Ärzte raten wegen Coronavirus zu Grippeschutzimpfung

  • Ärzte und Gesundheitsexperten raten vermehrt zu Grippeimpfungen.
  • Diese helfen zwar nicht gegen das neue Coronavirus, können aber verhindern, dass Behörden und Krankenhäuser mit „falschen Verdachtsfällen“ beschäftigt sind.
  • Denn das Coronavirus äußert sich mit fast den gleichen Symptomen wie eine klassische Grippe.
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Bei vielen Menschen taucht nun die Frage auf: Wie kann ich mich gegen das neue Coronavirus schützen? Die WHO empfiehlt neben regelmäßigem Händewaschen, den Kontakt mit Schleimhäuten in Mund, Auge und Nase zu vermeiden. Viele Menschen versuchen auch, mit Atemschutzmasken einer Infektion vorzubeugen. Zu einer Grippeimpfung raten Ärzte ohnehin. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus bekommt diese jedoch eine ganz neue Bedeutung.

Die Symptome einer Grippe und einer Coronaviruserkrankung ähneln sich stark. Wer über einen ausreichenden Grippeschutz verfügt, kann somit für sich selbst, Ärzte und Behörden ausschließen, wegen einer Grippe zu einem Verdachtsfall zu werden und so allen Beteiligten Arbeit und Sorge ersparen. Tropenmediziner Emil Reisinger ergänzt: „Die ähnlichen Symptome beider Infektionskrankheiten könnten dazu führen, dass ein mit Influenzaviren infizierter Patient irrtümlicherweise in einer Isolationsstation aufgenommen wird.“ Diese Art der notwendigen Vorsichtsmaßnahme sei teuer, sagt Reisinger. Die Kosten könnten durch eine Grippeschutzimpfung eingespart werden.

Bei zwei Verdachtsfällen in Deutschland, die sich nicht bestätigten, war dies nämlich der Fall. „In Rostock war ein Patient von einer China-Reise zurückgekehrt und klagte über Fieber und Husten“, erklärte Prof. Emil Reisinger, Tropenmediziner der Uni Rostock, gegenüber der „Ostsee-Zeitung“ (OZ). „Vielmehr leidet der Betreffende an einer Grippe“, so Reisinger. Auch ein Virusverdacht im Kreis Peine war negativ. Der Test auf das Coronavirus in Berlin war negativ, der Patient hatte eine Grippe. Nach einem China-Aufenthalt hatte der Mann an einem fiebrigen Atemwegsinfekt gelitten.

So macht sich das neue Coronavirus 2019-nCoV bemerkbar

Der Krankheitsverlauf ähnelt klassischen Grippesymptomen: Trockener Husten, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit und Atemnot gehen mit hohem Fieber über 38 Grad einher. Stellt der Arzt zudem fest, dass beide Lungenflügel entzündet sind, ist eine Erkrankung wahrscheinlich. Schnupfen ist übrigens kein typisches Symptom von Coronaviren, da das Virus die unteren Atemwege infiziert. Der Test auf das Virus basiert meist auf der Analyse von Sputum (Auswurf beim Husten) und dauert etwa zwei Stunden.

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Es wird vermutet, dass das Virus bis zu 24 Stunden außerhalb des menschlichen Körpers überlebt. Übertragen wird das Sars-ähnliche Virus direkt durch Tröpfcheninfektion über engen Kontakt zu hustenden und niesenden Infizierten.

Sind Patienten tatsächlich durch das neue Coronavirus erkrankt, gibt es für die Infektion keine entsprechende Heilung, lediglich die Symptome werden mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung behandelt. Obwohl es keine passende Behandlung gibt, genesen die meisten der Patienten wieder vollständig. Zum jetzigen Zeitpunkt sind gut 60 Betroffene bereits wieder vollkommen gesund. Bei geschwächten Personen oder Risikopatienten besteht im Falle einer Infektion jedoch akute Lebensgefahr.

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Ältere und Kranke gelten als Risikopatienten

Ebenso wie bei der Grippe sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem besonders gefährdet. Für sie stellt das Coronavirus eine ernste gesundheitliche Gefahr dar. In China gehören bislang vor allem ältere und kranke Menschen zu den Todesopfern der Epidemie.

Impfen lassen sollten sich vor allem Menschen über 60 Jahre, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Schwangere ab dem vierten Monat und alle Menschen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung. Menschen mit Herzproblemen etwa sind durch die Influenza besonders gefährdet. Hinzu kommen alle, die solche Risikopersonen betreuen oder mit ihnen in einem Haushalt leben, und Menschen mit bestimmten Berufen, wie medizinisches Personal. Die Ständige Impfkommission empfiehlt diese Impfung insbesondere chronisch Kranken, über 60-Jährigen, Schwangeren und Medizinpersonal. Nicht impfen lassen sollten sich lediglich Menschen, die eine Allergie gegen Bestandteile des Impfstoffs haben, Hühnereiweiß etwa. Sie sollten vor der Impfung mit ihrem Arzt sprechen.

Ist eine Impfung jetzt noch sinnvoll?

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Nach der Impfung dauert es etwa zehn bis 14 Tage, bis der Körper einen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung aufgebaut hat. Da viele Gesundheitsexperten aktuell davon ausgehen, dass uns das Coronavirus noch länger als einen Monat begleiten wird, lohnt sich eine Grippeschutzimpfung diesbezüglich noch.

Im Allgemeinen erreicht eine Grippewelle ihren Höhepunkt in der Regel nach Neujahr. „Grundsätzlich ist es aber auch im Januar oder Februar sinnvoll, sich impfen zu lassen, wenn man es bis dahin nicht gemacht hat“, rät Gerd Fätkenheuer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Immer wieder betonen Fachleute, dass von der Grippe für Deutschland ein höheres Risiko ausgeht als vom neuen Coronavirus. In dieser Grippesaison zählt das Robert-Koch-Institut bereits 13.500 Fälle.

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Coronavirus: Wuhan schafft fieberhaft neue Kliniken
0:33 min
Im Kampf gegen das neuartige Coronavirus stampft die zentralchinesische Stadt Wuhan zwei Kliniken für infizierte Patienten aus dem Boden.  © Vanessa Casper/AFP

Wie gefährlich ist das neue Coronavirus?

Wie ansteckend das neue Virus ist, lässt sich bisher nur schwer beurteilen. Chinesische Behörden gehen davon aus, dass ein Infizierter durchschnittlich 1,4 bis 2,5 Menschen ansteckt – das wäre ähnlich wie bei Sars. „Solche Zahlen sind extrem unzuverlässig“, sagt der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité. Demnach hängt die Übertragungsrate von sehr vielen Faktoren ab – etwa ob Menschen sozial aktiv sind oder eher zu Hause bleiben. Aus diesem Grund haben sich die chinesischen Behörden auch zur Abriegelung der Städte in der Provinz Hubei entschieden.

Auch wenn Flughäfen, Firmen und Krankenhäuser bereits Maßnahmen treffen, muss man nicht in Panik verfallen. „Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung aus China bleibt nach Einschätzung des RKI (Robert-Koch-Institut) weiterhin gering“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

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Wie eingangs erwähnt, wäre eine Impfung das beste Mittel, die Epidemie einzudämmen. Laut Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin werden derzeit Impfstoffkandidaten für Mers am Menschen getestet. Sollten die Tests erfolgreich sein, sind diese Impfstoffe allerdings frühestens in einigen Monaten verfügbar.

RND/mit dpa