Mit Schnaps gegen Corona? Welche Maßnahmen wirklich gegen das Virus helfen

  • Seitdem sich das Coronavirus in Deutschland ausbreitet, werden über die sozialen Medien viele Gerüchte verbreitet.
  • Gesundheitsminister Jens Spahn bezeichnete das Virus als "alkoholsensibel".
  • Trotz Aufforderung zu sozialer Isolation scheint das für einige Menschen ein Anlass für Partys zu sein.
Michèle Förster
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Als Gesundheitsminister Jens Spahn auf der Bundespressekonferenz betonte, das Coronavirus sei “alkoholsensibel” – es vertrage keinen Alkohol – war dies scheinbar der Anlass für eine Reihe fragwürdiger Feiern. In dem Bemühen, sich von innen zu desinfizieren, fanden sich etliche Menschen zum gemeinsamen Umtrunk zusammen.

Im sächsischen Oberwiesenthal feierten am hunderte Besucher gemeinsam das jährliche Nacktrodeln. Veranstalter Joachim Nöske begründete das Festhalten an der Veranstaltung gegenüber der “Freien Presse” damit, dass das Virus keinen Alkohol vertrage – man habe es sozusagen bekämpft.

Fakt 1: Alkohol zerstört die Schutzschicht der Viren

Doch das Robert-Koch-Institut (RKI) warnte vor solchen “Coronapartys” und rief unlängst dazu auf, das gesellschaftliche Leben einzuschränken. Dass die Coronaviren empfindlich auf Alkohol reagieren, stimmt jedoch.

“Viren, deren Erbgut von einer Fettschicht umhüllt ist, reagieren empfindlich auf fettlösende Substanzen wie Alkohole oder Tenside”, bestätigt das Bundesamt für Risikobewertung (BfR). “Wenngleich für SARS-CoV-2 hierfür noch keine spezifischen Daten vorliegen, ist es hoch wahrscheinlich, dass durch diese Substanzen die Virusoberfläche beschädigt und das Virus inaktiviert wird.”

Gemeint ist damit jedoch die Desinfektion von öffentlich genutzten Flächen und der Hände. Das Trinken von Alkohol, um das Coronavirus einzudämmen bleibt damit nur eine Schnapsidee.

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Fakt 2: Kälte kann Coronaviren nichts anhaben

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“Wir sind in einer Situation, in der wir vieles noch nicht wissen", räumte Bundeskanzlerin Merkel auf einer Pressekonferenz ein. Dazu würden auch abschließende Erkenntnisse zählen, wie sich das Virus verbreitet und ob sich die Ansteckung bei warmen Temperaturen verringert.

Für die Wetterexperten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) besteht jedoch die Hoffnung, dass zunehmend wärmeres und sonniges Wetter die Ausbreitung abschwächt. Wissenschaftliche Untersuchungen nach der Sars-Coronavirus-Pandemie im Jahr 2003 hätten gezeigt, dass die Viren umso schneller inaktiv wurden, je höher die Temperatur und je feuchter die Luft war. Die WHO betont unterdessen auf Twitter, dass Kälte dem Virus nichts anhaben kann.

Die Behauptung, das Trinken von heißem Wasser und Tee würde gegen eine Infektion mit dem Coronavirus schützen, wird derzeit über Messenger in einem Kettenbrief verbreitet.

Der Verbraucherschutz warnt jedoch ausdrücklich davor, den Behauptungen Glauben zu schenken: “Es gibt keine Belege dafür, dass es ein wirksamer Schutz vor dem Virus ist, wenn Sie warmes oder heißes Wasser trinken. Viel wichtiger ist, dass Sie eine gute Handhygiene einhalten und ausreichend Abstand zu Erkrankten halten.”

Fakt 3: Coronaviren können auf Oberflächen überleben

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Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist von anderen human-pathogenen Coronaviren bereits bekannt, dass sie auf unbelebten Oberflächen – wie Metall, Glas oder Plastik – eine gewisse Zeit überleben können.

“Auch für das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 zeigen erste Laboruntersuchungen, dass es nach starker Kontamination bis zu vier Stunden auf Kupferoberflächen, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu drei Tagen auf Edelstahl und Plastik infektiös bleiben kann”, schreibt das Bundesamt für Risikobewertung (BfR).

Zur Inaktivierung sind Flächendesinfektionsmittel mit nachgewiesener begrenzt viruzider Wirksamkeit geeignet, so das RKI. Um eine Ansteckung zu vermeiden, empfehlen die Gesundheitsbehörden weiterhin auf eine verstärkte Handhygiene zu achten. Besonders nach dem Kontakt mit Flächen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Türklinken sollten Sie das Berühren von Augen, Nase oder Mund vermeiden.

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Coronavirus: Diese Maßnahmen schützen mich
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Um eine zweite Ansteckungswelle in Deutschland zu vermeiden, sind einige Verhaltens- und Hygieneregeln zu beachten.  © Michèle Förster/RND


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