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Astrazeneca für alle? Das sagen Experten zur Freigabe des Impfstoffes

Künftig kann sich jeder Mensch hierzulande ohne Rücksicht auf die gültige Priorisierungsliste mit Astrazeneca impfen lassen.

Die Gesundheitsminister und -ministerinnen von Bund und Ländern haben sich darauf geeinigt, die Priorisierung für den Impfstoff von Astrazeneca aufzuheben sowie Ärztinnen und Ärzten eine erhöhte Flexibilität im Festlegen des Abstands der beiden Impfdosen zwischen vier und zwölf Wochen einzuräumen.

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Interesse an anderen Impfstoffen höher

Bisher erfolgte die Zweitimpfung mit Astrazeneca in einem längeren Abstand als bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer oder Moderna. Angesichts der in Aussicht gestellten Lockerungen für vollständig Geimpfte sei das Interesse an Astrazeneca daher auch bei Impfberechtigten geringer gewesen, sagte ein Hausarzt aus Berlin kürzlich dem RND: „Einige Menschen spekulieren darauf, dass sie mit Biontech schneller durchgeimpft sind und dann von Öffnungen profitieren können.“

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Andererseits gibt es viele Jüngere, die sich gerne mit Astrazeneca impfen lassen würden, aber in der Impfreihenfolge noch nicht dran sind. In sechs Bundesländern – Bayern, Hessen, Berlin, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg – konnten sie dies bereits. Hier war die Impfpriorisierung für den Astrazeneca-Impfstoff bereits aufgehoben worden.

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Hausarzt: „Das ist ein sehr guter Impfstoff“

Eine Aufhebung der Impfpriorisierung von Astrazenca könnte die Arbeit der Hausärzte erleichtern, glaubt Markus Beier, Hausarzt und Vorsitzender des Hausärzteverbands in Bayern. Dort wurde die Priorisierung bei Impfungen mit Astrazeneca bereits vor knapp zwei Wochen ausgesetzt. „Wir spüren seitdem eine Vereinfachung“, sagt er.

Seitdem der Impfstoff nicht mehr priorisiert verimpft werden muss, kommen zu Beier in die Praxis mehr Menschen, die sich impfen lassen wollen. Das Interesse an Astrazeneca sei gestiegen, auch wenn Biontech der begehrtere Impfstoff bleibe. „Davor war der Beratungsbedarf bei uns viel höher“, sagt Beier. Oft waren Impfberechtigte skeptisch gegenüber dem Astrazeneca-Impfstoff und wollten lieber mit Biontech geimpft werden. Jetzt klärt Beier auch jüngere Patienten und Patientinnen auf und impft sie mit Astrazeneca, falls es ihre Krankengeschichte erlaubt. „Das ist ein sehr guter Impfstoff mit verschwindend geringen Risiken“, sagt Beier.

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„Die Aufhebung der Priorisierung bei Astrazeneca erleichtert die Arbeit“: Markus Beier ist Hausarzt in Erlangen.

„Die Aufhebung der Priorisierung bei Astrazeneca erleichtert die Arbeit“: Markus Beier ist Hausarzt in Erlangen.

Impfkommission skeptisch

Seit dem 1. April empfiehlt die Ständige Impfkommission eine Impfung mit Astrazeneca nur noch bei Menschen ab 60 Jahren. Der Grund waren seltene Fälle bestimmter Hirnvenenthrombosen, die vermehrt auch bei jüngeren Frauen auftraten. Impfempfehlungen der Stiko sind jedoch nicht verbindlich, sondern werden final von den Bundesländern umgesetzt.

Auch die Aufhebung der Priorisierung sieht die Stiko skeptisch: Sie plädiert dafür, vorerst weiter an der Bevorzugung besonders gefährdeter Gruppen festzuhalten. Denn noch immer hätten viele impfwillige Menschen mit hohem Risiko keine Möglichkeit zur Impfung gehabt. Und dies beziehe sich „auch auf Astrazeneca“.

Experten befürworten Schritt

Einige Hausärztinnen und Hausärzte jedoch hatten die Freigabe von Astrazeneca für alle Bürgerinnen und Bürger schon länger gefordert.

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Sie begründeten ihre Forderung damit, dass es in den Praxen immer wieder impfberechtigte Menschen gegeben hatte, die Impfungen mit Astrazeneca ablehnten.

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Auch Professor Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie an der TU Dortmund, befürwortet die Freigabe des Impfstoffs. „Um unsere Impfziele zu erreichen, möglichst viele Menschenleben zu schützen, können wir es uns nicht erlauben, Impfdosen ungenutzt zu lassen. Wenn der Impfstoff von Astrazeneca nicht mehr bei den über 60-jährigen verimpft werden kann, so bin ich absolut für eine Freigabe“, sagte er gegenüber dem Science Media Center. Das Risiko der speziellen Thrombosen als Nebenwirkung sei sehr gering, das Risiko einer schweren Komplikation durch Covid-19 für viele Personen dagegen sehr viel höher. Lediglich bei den unter 30-Jährigen würde er zur Verwendung eines mRNA-Impfstoffes raten, so Watzl.

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Professorin: „Abwägung ist richtig“

„Wie andere medizinische Interventionen sind auch Impfungen nicht ohne Risiko“, sagt Anke Huckriede, Professorin für Vakzinologie von der Universität Groningen, und pflichtet ihrem Kollegen bei: Letzten Endes ginge es um die Abwägung, ob die Impfung oder die Infektion das größere Risiko darstelle. „Bei höherem Alter oder Vorerkrankungen, aber auch bei einem großen Risiko auf Infektion, ist das Risiko einer Erkrankung mit schwerwiegenden Folgen sicher größer einzuschätzen als das Risiko durch die Impfung. Ich finde es darum richtig, die Einschätzung den Leuten selbst zu überlassen, nach Rücksprache mit dem Hausarzt.“

Stiko-Mitglied: „Die Gefährdeten brauchen zeitnahes Impfangebot“

„Durch die Verkürzung des Impfabstands und den gleichzeitigen Wegfall der Priorisierung für den Astrazeneca-Impfstoff erreicht man vor allem diejenigen Menschen, die möglichst schnell den Status des ‚vollständig Geimpften‘ erlangen wollen“, sagt Christian Bogdan, Mitglied der Ständigen Impfkommission und Professor am Universitätsklinikum Erlangen. Er rechnet damit, dass vor allem junge Menschen, die an Covid-19 nur äußerst selten schwer oder tödlich erkranken, das Angebot annähmen.

„Wichtig wird sein, dass durch eine solche Strategie nicht die zahlreichen gefährdeten Menschen, die bisher noch nicht geimpft sind – unter anderem 20 Prozent der über 80-Jährigen, 46 Prozent der 70- bis 79-Jährigen und 69 Prozent der 60- bis 69-Jährigen –, ohne zeitnahes Impfangebot bleiben.“

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33,5 Millionen Impfdosen wurden bereits verimpft

Bisher sind rund 36 Millionen Impfdosen in deutsche Verteilzentren geliefert worden, 33,5 Millionen wurden bisher in Impfzentren und medizinischen Praxen verimpft (Stand: 6. Mai). Der Großteil der gelieferten Impfdosen, rund 25 Millionen, waren Impfdosen der Hersteller Biontech/Pfizer. Der Astrazeneca-Impfstoff macht mit rund sieben Millionen Impfdosen den bisher zweitgrößten Anteil aus. Die Bundesregierung hat bei ihrer Bestellung stärker auf mRNA-Impfstoffe wie Biontech und Moderna gesetzt, das zeigen von der Regierung veröffentlichte Daten.

Bisher in der EU zugelassene Impfstoffe

Menge der von der Bundesregierung bestellten Impfdosen

Ausgelieferte Menge
(Stand: 6. Mai)

Biontech/Pfizer

100,7 Millionen

25,4 Millionen

Moderna

78 Millionen

3,1 Millionen

Astrazeneca

56,3 Millionen

7 Millionen

Johnson & Johnson

36,7 Millionen Dosen

0,25 Millionen

Liefermengen für den Mai

Das Gesundheitsministerium geht derzeit davon aus, dass von diesen in den kommenden Wochen je Woche 3,4 Millionen (Biontech) und 550.000 Impfdosen (Moderna) geliefert werden, eine entsprechende vorläufige Prognose hatte das Ministerium am 30. April auf seiner Website veröffentlicht.

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Für die Liefermenge des Impfstoffs von Astrazeneca sind die Prognosen des Bundesgesundheitsministeriums zumindest für den Mai deutlich zurückhaltender: Derzeit geht man davon aus, im Mai pro Woche um die 100.000 Impfstoffdosen an die Länder liefern zu können. Im Juni sollen die Liefermengen auch hier wieder steigen.

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