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Modellierung: Ansteckungsgefahr beim Essen mit Freunden deutlich höher als im Supermarkt

  • Der Berliner Physiker Kai Nagel hat mit einer Modellierung den Einfluss verschiedener Verhaltensweisen auf den R-Wert berechnet.
  • Museumsbesuche und Konzerte im Freien würden sich demnach kaum auf die Infektionszahlen auswirken.
  • Private Kontakte ohne Schutzmaßnahmen und Restaurantbesuche hingegen schon.
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Private Kontakte bleiben der größte Einflussfaktor auf die Infektionszahlen, das geht aus einer Modellierung des Berliner Physikers Kai Nagel hervor, über die die Zeitung „Die Welt“ berichtet. Nagel ist Leiter des Fachgebiets Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik an der TU Berlin und hat einen Ansatz aus der Verkehrsforschung genutzt, um ein Vorhersagemodell für die Ausbreitung des Coronavirus zu entwickeln.

Für Nagels komplexes Modell werden die Tagesabläufe von Menschen und Bewegungsdaten analysiert, gleichzeitig fließt das neuste Wissen über Übertragungswege des Erregers mit in die Modellierung ein. Aus den vorhandenen Daten lassen sich Wahrscheinlichkeiten für die Verbreitung des Virus in verschiedenen Situationen errechnen.

Veranstaltungen im Freien wenig riskant

Nagel nutzt das Modell, um abzuschätzen, wie stark bestimmte Verhaltensweisen oder Corona-Maßnahmen den R-Wert beeinflussen könnten. Wie der Forscher im Gespräch mit der Zeitung „Die Welt“ erklärte, lieferten Übertragungen in privaten Haushalten einen Beitrag von 0,5 zum R-Wert, andere private Treffen ohne Schutzmaßnahmen 0,5. Für Schule und Arbeit errechnet das Modell einen fiktiven Beitrag zum R-Wert von 0,3 wenn dort keine Schutzmaßnahmen gelten würden.

Für „wenig riskant“ hält Nagel demnach nach vorangegangenen Schnelltests „grundsätzlich alle Veranstaltungen im Freien“, wie zum Beispiel Outdoor-Konzerte und Außengastronomie. Für „Museumsbesuche und Streichkonzerte“ hat Nagel einen Beitrag zum R-Wert von nur 0,01 errechnet, wenn dabei FFP2-Masken getragen werden.

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Konzerte grundsätzlich möglich

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Klassische Konzerte in einer großen Philharmonie mit eingeschränktem Sitzplatzangebot seien „wahrscheinlich ebenfalls in Ordnung“, es gelte aber den Effekt der Blasinstrumente nochmals zu prüfen. Bei einer Öffnung der Innengastronomie rechnet Nagel hingegen mit einem zusätzlichen Beitrag zum R-Wert von 0,5, auch weil beim Essen keine Masken getragen werden können.

Nagel stellt auch Vergleiche an, um unterschiedliche Risiken zu verdeutlichen. Das Ansteckungsrisiko beim gemeinsamen Abendessen mit Freunden sei insgesamt bis zu 100 Mal höher als beim Einkauf im Supermarkt. Das komme durch mehrere Einflussfaktoren zustande: Im Laden werden anders als beim Essen Masken getragen, es wird nicht viel gesprochen und man hält sich kürzer dort auf.

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