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  • Antikörpertests gegen Corona - wie funktionieren die Tests und ist man mit Antikörpern immun?

Antikörpertests gegen Corona – alle Fragen und Antworten

  • Das Pharmaunternehmen Roche will noch im Mai einen neuen Test auf Antikörper gegen das neuartige Coronavirus auf den Markt bringen.
  • Für die Bundesregierung ist der Test eine wichtige Wegmarke im Kampf gegen das Coronavirus.
  • Aber was genau wird damit getestet?
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Hannover. Das Pharmaunternehmen Roche will noch im Mai einen Test auf Antikörper gegen das neuartige Coronavirus auf den Markt bringen. Roche hat nach eigenen Angaben eine Notfallgenehmigung der US-Gesundheitsbehörde FDA für den Test bekommen. Diese ist einem Sprecher zufolge für alle Länder gültig, die die CE-Kennzeichnung für Produkte akzeptieren. Das seien unter anderem alle Länder innerhalb der Europäischen Union.

Der neue “Elecsys Anti-Sars-CoV”-Test soll helfen, festzustellen, ob ein Patient dem Sars-Cov-2-Virus ausgesetzt war und ob der Patient Antikörper gegen Sars-Cov-2 entwickelt hat. “Das ist kein Test für den Hausgebrauch”, machte der Sprecher deutlich. Es handle sich um einen Bluttest, zu dessen Auswertung man technische Geräte benötige. Doch wie genau funktionieren Antikörpertests, auf die Mediziner große Hoffnungen legen?

Was ist ein Antikörpertest?

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Ein Antikörpertest, auch Serologietest genannt, wird verwendet, um festzustellen, ob eine Person möglicherweise Immunität gegen einen Krankheitserreger erlangt hat oder nicht. Der menschliche Körper bildet Antikörper als Reaktion auf viele Krankheiten.

In der aktuellen Covid-19-Pandemie müssen Antikörpertests in der Lage sein, Antikörper gegen Sars-Cov-2 ohne Kreuzreaktivität mit anderen ähnlichen Coronaviren nachzuweisen, was zu einem falsch-positiven Ergebnis führt. Das liegt etwa daran, dass Tests womöglich auf eines der anderen Coronaviren reagieren, die bereits seit Längerem bekannt sind und unter anderem eine normale Erkrankung auslösen. Sogenannte falsch-positive Befunde würden dazu führen, dass sich Menschen fälschlicherweise immun wähnen, sich anstecken könnten und dann das Virus weiterverbreiten.

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Darauf kommt es beim Antikörpertest an

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Entscheidend sind zwei Kriterien: die Spezifität und die Sensitivität. Beide Angaben zeigen, wie wahrscheinlich es ist, dass das Ergebnis bezogen auf das neuartige Coronavirus korrekt ist. Die Spezifität sagt aus, wie viele Gesunde von dem Test auch tatsächlich als gesund erkannt werden. Viele Tests liefern nämlich auch dann positive Resultate, wenn im Blut Antikörper gegen eines der vielen anderen Coronaviren gebildet wurden, die schon lange als Erkältungserreger kursieren.

Die Sensitivität gibt den Prozentsatz der Betroffenen an, bei denen die Infektion tatsächlich erkannt wird.

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So funktioniert der Antikörpertest

Beim Antikörpertest wird eine Blutprobe auf eine Testplatte gegeben, die mit dem neuartigen Coronavirus präpariert ist. Sind in der Blutprobe Antikörper, verbinden sie sich mit den Virusbruchstücken. Im nächsten Schritt wird ein farbiger Marker hinzugefügt. Wenn Antikörper im Blut vorhanden sind, verfärbt sich der Marker gelb.

Der Coronavirus-Antikörpertest funktioniert zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung, denn erst dann hat der Körper Antikörper gebildet. Eine akute Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 können Antikörpertests somit nicht nachweisen.

Antikörpertest auch am Flughafen Frankfurt

Ab sofort bietet auch der Flughafen Frankfurt (Fraport) Antikörpertests an. Im Rahmen seiner medizinischen Betreuung für Mitarbeiter können sich ab sofort auch Reisende und nicht am Flughafen Beschäftigte testen lassen. Wichtig: Die Tests werden nur nach vorheriger Anmeldung und einer Kostenübernahmeerklärung des Arbeitgebers oder von Selbstzahlern akzeptiert. Auch Schnelltests per Abstrich sind am Fraport möglich. Während der Abstrich 215 Euro kostet, werden für den Antikörpertest 70 Euro verlangt.

Wie funktioniert der Test von Roche?

Der “Elecsys Anti-Sars-CoV”-Test von Roche entnimmt dem Patienten Blutproben. Das Pharmaunternehmen verspricht, innerhalb von 18 Minuten ein Testergebnis zu liefern. Voraussetzung ist, dass Krankenhäuser und Referenzlabors den Test mit “Cobes Cobas e”-Analysegeräten von Roche durchführen, die weltweit erhältlich sind. Diese vollautomatischen Systeme könnten 300 Sars-CoV-2-Testergebnisse – abhängig vom Analysegerät – liefern.

Wie sicher sind die Tests von Roche?

Die Spezifität der Roche-Tests beträgt laut Pressemitteilung 99,81 Prozent. “Damit zählen wir in puncto Verlässlichkeit zu den besten Anbietern im Markt”, teilt das Unternehmen mit. Die Sensitivität, die angibt, zu welchem Prozentsatz infizierte Personen als solche erkannt werden, bezifferte das Unternehmen auf 100 Prozent. Die Angaben beruhen auf der Analyse von der mehr als 5000 validierten Proben.

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Es zeigte sich zudem “keine Kreuzreaktivität mit den vier menschlichen Coronaviren, die Erkältungen verursachen. Dies bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit von Fehlalarmen aufgrund des Nachweises ähnlicher Antikörper, die in einem Individuum vorhanden sein können, verringert werden kann”, schreibt das Pharmaunternehmen weiter.

Was kosten die Tests?

Ein genauer Preis steht noch nicht fest. Nach Angaben von Christoph Franz, Verwaltungsratspräsident von Roche, soll der Test weniger “als mehrere Hundert Euro” kosten. Andere Anbieter im Internet verlangen 70 bis 120 Euro, wobei die Zuverlässigkeit von deren Tests hoch umstritten ist.

Ist, wer Antikörper hat, auch immun?

Wer Antikörper hat, gilt zumindest vorübergehend als immun gegen das Virus und könnte ohne Gefahr für sich und andere wieder am öffentlichen Leben teilnehmen. Wenn bei getesteten Menschen Antikörper nachgewiesen werden, heißt das, sie kamen mit dem Virus in Berührung, auch wenn sie nie Krankheitssymptome hatten. Das könnte bei mehr Menschen der Fall sein, als bisher in der Statistik aufgeführt werden.

Was erhofft man sich von den Antikörpertests?

Auch wenn Antikörpertests keine akute Erkrankung von Sars-CoV-2 nachweisen können, so erhofft man sich durch bereits überstandene Infektionen wichtige Informationen: “Antikörpertests helfen uns, zu wissen, wer eine Corona-Infektion schon durchgemacht hat. So gewinnen wir Erkenntnisse über das tatsächliche Ausbruchsgeschehen”, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Sobald gesicherte Erkenntnisse über eine mögliche Immunität nach durchgemachter Infektion vorlägen, würden die Tests noch größere Bedeutung gewinnen.

Stimmt das?

Welche Bedeutung die Tests in Zukunft haben werden, kann man noch nicht abschließend sagen. Schließlich kommen die Antikörpertests gerade erst heraus und Langzeituntersuchungen sind auch noch nicht möglich, da die Krankheit erst seit wenigen Monaten bekannt sei. Nach allem, was man von ähnlichen Viren wisse, sagen verschiedene Experten, schützten die als Reaktion vom Körper gebildeten Antikörper vor einer erneuten Infektion.

Wie lange dieser Schutz anhält, hängt davon ab, in welchem Tempo die Konzentration der Antikörper im Blut, der sogenannte Antikörper-Titer, abnimmt. Je höher der Titer, also die Anzahl der Antikörper, desto stärker der Schutz. Dass die im Körper produzierten Antikörper gegen das neuartige Coronavirus nicht vor einer erneuten Infektion schützen, wäre außergewöhnlich, meinen Experten.

RND/dpa/Alice Mecke

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