweite Dosis wichtig

Eine vollständige Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca soll laut PHE zu etwa 60 Prozent vor symptomatischen Erkrankungen schützen. Der Schutz hatte bei der Alpha-Variante noch bei etwa 66 Prozent gelegen. Krankenhausaufenthalte infolge einer Infektion mit der Delta-Variante soll Astrazeneca zu rund 92 Prozent verhindern können.

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Entscheidend ist die zweite Impfdosis: So war laut PHE sowohl bei Biontech/Pfizer als auch bei Astrazeneca nach der ersten Impfdosis nur ein etwa 33-prozentiger Schutz erreicht worden. Der Schutz vor der Alpha-Variante hatte der Behörde zufolge nach nur einer Impfdosis 50 Prozent betragen. Die PHE forderte Geimpfte daher auf, nicht zu lange mit der zweiten Impfung zu warten, wenn sie zu dieser eingeladen werden.

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Auch das französische Institut Pasteur war Ende Mai zu dem Ergebnis gekommen, dass eine einzelne Astrazeneca-Dosis „schlecht oder überhaupt nicht wirksam“ gegen Delta ist. Ein Forscherteam hatte die Wirkung der neutralisierenden Antikörper im Blut von Geimpften untersucht. „Seren von Personen, die eine Dosis Vaxzevria erhalten hatten, hemmten B.1.617.2 kaum“, heißt es in der Studie, die auf dem Preprint-Server bioRxiv erschienen ist und noch von einem unabhängigen Expertengremium überprüft werden muss.

In Laborversuchen zeigte sich zudem, dass Geimpfte insgesamt weniger Antikörper gegen Delta hatten. Das wirft die Frage auf, wie lange der Impfschutz anhält. Wahrscheinlich ist, dass die Schutzwirkung schnell wieder nachlässt. Studien, die das untersuchen, fehlen allerdings noch.

Ansteckungsgefahr trotz Impfung

Weiterhin gilt: Grundsätzlich angesteckt werden können auch Geimpfte – und das bei der Delta-Variante wohl etwas leichter als noch bei Alpha. Setzt sich die Delta-Variante hierzulande durch, bedeutet das also: Geimpfte können trotz Impfung wahrscheinlicher milde Symptome entwickeln – und auch eine größere Gefahr für Nichtgeimpfte darstellen.

Vollständig geimpft sind hierzulande erst rund 40 Prozent der Bevölkerung – das heißt, es gibt noch viele Millionen Menschen, die nicht oder nur teils vor Delta geschützt sind. Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff, für die Zwölf- bis 18-Jährigen empfiehlt die Ständige Impfkommission in Deutschland die Immunisierung nur bei Vorerkrankungen.

Wie geht es im Herbst weiter?

Die Schwelle, um eine Herdenimmunität zu erreichen, ist durch die Delta-Variante deutlich höher geworden: Je nach Altersgruppe müssten mindestens 85 Prozent der Menschen vollständig geimpft sein, wie aktuelle Modellierungen des RKI zeigen. Eine hohe Impfquote ist auch angesichts einer vierten Infektionswelle im Herbst entscheidend, die Expertinnen und Experten prognostizieren. Durch die Impfungen dürfte die Sterblichkeit aber wahrscheinlich nicht mehr so hoch ausfallen wie noch im vergangenen Jahr.

Wir haben diesen Artikel am 6. Juli aktualisiert.

RND/dpa/kb/lb

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