Alpha, Delta, Lambda: Die Warnungen werden nicht aufhören

  • Wissenschaft und Ärzteschaft trüben mit ihrem Delta-Alarm die endlich wieder etwas vergnüglichere Sommerstimmung.
  • Dabei ist die Virusvariante in Deutschland noch kaum verbreitet.
  • Um die Ausbreitung von Virusvarianten zu kontrollieren, braucht es endlich ein flächendeckendes Screening und viel mehr Sequenzierungen, auch in Europa, kommentiert Saskia Heinze.
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Da ist die große Sommereuphorie – Fußball, Reisen, Feiern, Biergarten. Vergnügen statt Verzicht tut gut nach der langen Durststrecke. Wäre da nicht die große Warnung, der zu Recht frustrierend stimmende Dämpfer. Schon wieder schrillen die Alarmglocken aus Wissenschaft und Ärzteschaft.

Erst war es Alpha, nun verbreitet sich Delta und wird hierzulande wahrscheinlich demnächst dominant sein. Bald vielleicht noch die Virusvariante Lambda? Die ist zwar noch weit weg, in Südamerika, aber die WHO hat auch schon diese Mutante auf dem Radar.

Auf den ersten Blick könnten diese Warnungen – angesichts der aktuellen Lage in Deutschland und Europa – übertrieben wirken. Schließlich sind die Inzidenzen so niedrig wie zuletzt im September 2020. Die gute Stimmung wird also mal wieder von der Fachwelt getrübt. Die üblichen Verdächtigen – Lauterbach, Drosten, Wieler und Montgomery – mahnen wieder. Statt entnervt oder zornig sollten wir dafür aber dankbar sein – denn am Ende profitieren davon alle.

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Kontrollverlust? Bitte nicht noch mal

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Denn Augen zu und durch ist im Falle der Varianten keine gute Taktik. Das dürfte spätestens seit dem monatelangen Kompromisslockdown im Winter klar sein. Gerade für die Varianten braucht es gute Planung und frühes Gegensteuern durch Politik und Gesellschaft – damit nicht wieder die Kontrolle entgleitet.

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Aktuell zeigt das Beispiel Großbritannien, dass die Infektionsdynamik sehr schnell wieder aus dem Ruder laufen und dadurch auch mehr Krankenhauseinweisungen nach sich ziehen kann. Zudem könnte durch die Varianten der Impfschutz auf einmal deutlich geringer ausfallen. Bestes Warnbeispiel der Woche: Der Zwischenbericht des Tübinger Herstellers Curevac, dessen Vakzin auf dem Weg zur Zulassung bei Tests auf Varianten weitaus weniger wirksam war als ursprünglich erwartet.

Virusvarianten nicht verdrängen, sondern mit Kontrollsystem erwarten

Das zeigt, wie wichtig Informationen zu neuen Varianten sind. Das Coronavirus wird auch künftig weiter ganz genau beobachtet werden müssen. Ein Vorbild kann da das internationale Influenza-Überwachungssystem sein, bei dem schon lange neu auftretende Mutationen in Laborproben systematisch überwacht werden. Das ist wichtig für die Risikobewertung, aber auch die Aktualisierung der Impfstoffe.

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Tatsächlich ist das beim Coronavirus aber immer noch keine Selbstverständlichkeit. Niemand weiß derzeit, wo auf der Welt gerade in diesem Moment Mutationen zueinanderfinden, deren Eigenschaften nichts Gutes für unsere Exit-Strategie versprechen. Blinde Flecken gibt es im Kontrollsystem viele, auch in Europa. Mit Ausnahme von Großbritannien und Dänemark lässt die internationale Überwachung mithilfe aufwendiger Probenanalysen und Sequenzierungen weiterhin zu wünschen übrig.

Wir wissen also nicht, welche Mutationen noch kommen und wie sie sich verbreiten. Das ist die große Unsicherheit, mit der Politik und Gesellschaft auch in der zweiten Jahreshälfte 2021 zurechtkommen müssen. Neben einem Variantenradar durch die Wissenschaft braucht es die Infektionskontrolle durch uns. Und je früher wir gewarnt sind, desto besser.

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