Apotheker melden Ansturm auf Astrazeneca: „Mengen reichen nicht mehr aus“

  • Mit dem Ende der Priorisierung ist die Nachfrage nach dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca stark gestiegen.
  • Der Apothekerverband Nordrhein berichtet, dass es inzwischen zu wenige Dosen des Vakzins für Hausärzte gebe.
  • Mit größeren Liefermengen ist in der kommenden Woche jedoch nicht zu rechnen.
Anzeige
Anzeige

Düsseldorf. In der vergangenen Woche haben sich die Gesundheits­minister von Bund und Länder darauf verständigt, den Corona-Impfstoff von Astra­zeneca für alle Impfwilligen freizugeben – ohne Priorisierung nach Alter, Vorerkrankung oder Berufsgruppe. Damit ist die Nachfrage nach dem Vektorvakzin deutlich gestiegen, wie jetzt der Apothekerverband Nordrhein berichtet. „Der Impfstoff von Astra­zeneca wird so stark nachgefragt, dass die bereitgestellten Mengen nicht mehr ausreichen“, sagte Verbandschefs Thomas Preis der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Donnerstag).

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.

Der Großhandel habe zum Teil die Bestellungen, die Ärzte über die Apotheken eingereicht hätten, um 80 Prozent reduzieren müssen. „Viele Ärzte sind sehr verärgert, denn bereits bestehende Impftermine müssen nun storniert werden“, betonte er.

Anzeige

Impfabstände beeinflussen Wirksamkeit des Astrazeneca-Vakzins

Neben der Aufhebung der Priorisierung trage auch die mögliche Verkürzung der Zweitimpfung auf vier statt zwölf Wochen zur Nach­frage bei. Junge Menschen wollten etwa bei den anstehenden Lockerungen durch einen kompletten Impfschutz gut vorbereitet sein, sagte Preis. „Medizinisch gesehen wäre es besser, sich erst nach zwölf Wochen die Zweitimpfung geben zu lassen.“

Anzeige

Denn dann ist die Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffes höher. Eine Analyse der Universität Oxford hatte gezeigt: Je größer der Abstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung ist, desto wirksamer ist das Vektor­vakzin. Bei einem Zeitintervall von zwölf Wochen betrage die Wirksamkeit 81,3 Prozent, bei weniger als sechs Wochen nur noch 55,1 Prozent, hieß es in der Studie.

Video
Deutschland macht Tempo: Über ein Drittel mindestens einmal gegen Corona geimpft
0:58 min
Mehr als jeder Dritte in Deutschland ist mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Spitzenreiter ist momentan das Saarland.  © dpa
Anzeige

„Daher muss man den Menschen klar sagen: Wenn Sie Ihren Impf­abstand bei Astrazeneca verkürzen, um damit schneller in den Genuss von Lockerungen zu kommen, machen Sie das auf Kosten Ihres Immunschutzes!“, machte Prof. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, gegenüber dem Science Media Center deutlich.

Weniger Astrazeneca-Impfstoff für die kommende Woche

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) vorrangig für Menschen über 60 Jahren empfohlen. Grund für diese Altersgrenze sind mehrere Fälle von Hirnvenenthrombosen, die in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung aufgetreten sind. Nach ärztlicher Aufklärung und nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung können sich aber auch Jüngere mit dem Vakzin impfen lassen.

Mehr als 7,1 Millionen Dosen des Astrazeneca-Impfstoffes wurden in Deutschland bereits verabreicht. In den Impfzentren sollen in der kommenden Woche insgesamt 98.400 Impfdosen eintreffen, so sehen es die Lieferprognosen des Bundesgesundheitsministeriums vor. Das wären 14.400 Dosen weniger als in dieser Woche. Auch die Impfstoff-Lieferungen für die Arztpraxen fallen in der 20. Kalenderwoche geringer aus: Dort werden 843.250 Impfdosen erwartet, 19.180 Dosen weniger als in dieser Woche.

RND/epd/lb

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen