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Besonders viele Männer betroffen

Affenpocken-Hotspot New York: zahlreiche Infektionen nachgewiesen

Die vorhandenen Dosen des Affenpocken-Impfstoffs waren in New York nach kürzester Zeit aufgebraucht.

Die Website des New Yorker Gesundheitsamtes begrüßt ihre Besucherinnen und Besucher mit einer positiven Botschaft: „Bleib gesund für einen Sommer voller Vergnügen!“ Darunter folgt die Aufforderung „Finde heraus, ob eine Impfung für dich das Richtige ist“. Doch kurz darauf hört der Spaß auf. „Alle verfügbaren Termine sind derzeit vergeben“, verkündet das elektronische Buchungssystem für die Impfung gegen Affenpocken.

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Seit Wochen breitet sich die Viruserkrankung auch in den USA aus. Und New York City, wo der erste Fall Mitte Mai registriert wurde, entwickelt sich mit, nach Stand von Freitag, 1250 der landesweit 5000 Fälle zu einem der Hotspots. Doch der begehrte Impfstoff Jynneos des deutsch-dänischen Herstellers Bavarian Nordic ist knapp. Als Ende Juni, kurz vor dem Pride-Wochenende, die ersten 1000 Dosen in Manhattan angeliefert wurden, gab es einen regelrechten Ansturm auf die Klinik. Nach zwei Stunden war das Vakzin verbraucht.

New York hat in Sachen Infektionsschutz zu lange gezögert

Affenpocken verbreiten sich vor allem durch engen Körperkontakt zu infizierten Personen, können aber auch durch kontaminierte Kleidung oder Bettwäsche übertragen werden. Betroffen sind vor allem schwule und bisexuelle oder andere Männer, die Sex mit Männern haben. In den USA macht diese Personengruppe 99 Prozent der Betroffenen aus. Unter den 1250 Erkrankten in New York befinden sich nur drei Frauen. Lediglich 21 männliche Erkrankte bezeichneten sich als heterosexuell.

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Bei einer Party am Pride Day habe der New Yorker Bürgermeister Eric Adams vor wenigen Wochen überschwänglich erklärt: „Hier in New York sagen wir froh: Wir sind schwul“, notierte die Kolumnistin Ginia Bellafante in der „New York Times“. Wenn man sich den Umgang mit dem Virus anschaue, seien das aber leere Versprechen. Die Millionen­metropole habe erneut zu spät und zögerlich reagiert.

Die Impfdosen gegen das Virus sind knapp

Vertreter und Vertreterinnen der LGBTQ-Gemeinschaft üben noch schärfere Kritik wegen des Mangels an Impfstoffen. Die Bundesstaaten und die Regierung in Washington schieben sich gegenseitig die Schuld zu. „Wir haben alles getan, was man auf Bundesebene tun kann, um mit unseren Partnern in den Bundesstaaten und auf lokaler Ebene sicherzustellen, dass wir den Ausbruch unter Kontrolle halten“, sagte Gesundheits­minister Xavier Becerra. Aber die Behörden vor Ort müssten „ihren Teil“ dazu beitragen.

Rund 320.000 Impfstoffdosen sind inzwischen in den USA angekommen und an die Bundesstaaten verteilt worden. Nach einem zeitraubenden Zertifizierungs­­verfahren durch die Arzneibehörde FDA in Dänemark werden nun weitere 780.000 Dosen erwartet. Derweil haben der Bundesstaat New York und die Stadt San Francisco, die sich ebenfalls zum Hotspot entwickelt, den Gesundheits­notstand ausgerufen.

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Die Sorge vor Stigmatisierung ist groß

Doch der Mangel an Impfstoff ist nur ein Teil des Problems. Zugleich gibt es unter den Verantwortlichen heftige Debatten über die richtige Kommunikation zur Eindämmung der Infektionsgefahr. „Die Affenpocken verbreiten sich klar wie eine Geschlechts­krankheit“, sagte Tom Inglesby, der Direktor des Johns Hopkins Center für Gesundheits­schutz, der „New York Times“. „Die Affenpocken sind keine Geschlechtskrankheit“, widersprach sein Kollege Jason Farley: „Es ist eine Infektion, die durch sexuellen Kontakt übertragen werden kann.“

Hinter dem Streit steht die Sorge um eine erneute Stigmatisierung schwuler Männer und ihrer Sexualpraktiken, wie es sie beim Ausbruch von HIV gab. Doch bisweilen droht die politische Rücksichtnahme nach Meinung von Experten und Expertinnen die notwendige Vorsorge­botschaft zu verschleiern. So erwähnt der offizielle Ratgeber der New Yorker Gesundheits­behörde, dass Geschlechts­verkehr mit einer Affenpocken­infektion hohe Risiken berge. Zur Vorsorge empfiehlt er, Küsse zu vermeiden und beim Verkehr offene Wunden zu bedecken.

Mit dieser Formulierung war Don Weiss, ein erfahrener Epidemiologe, der seit 22 Jahren in der Behörde für die Überwachung des Seuchengeschehens zuständig ist, nicht einverstanden. Er wollte eine öffentliche Empfehlung an die Risikogruppen, vorübergehend die Zahl ihrer Sexualkontakte zu verringern. Nach Medienberichten wurde er daraufhin auf eine andere Stelle versetzt. Seit Mitte der Woche hat Weiss aber einen prominenten Verbündeten: Auch Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Generaldirektor der Weltgesundheits­organisation (WHO), hat „für den Moment die Reduzierung der Zahl der Sexualpartner“ empfohlen.

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