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Der Corona-Lockdown wird schärfer – und das Virus ansteckender

  • Corona hat uns in einen neuen Alltag gestoßen. Wie arrangieren wir uns damit?
  • Das Autorenteam des RND-Newsletters „Die Pandemie und wir“ ordnet die Nachrichten der Woche ein, gibt Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet Hilfestellung für die Krisenzeit.
  • In dieser Woche: Weiterhin Lockdown-Frust und neue Erregergefahren durch Mutationen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

das neue Jahr startet mit Impfungen, Lockdown-Frust – und Unsicherheiten. Es war damit zu rechnen, dass statt Lockerungen Maßnahmen bleiben müssen. Die erneute Verschärfung bis vorerst Ende Januar macht aber deutlich, wie klein der Spielraum zur Eindämmung inzwischen geworden ist: Selbst Schulen und Kitas bleiben geschlossen, der Bewegungsradius wird bei sehr hoher Inzidenz auf 15 Kilometer begrenzt, ein Haushalt darf jetzt nur noch eine Person treffen – Kinder eingeschlossen.

Wie lange geht das noch so? Während Pandemieforscher und Intensivmediziner über die politische Entscheidung erleichtert sind, reift bei den zu Hause Ausharrenden die Erkenntnis: Auch 2021 wird von Verzicht geprägt sein. Prognosen sind da schwierig. Die Datenlage gibt es gerade nicht einmal für den Jetztzustand her, wie stark das Virus in Deutschland zirkuliert. Wir wissen nicht, wie viele Neuinfektionen es wirklich gibt. Ob sich die Treffen an Weihnachten und Silvester in der Statistik bemerkbar machen, zeigt sich erst in der kommenden Woche.

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Durch den Lockdown wird aber hoffentlich Zeit gewonnen – um möglichst viele Menschen, die besonders gefährdet sind, zu impfen. Allerdings wird das vielzitierte Licht am Ende des Tunnels gerade etwas kleiner. Ansteckendere Varianten des Erregers sind in Europa und Afrika auf dem Vormarsch. Diese Entwicklung könnte in kurzer Zeit die Pandemiedynamik komplett umwerfen. Das hatten bis vor Kurzem nur wenige auf dem Zettel. Schließlich galten Coronaviren als vergleichsweise träge. Bei so vielen Unberechenbarkeiten bleibt nur eine Strategie: Abwarten im Stillstand – und möglichst viele Menschen impfen.

Bleiben Sie gesund!

Saskia Bücker

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
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Erkenntnis der Woche

Es gibt eine neue Unbekannte: Eine neue Virusvariante zirkuliert durch Europa – und könnte bald gefährlich werden. Auch die Weltgesundheitsorganisation ist alarmiert. Epidemiologische Daten aus Großbritannien zeigen, dass B.1.1.7 ein größeres Ansteckungspotenzial hat als die bislang dominante Variante. Es bestehe wenig Zweifel, dass die Variante einen R-Wert mit einem um 0,4 bis 0,7 höheren Faktor aufweist, erklärte uns Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie am Düsseldorfer Universitätsklinikum. „Deshalb steigt mit der Ausbreitung der neuen Variante auch das Risiko eines erneut exponentiellen Wachstums bei den Fallzahlen.“ Sprich: Die Ansteckungen nehmen zu, obwohl wir im Lockdown sind. Immerhin sieht es nicht so aus, dass die Variante zu einem noch schwereren Covid-19-Verlauf führt.

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In Südafrika wurde ebenfalls eine neue Variante entdeckt. Auch 501.V2 ist bisherigen Erkenntnissen zufolge ansteckender. Experten befürchten, dass Impfstoffe dagegen weniger wirksam sein könnten. Bei B.1.1.7 zeigte sich diese Gefahr bislang glücklicherweise nicht im gleichen Maße. „Ich bin optimistisch, dass die Impfung gegen B.1.1.7 funktionieren wird“, urteilt Virologe Timm. „Die Variante kann aber durchaus einen negativen Einfluss auf die Bindung von einzelnen Antikörpern haben.“

Alltagswissen

Wer in einer Region mit hohen Corona-Zahlen wohnt, darf sich bald ohne „triftigen Grund“ nicht mehr weiter als 15 Kilometer von seinem Wohnort entfernen. Gelten soll die neue Regel überall dort, wo es in einer Woche mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gibt. Auch „tagestouristische Ausflüge“ stellten „explizit keinen triftigen Grund dar“, sich weiter als die 15 Kilometer vom Wohnort zu entfernen, heißt es in den Beschlüssen. Das sei unter anderem eine Reaktion auf die dicht gedrängten Menschenansammlungen in Schneegebieten.

Es geht darum, dass grundsätzlich noch weniger Kontakte stattfinden. Experten fürchten allerdings, dass die neue Regel unerwünschte Effekte mit sich bringen könnte. Die Kritik: Verteilen sich die Menschen nicht mehr in der freien Natur, könnte das zu noch mehr Andrang in Parks und auf Spielplätzen führen. Die weiteren nun geltenden Lockdown-Regeln gibt es auf RND.de auch zum Nachlesen: Was der Bund beschlossen hat, ist hier zu finden – und wie es die Länder umsetzen unter diesem Link.

Zitat der Woche

Eine hohe Zahl von Geimpften in Deutschland kombiniert mit vielen, die nicht geimpft sind, in unserer Nachbarschaft wird auch nicht zum Wohle Deutschlands sein und deshalb wollen wir keine nationalen Alleingänge.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag zur europäischen Impfstoffstrategie
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Forschungsfortschritt

Bluthochdruck gilt als Volkskrankheit – und ist ohne Behandlung ein Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf. Eine neue Studie von Forschern der Berliner Charité hat die Ursache dafür entdeckt: Oft sei eine überschießende Reaktion des Immunsystems dafür verantwortlich. Diese Reaktion wird wohl dadurch begünstigt, dass die Immunzellen durch den Bluthochdruck schon auffällig voraktiviert sind – mit fatalen Folgen bei einer Sars-CoV-2-Infektion.

Die Studienergebnisse lassen zudem vermuten, dass eine Behandlung des Bluthochdrucks mit ACE-Hemmern für die Patienten, die an Covid-19 erkranken, von Vorteil sein und das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf senken könnte. Die Viruslast kann bei der Gabe womöglich schneller eingedämmt und die Wirtszellen resistenter werden. Es braucht den Forschern zufolge aber weitere Untersuchungen, bevor die Ergebnisse in Therapieempfehlungen einfließen könnten.

Pandemie im Ausland

Die EU hat nun einen zweiten Impfstoff. Auch das Mittel des US-Herstellers Moderna ist diese Woche von den Arzneimittelbehörden zugelassen worden – und ähnlich wirksam wie der Biontech-Impfstoff. Die bisherigen Studiendaten zeigen, dass im Vergleich zum Biontech-Impfstoff Impfreaktionen bei einer Impfung mit mRNA-1273 etwas häufiger auftreten. Unter anderem Muskelschmerzen (38 Prozent) und Schüttelfrost (32 Prozent) waren nach einer Impfung mit dem Biontech-Impfstoff auf Grundlage der Studiendaten seltener.

Ein wichtiger Unterschied zwischen den Impfstoffen ist die Voraussetzung für die Lagerung. Das Vakzin mRNA-1273 kann bis zu 30 Tage in einem normalen Haushaltskühlschrank bei zwei bis acht Grad Celsius und bei minus 20 Grad für mehrere Monate gelagert werden. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer muss hingegen zur längeren Lagerung auf minus 70 Grad gekühlt werden und kann nur fünf Tage lang bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden.

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Weil zunächst nur wenig Impfstoffdosen vorhanden sind, wird in Deutschland geprüft, ob man die zweite Impfung nach hinten verschieben könnte. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte am Mittwoch aber, die ersten Rückmeldungen durch die Ständige Impfkommission (Stiko) sprächen nicht für eine zeitliche Streckung.

Was kommt

Die Herausforderung, viele schwer kranke Covid-19-Patienten zu betreuen, wird die Kliniken in Deutschland mindestens bis in den Sommer begleiten. Davon geht Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) aus. „Für die Ärzte und Pfleger auf den Stationen ist das inzwischen mehr als ein Marathon“, berichtet der Intensivmediziner im RND-Gespräch. „Das Personal ist physisch und psychisch wirklich am Anschlag.“

Durch den verschärften Lockdown hoffe er, dass die Schwelle von 6000 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen bis Mitte Februar nicht überschritten wird. Es sei aber noch unklar, ob durch die Feiertage und Silvester mehr Ansteckungen stattgefunden haben. „In den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob die Zahl der schwerer Erkrankten noch zunimmt“, prognostiziert Marx.

Was die Pandemie leichter macht

Der Krise etwas Positives abgewinnen? Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach – und in Corona-Zeiten erst recht eine Herausforderung für Eltern. Gerade jetzt könnte über die Verteilung von Aufgaben zwischen Mann und Frau neu verhandelt werden. © Quelle: Christin Klose/dpa-tmn

Schulen und viele Kitas bleiben auch nach dem 10. Januar geschlossen. Millionen Elternpaare werden sich also in diesen Tagen abends, wenn die Kinder schlafen, mit dem Terminplaner an den Küchentisch setzen und beraten, wie sie ihren Alltag in den nächsten Wochen organisieren. Wer arbeitet, wer bleibt zu Hause? Eine Studie aus dem ersten Lockdown zeigt, dass Väter in der Corona-Krise deutlich mehr mit anpacken. Es lohne jetzt, das Familienleben auch langfristig zu verändern, meint RND-Redakteurin Anne Grüneberg.

Für Eltern könne die Corona-Krise trotz all der Strapazen und des kräftezehrenden Alltags auch etwas Positives bringen. Viele Väter merkten vielleicht, wie viel Zeit sie mit ihren Kindern bisher verpasst haben und wie gut es ihnen täte, weniger im Büro und mehr zu Hause zu sein.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gerne direkt bei unserem Redaktionsteam: magazin@rnd.de Wir freuen uns!

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