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Ärzte: Versorgung in Kinderkliniken ist „akut gefährdet“ - weitere Schließungen möglich

  • Etwa eine Millionen Kinder müssen im Jahr stationär versorgt werden.
  • Doch Kinderkliniken fehlt das Geld - die medizinische Versorgung in Stationen ist laut Kinder- und Jugendärzten daher „akut gefährdet“.
  • Die Problematik könnte die Schließung weiterer Kliniken und Abteilungen für Kinder bedeuten.
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Köln. Die medizinische Versorgung in Kinderkliniken und -stationen ist laut den deutschen Kinder- und Jugendärzten „akut gefährdet“. Die aktuelle finanzielle Ausstattung reiche bei weitem nicht aus, um die über eine Million Kindern pro Jahr stationär angemessen versorgen zu können, mahnte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) zum Start des 48. Herbst-Kongresses am Donnerstag in Köln. Ärztinnen und Ärzte besprechen bei dem Kongress bis Samstag unter anderem auch die Bedeutung der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche und den Umgang mit Impfgegnern.

Etliche Kinderkliniken- und abteilungen mussten schließen

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Nach Angaben von Vizepräsident Wolfgang Kölfen ist in den vergangenen 25 Jahren rund ein Viertel der Kinderkliniken und Kinderabteilungen an Krankenhäusern geschlossen worden. In dem Zeitraum hätten 40 Prozent aller Betten abgebaut werden mussten. Dabei seien die fachlichen, personellen und auch finanzielle Anforderungen an Kinderkliniken stetig gewachsen, sagte der Arzt von der Klinik für Kinder und Jugendliche am Elisabeth-Krankenhaus Rheydt in Mönchengladbach. Denn heute könne Kindern geholfen werden, für die es vor zehn Jahren noch keine Behandlungsmöglichkeit gab, etwa bei schweren Krebserkrankungen, Stoffwechselkrankheiten oder Epilepsien.

System bringt Kliniken in finanzielle Nöte

Die Versorgung kranker Kinder sei besonders zeit-, personal- und materialaufwändig, erläuterte der Mediziner. Das System der Fallpauschalen, mit dem die Leistungen in den Kinderkliniken einheitlich vergütet werden, sehe den Zusatzaufwand aber nicht vor. So würden immer mehr Kinderkliniken in finanzielle Schieflage geraten. Falls nicht schnell gegengesteuert wird, seien weitere Schließung von Kinderabteilungen oder gar ganzer Kinderkliniken zu erwarten. Kölfen forderte "klare Leitplanken von der Politik" um die Vergütung der Kliniken dem erhöhten Aufwand anzupassen. Denkbar sei, die Pädiatrie im Fallpauschalensystem besser zu stellen oder durch einen Mix zeitgemäßer Grundpauschalen auskömmlicher zu finanzieren.

Experten plädieren für Impfungen - 80 Prozent der Eltern stimmen zu

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Martin Terhardt, Kinder- und Jugendarzt und Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko), unterstrich die Bedeutung vom Impfungen. Bei zu niedrigen Impfquoten könne es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen bei ungenügend geschützten Menschen kommen, wie in den vergangenen Jahren bei Masern. Terhardt empfahl Ärztinnen und Ärzten, die Beratungsgespräche mit Impfgegnern und -skeptikern sehr sensibel zu führen. Argumentativ könnten etwa Mythen wie die Korrelation von Impfen und Autismus entkräftet werden.

Auch die Theorie, dass das Durchmachen von Krankheiten besser sei als das Impfen dagegen, könnten medizinisch gut widerlegt werden. Insgesamt stünden etwa 80 Prozent der Eltern in Deutschland Impfungen ihrer Kinder befürwortend oder eher befürwortend gegenüber. Den Anteil der Impfskeptiker unter Eltern bezifferte er auf etwa 14 Prozent, die Quote der „notorischen Impfgegner“ auf zwei bis fünf Prozent.

Geschlechtsumwandlungen nehmen zu

Die Ärzte befassen sich auf dem Kongress auch mit Geschlechtsumwandlungen bei Kindern und Jugendlichen. Sie verweisen auf Zahlen des Statischen Bundesamtes, wonach von 2005 bis 2007 die Geschlechtsumwandlungen in Deutschland von 444 auf 1.124 zugenommen haben. Allein im Jahr 2018 seien bereits 1.816 operative Geschlechtsumwandlungen erfolgt. Referent Alexander Korte aus München wird unter anderem über Erfahrungen aus einer Spezialsprechstunde in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni München berichten.

RND/epd

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