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Corona in Berlin: Weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen – Charité verschiebt planbare Eingriffe

Berlin: Michael Müller (l, SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, und Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie, Charité Berlin, kommen mit Mund-Nasen-Schutz zur einer Pressekonferenz über die steigende Zahl der Covid-19-Patienten in den deutschen Großstädten.

Berlin. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist weiter gestiegen. Bis Freitagmorgen wurden dem Robert-Koch-Institut mehr als 4500 neue Fälle gemeldet. Gestern hat Berlin erstmals den Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten. “Uns ist bewusst, dass wir jetzt in einer wichtigen und angespannten Situation ein besonderes Augenmerk darauf haben müssen, wie sich die Infektionszahlen entwickeln“, sagte Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, bei einer Pressekonferenz am Freitagmorgen in der Hauptstadt.

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Der Regierende Bürgermeister schließ noch deutlich weitgehender Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie nicht aus. “Es ist die Aufgabe von Politik, alle Varianten zu durchdenken und dann natürlich auch auf Gefahren aufmerksam zu machen oder zu sagen, was man auf jeden Fall vermeiden will“, so Müller

Vor allem in deutschen Großstädten zeigt sich derzeit eine besondere Infektionsdynamik. Neben Berlin haben auch Frankfurt am Main und Bremen den Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten.

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Maßnahmen sollen zweiten Lockdown verhindern

Infektionsketten entstünden vor allem bei Feiern in großen Gruppen, so Müller. Dabei sei es egal, ob diese Feierlichkeiten im Freien oder in geschlossenen Räumen stattfinden würden. Auch kleinere Feiern rücken in den Fokus des Infektionsgeschehens. Deshalb sei die Einführung von Sperrstunden und verstärkten Kontrollen beispielsweise in Parks und an öffentlichen Plätzen wichtig, machte der Berliner Bürgermeister deutlich.

Müller appellierte aber auch an die Eigenverantwortung der Bürger in der Corona-Pandemie. “Wir wollen und müssen alle miteinander einen zweiten Lockdown verhindern.” Deshalb bat der Bürgermeister um Verständnis für die eingeführten Maßnahmen. “Wir sind jetzt wieder in der Situation, wo wir schnell sein müssen, um die Situation noch beherrschen zu können”, sagte er.

In Kliniken mangelt es an Pflegekräften

Die zunehmende Dynamik des Infektionsgeschehens in Deutschland macht auch vor den Krankenhäusern nicht Halt. “Unsere Aufnahmezahlen steigen, die Zahl der beatmeten Patienten steigt, sodass wir gezwungen sein werden, unsere übrigen klinischen Aktivitäten einzuschränken und uns wieder mehr auf schwer erkrankte Covid-19-Patienten zu konzentrieren“, schilderte der Vorstandsvorsitzende der Berliner Charité, Heyo Kroemer.

“Unsere Intensivstationen sind voll“, ergänzte Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité. Er räumte ein, dass es zwar leere Intensivbetten gebe, allerdings mangele es an Pflegekräften. Verschärft werde die Situation dadurch, dass auch medizinisches Personal nicht gegen Corona-Infektionen gefeit sei. “Wir müssen versuchen, die Intensivbetten für Covid-Patienten freizubekommen“, sagte Frei. Das sei keine leichte Aufgabe und führe zu schwierigen ethischen Fragen, etwa im Umgang mit Herz- und Tumorkranken.

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Bald wieder mehr ältere Menschen von Infektionen betroffen

Auch der Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Frankfurt, Jürgen Graf, macht auf den Pflegekräftemangel aufmerksam. In der Mainmetropole zeige sich ein ähnliches Infektionsgeschehen wie in Berlin. Graf warnte zudem davor, dass bald auch wieder mehr ältere Menschen und andere Risikopatienten von Corona-Neuinfektionen betroffen sein könnten.

“Weder Politik noch Behörden noch andere Partner des Gesundheitswesens wären in der Lage, die Pandemie allein zu stoppen", sagte Graf. Die Lage in vielen deutschen Großstädten zeige, dass das Virus sehr ernst genommen werden müsste.

Drosten: “Die Informiertheit der Bevölkerung ist entscheidend”

“Es ist nicht so leicht, etwas Neues zu sagen“, machte der Direktor der Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, gleich zu Beginn seines Statements deutlich. “Das Virus hat sich nicht verändert.” Die Infektionssterblichkeit sei weiterhin abhängig vom Alter der Bevölkerung.

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In Deutschland sei das Durchschnittsalter der Bevölkerung hoch – sogar noch höher als in den USA. Die Infektionssterblichkeit dürfte zudem steigen, wenn ältere Menschen nicht vor dem Coronavirus geschützt werden.

Der Virologe warnte auch vor Falschinformationen im Zusammenhang mit Sars-CoV-2. “Es sind viele Irrlichter in der Öffentlichkeit unterwegs“, sagte er. “Die Informiertheit der Bevölkerung ist aber entscheidend.“ Nur das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger gegenüber den Corona-Maßnahmen könne Deutschland vor einer schwierigen Situation retten. Deshalb forderte der Virologe Politik, Medien und Forschungseinrichtungen auf, Falschinformationen aufzudecken und klarzustellen.

Ferner betonte auch Drosten, dass die Bevölkerung bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie mithelfen müsse. „Wir müssen als Bürger ein Cluster-Kontakttagebuch führen“, sagte er. In diesem Tagebuch sollte notiert werden, wen man an welchem Tag getroffen hat – und eventuell auch, wo und wie lange.

Mit dpa

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