Äpfel im Test: Das ist faul an unserem Lieblingsobst

  • "Pink Lady" gehört zu den beliebtesten Apfelsorten in Deutschland.
  • Diese Apfel-Kreuzung ist allerdings besonders anfällig für Krankheiten und Schädlinge, weshalb chemische Spritzmittel eingesetzt werden.
  • Öko-Test konnte auf den Äpfeln drei verschiedenen Pestizide nachweisen, mindestens einer der Stoffe ist gefährlich.
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Hannover. Pink Lady ist keine Apfelsorte im eigentlichen Sinn, sondern eine Clubsorte. Das bedeutet, nur Vertragspartner dürfen die Äpfel der Sorte "Cripps Pink" unter dem Namen Pink Lady verkaufen. Wer als Bauer Teil dieses exklusiven Clubs sein möchte, schließt mit der Vermarktungsgesellschaft Verträge ab und zahlt Lizenzgebühren. Außerdem wird vorgeschrieben, wie die Äpfel auszusehen haben: nämlich groß, rot und makellos.

Denn Pink Lady ist eigentlich eine Kreuzung aus den traditionellen Apfelsorten Golden Delicious und Lady Williams. Angebaut werden die süß schmeckenden Äpfel ausschließlich in Südeuropa und Südamerika. Außerdem verspricht das Unternehmen gleichbleibende Qualität, unabhängig von der Jahreszeit. „Unser Ziel ist, Ihnen jederzeit die gleiche Qualität hinsichtlich Färbung, Festigkeit des Fruchtfleisches, Zuckergehalt usw. anzubieten", heißt es auf der Internetseite. Diesen Ansatz bemängeln vor allem die Umweltschützer von Greenpeace: Statt einem perfekten Öko-Lebensmittel würde aus dem Apfel ein globalisiertes und optisch standardisiertes Einheitsprodukt.

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Öko-Test-Urteil: Trotz Mängeln "Gut"

Weil sowohl importierte als auch deutsche Äpfel das ganze Jahr über in unseren Supermärkten angeboten werden, untersuchte Öko-Test im September 2018 insgesamt 37 verschiedene Sorten auf deren Belastung mit Spritzgiften. Auf Pink-Lady-Äpfeln von Aldi Süd fand das Verbrauchermagazin Öko-Test Spuren von drei Pestiziden, darunter auch von einem „besonders bedenklichen“. Die Werte lagen allerdings weit unter dem gesetzlich vorgegebenen Grenzwert, weshalb das Test-Urteil insgesamt mit "Gut" ausfiel.

Warum überhaupt eine Behandlung mit Pestiziden notwendig ist, erklärt sich durch den Geschmack. Denn um besonders süß schmeckende Äpfel wie den Pink Lady zu züchten, wird der Anteil an gesunden Polyphenolen klein gehalten. Die Aromastoffe sind zuständig für den sauren und herben Geschmack ursprünglicher Apfelsorten und erfüllen darüber hinaus eine wichtige Schutzfunktion gegen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge.

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Potenziell krebserregende Pestizide

Auf Apfelplantagen, die moderne Sorten mit wenig Polyphenolen anbauen, werden Mängel wie Apfelschorf oder Schädlinge deshalb großflächig mit Pestiziden bekämpft. In einem Test fand die Organisation heraus, dass selbst deutsche Apfelbauern durchschnittlich 21 Mal pro Jahr ihre Ernte spritzen, oft mit mehreren Wirkstoffen gleichzeitig.

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Die Rückstände der verwendeten chemischen Substanzen essen Verbraucher mit. Einige der durch den Öko-Test analysierten Pestizide seien besonders bedenklich. Beispielsweise, weil es sich um wahrscheinlich krebserregende Stoffe handelt, sie beim Einatmen lebensgefährlich sein können oder Kindern im Mutterleib schaden.

Im Öko-Test fielen acht Apfelsorten mit ein bis zwei "besonders bedenklichen" Pestiziden auf: Rewe Beste Wahl Gala Royal Tenroy, Rote Äpfel saftig & süßlich (Penny), Tenroy Royal Gala, Äpfel Idared (Netto), Gut & Günstig Äpfel Red Jonaprince (Edeka), Real Quality Äpfel, Royal Gala Tenroy, Apfel rot Ambrosia (Lidl). Der River Valley Fresh Äpfel rot, Tenroy-Royal Gala (Norma) und eben Äpfel Pink Lady (Aldi Süd).

Die Tester räumen aber ein: „Die Belastung von Äpfeln mit Pestiziden ist im Vergleich zu anderem Obst wie Erdbeeren oder Bananen eher gering.“

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Die bessere Alternative: Bio, saisonal und regional

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Um Giftstoffe im Essen zu vermeiden, raten die Experten des Verbrauchermagazins daher zum Kauf von Bio-Äpfeln. Denn alle neun getesteten Bio-Äpfel wiesen laut Öko-Test keine Pestizidrückstände auf. Da Äpfel aus Deutschland nicht über lange Strecken importiert werden müssen, besäßen sie meist die bessere Klimabilanz. Zudem sei es wichtig, auf die Jahreszeit zu achten: "Kaufen Sie regionale Äpfel, wenn Sie etwas für die Umwelt tun möchten - am besten in der Saison, etwa von August bis November".

Hinweis: Dieser Artikel wurde gegenüber einer früheren Fassung korrigiert.

RND/mf