Alkohol und Glücksspiel: Erhöht die Corona-Krise das Sucht-Risiko?

  • Isolation, finanzielle Sorgen und Langeweile könnten den Griff zu Alkohol oder das Zocken im Online-Casino befördern.
  • Ob aktuell mehr Menschen online zocken können, Experten noch nicht abschätzen.
  • Doch, dass Spielhallen und Kneipen in Corona-Zeiten dicht sind, wird auch als Chance gesehen - einige Erfolge bei Suchtkranken wurden bereits verbucht.
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Hamm. Die Corona-Pandemie erhöht Experten zufolge das Risiko für Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie für das Zocken im Online-Casino. Zugleich könnten sich geschlossene Kneipen und Spielhallen aber möglicherweise auch positiv auf das Suchtverhalten auswirken, hieß es beim Fachverband Glücksspielsucht und der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

Stress und Zukunftsängste tückisch für Suchtkranke

Vielen Menschen fehle eine feste Tagesstruktur, sie seien isoliert und in Sorge um ihre Zukunft, schilderte Rummel. "Die Leute wollen Druck rausnehmen und sich - vermeintlich - mit Alkohol entspannen." Dabei sei vielen nicht bewusst, dass das Trinken schnell zur Gewohnheit werden könne, die Dosis dann steige, um "besser drauf zu sein" - und so eine Alkohol-Abhängigkeit drohe.

Mit Blick auf illegale Drogen sagte Rummel, die Gefahr für Suchtkranke, in alte Muster zu verfallen, sei in Stresslagen besonders groß. Umso wichtiger sei es, auch gemeinsam mit Fachkräften der Suchtberatung und Suchthilfe vor Rückfällen zu schützen und abstinentes Verhalten zu festigen. Beratungsstellen seien aber in großer Sorge, dass ihnen bei einem längeren Andauern der Corona-Krise die Förderungen gekürzt oder entzogen würden.

Zocken nun mehr Menschen online?

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Es sei anzunehmen, dass manche Spieler angesichts der geschlossenen Kneipen mit aufgestellten Spielautomaten nun das Medium wechselten und online um Geld zockten, meinte Rummel. Das könne man aber keineswegs pauschal sagen und für Schätzzahlen sei es auch hier noch zu früh.

Nach Angaben des Fachverbands Glücksspielsucht spielen deutschlandweit knapp 500.000 Menschen in problematischen Ausmaßen um Geld. Spielsucht sei gegeben, wenn man immer wieder versuche, Verluste mit erneuten Einsätzen auszugleichen, das Spielen fester Bestandteil des Alltag sei und im Extremfall das Leben bestimme, erläuterte Selbsthilfereferent Hartmut Görgen.

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Geschlossene Spielhallen sind auch heilsam

Es könne sich auch durchaus positiv auf das Suchtverhalten auswirken, dass die Spielhallen dicht sind. Mehrere Spieler hätten berichtet, dass die Schließungen gut für sie seien, schilderte Görgen. Da ihnen klar sei, dass sie aktuell in den Spielstätten keine Gelegenheit zum Zocken hätten, kreisten ihre Gedanken weniger um das Thema, das Verlangen nehme ab. Görgen betonte: "Jeder spielfreie Tag hilft, um in Richtung Abstinenz zu kommen."

RND/dpa

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