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Zykluscoach im Interview

Bye-bye, Zyklusbeschwerden? Wie Frauen ihren Zyklus für sich nutzen können

Ein Großteil der Frauen hat während des Zyklus Beschwerden wie PMS.

Ein Großteil der Frauen hat während des Zyklus Beschwerden wie PMS.

Frau Lippold, der weibliche Zyklus und Menstruation sind aktuell sehr präsente Themen. Würden Sie da zustimmen?

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Es gibt zwar eine kleine Gruppe an Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigt. Ein Großteil der Öffentlichkeit traut sich allerdings noch nicht an das Thema heran und in der breiten Masse wird nicht viel darüber gesprochen. Außerdem ist das Wissen, das vermittelt wird, recht generisch und dadurch für viele Frauen nicht anwendbar.

Inwiefern?

Der Standardzyklus bei einer Frau ist nun mal keine 28 Tage lang. Doch wenn alle Schemata immer einen „perfekten“ Zyklus mit dem Eisprung genau in der Mitte zeigen, werden sich Frauen mit einem längeren Zyklus darin nicht wiederfinden. Das ist so ein bisschen die Crux an Modellen oder Metaphern, dass sie nicht Eins-zu-eins der Wahrheit entsprechen.

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Warum wissen viele Frauen so wenig darüber, wie sie ihren Zyklus für sich nutzen können?

Das fängt schon im Biologieunterricht an, dass etwa die weiblichen Geschlechtsteile falsch dargestellt oder Begriffe wie Vulva und Vagina durcheinandergebracht werden. Gehen wir einen Schritt weiter und sehen uns Darstellungen des weiblichen Zyklus an, besteht das gleiche Problem: Der Zyklus wird häufig als Kreis dargestellt und dann in perfekte Viertel geteilt, um die inneren Jahreszeiten darzustellen. Aber nur, weil es optisch ansprechend ist, entspricht das noch lange nicht der Realität.

Der Zyklus wird häufig als Kreis dargestellt und dann in perfekte Viertel geteilt, um die inneren Jahreszeiten darzustellen. Aber nur, weil es optisch ansprechend ist, entspricht das noch lange nicht der Realität.

Anne Lippold, Zykluscoach

Was meinen Sie mit den inneren Jahreszeiten?

Das Vier-Jahreszeiten-Modell ist ein sehr anschauliches Modell, in dem sich viele Frauen wiederfinden. Es beschreibt ganz gut, wie wir uns im Laufe des Zyklus fühlen können. Der Hormonhaushalt der Frau verändert sich ständig – etwas, das uns sehr stark vom Mannsein unterscheidet. Die Sexualhormone Östrogen und Progesteron wirken allerdings nicht nur in den Eierstöcken, sondern auch in allen anderen Organen, etwa dem Magen-Darm-Trakt, dem Herzen oder dem Gehirn. Das macht ganz viel mit uns biologisch, aber natürlich auch emotional.

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Wie hängen diese Jahreszeiten mit der Leistungsfähigkeit zusammen?

Mit dem Start der Menstruation beginnt ein neuer Zyklus, das ist der innere Winter. Wie im äußeren Winter ziehen viele sich gerne zurück, kuscheln sich lieber ein, mögen warmes Essen und sind lieber in einer kleinen Runde mit Menschen, mit denen sie sich wohlfühlen. Wenn die Blutung aufhört und das Östrogen anfängt zu steigen, kommt auch die Energie wieder zurück. Das merkt man, indem man zum Beispiel neugieriger wird und körperlich mehr Kraft hat. Das entspricht dem, wie wir uns fühlen, wenn der äußere Frühling anfängt.

Anne Lippold ist Zykluscoach und berät menstruierende Menschen mit Zyklusbeschwerden, ihren Zyklus ins natürliche Gleichgewicht zu bringen.

Anne Lippold ist Zykluscoach und berät menstruierende Menschen mit Zyklusbeschwerden, ihren Zyklus ins natürliche Gleichgewicht zu bringen.

Der innere Sommer ist die Zeit um den Einsprung herum. Durch ein Peak an Östrogen haben Frauen so viel Kraft und positive Wahrnehmung auf sich selbst wie zu keinem anderen Zeitpunkt im Zyklus. Sie brauchen weniger Schlaf und haben weniger Hunger. Im inneren Sommer haben Frauen meist das Gefühl, sie können Bäume ausreißen, und es läuft nahezu alles perfekt – so, wie es auch im echten Sommer ist.

Und danach?

Nach dem Eisprung kommt das Progesteron zum Wirken und sorgt dafür, dass wir ein bisschen ruhiger werden. Viele Frauen haben tatsächlich Probleme mit diesem Hormon, etwa wegen einer Östrogendominanz oder einer Gelbkörperschwäche. Neben dem Altweibersommer, wo es noch mal richtig schön sein kann, kommt auch immer wieder ein Herbststurm. Und das beschreibt ganz gut die emotionalen Stimmungsschwankungen, die viele Frauen kurz vor der Menstruation erleben.

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Das heißt, der Zyklus hängt sowohl mit der physischen Leistungsfähigkeit zusammen als auch mit der Stimmung.

Genau, die mentale Stabilität hängt sehr stark mit unserem körperlichen Wohlbefinden zusammen. Wenn wir zu wenig geschlafen haben oder es uns körperlich nicht gut geht, sind wir auch schneller gereizt. In der Gelbkörperphase, also der Zeit kurz vor der Periode, haben viele Frauen hormonelle Disbalancen, in denen es ihnen körperlich und dadurch auch emotional nicht gut geht. Zum Beispiel hat auch der Magen-Darm-Trakt einen großen Einfluss auf unsere Stimmung.

Wie hängt ein gesunder Zyklus auch mit der Ernährung zusammen?

Dadurch, dass Frauen innerhalb ihres Zyklus extreme Hormonschwankungen haben, hat der Körper auch einen sehr hohen Bedarf an vielen Mikro- und Makronährstoffen, um die großen Mengen an Hormonen immer wieder auf- und abbauen zu können. Deswegen sollten Frauen sehr viele Proteine und viel Cholesterin, also positive Fette, essen. Die meisten Frauen haben allerdings einen Proteinmangel – ein Grund, woher etwa Heißhungerattacken kommen – und einen Cholesterinmangel, woraus eigentlich die meisten Sexualhormone gebildet werden.

Worauf sollte man bei Zyklusbeschwerden eher verzichten?

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Der Hormonhaushalt wird unter anderem von der Leber und der Schilddrüse beeinflusst. Diese bilden mit den Eierstöcken ein Hormondreieck. Eine ungünstige Ernährung kann diese allerdings so sehr beschäftigen, dass sie für die anderen Prozesse im Körper weniger Kapazitäten haben. Dazu kann etwa gehören, dass ich zu viel Rohkost esse, die schwer verdaulich ist, oder dass ich zu viele Inhaltsstoffe zu mir nehme, die anderweitig ungünstig für den Körper sind, wie zu viele verarbeitete Lebensmittel oder zu viel Zucker.

Für viele Frauen ist das Thema Zyklus nutzen noch sehr neu und mitunter überwältigend. Was kann ihnen dabei helfen, sich damit zu beschäftigen?

Der erste Schritt sollte immer sein, sich bewusst zu machen: Wozu soll ich das machen? Die meisten Frauen haben Beschwerden mit ihrem Zyklus. Wenn sie begreifen, dass sie einen positiven Einfluss darauf nehmen oder ihre Beschwerden sogar lindern können, indem sie Prävention betreiben, ist das ein Blickwinkelwechsel, der ihnen hilft, etwas dagegen zu unternehmen – und auch die zwei Seiten der Medaille zu betrachten.

Was sind die zwei Seiten der Medaille?

Einerseits stehen beim weiblichen Zyklus für viele Frauen die Beschwerden im Fokus, die natürlich nicht sein müssen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch ganz viele positive Tage, wo Frauen super viel Energie und Kraft haben – auch das schenkt uns der Zyklus.

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Und wie können Frauen lernen, ihren Zyklus besser zu verstehen?

Zum Beispiel können Frauen erst mal damit anfangen, ihren Zyklus zu tracken. Im nächsten Schritt könnte man sich dann fragen, wie es einem im Laufe des Zyklus geht. Auch das Zyklusrad kann für Frauen, die sich neu mit dem Thema beschäftigen, hilfreich sein. Sie schreiben einfach jeden Tag auf, wie es ihnen emotional und körperlich geht. Bereits nach wenigen Zyklen werden sie ein Muster erkennen – und damit vorausschauend planen können.

Wie können Frauen ihren natürlichen Zyklus sonst noch unterstützen?

Wenn ich mir bewusst mache, dass der weibliche Zyklus eigentlich der einzige Prozess im Körper ist, der nicht zum eigenen Überleben notwendig ist, sondern lediglich zum Überleben der Menschheit, dann wird klar, wie gering die Priorität im Vergleich zu allen anderen Prozessen im Körper ist. Und dann wird auch klar, dass alles, was ich meinem Körper antue, Auswirkungen auf meinen Zyklus hat. Die üblichen Tipps für ein langes Leben und eine gute Gesundheit sind am Ende alle auch gut für den weiblichen Zyklus.

Wenn ich mir bewusst mache, dass der weibliche Zyklus eigentlich der einzige Prozess im Körper ist, der nicht zum eigenen Überleben notwendig ist, sondern lediglich zum Überleben der Menschheit, dann wird klar, wie gering die Priorität im Vergleich zu allen anderen Prozessen im Körper ist.

Anne Lippold, Zykluscoach

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Und welche Tipps sind das?

Zum Beispiel eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf oder ein gutes Stressmanagement. Ich sage auch immer gern: Nicht den Stress herunterfahren, sondern richtig beantworten. Das gelingt, indem ich mir mehrfach am Tag ein paar Minuten nehme, um meinen Körper wieder herunterzufahren, etwa durch entspanntes Atmen, eine Achtsamkeitsübung oder durch Sport.

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