Aerosol-Studie zeigt: Abstände in Orchestern könnten verringert werden

  • Eine neue Studie ermittelte die angemessen Sicherheitsabstände gegen eine Corona-Infektion durch Aerosole in Orchestern.
  • Die Empfehlungen der Abstände für Querflötenspieler wurden erweitert.
  • Zur Seite sei das Risiko allerdings geringer als angenommen, was ein größeres Repertoire ermöglichen könnte.
Anzeige
Anzeige

München. Die Sicherheitsabstände in Orchestern können laut einer Studie geringer ausfallen als derzeit empfohlen. Das teilte der Bayerische Rundfunk (BR) am Mittwoch in München mit Verweis auf eine Studie mit, die er zusammen mit dem LMU Klinikum München und dem Universitätsklinikum Erlangen durchgeführt hat.

Im Unterschied zu anderen Studien, die die absolute Aerosol-Konzentration durch das Musizieren gemessen haben, war der Ansatz der Untersuchung, die akute Ausbreitung und Verteilung von Aerosolen im Raum durch das Spielen von gewissen Blasinstrumenten zu bestimmen. Dabei wurden die Aerosole, die durch die Basissubstanz von E-Zigaretten inhaliert wurden, beobachtet und ausgemessen.

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
Anzeige

Querflöte: Abstand von drei Metern angemessen

Die Auswertung ergab: Zu ihren Kollegen nach vorn sollten die Musikerinnen und Musiker einen größeren Abstand einhalten als zur Seite. Vorausgesetzt ist dabei, dass der Raum permanent gelüftet wird und damit die Aerosole regelmäßig durch Frischluft entfernt werden.

Anzeige

Für die Trompete und die Klarinette wurden im Mittel Abstände der Wolke vom Mund von 0,9 Meter gemessen. Vereinzelte Musiker erreichten jedoch auch 1,5 Meter, so dass den Wissenschaftlern zufolge Sicherheitsabstände von zwei Metern nach vorn sinnvoll erscheinen. Bei der Querflöte erreichte die gemessene Abstrahlung nach vorn über das Mundstück jedoch sogar Weiten bis zu zwei Metern. Daher sind Abstände von zwei Metern hier den Empfehlungen der Studie zufolge als zu gering und drei Meter als angemessen zu bewerten.

Video
Corona: Neue Erkenntnisse zur Ansteckung durch Aerosole
1:09 min
Japanische Forscher haben mithilfe eines Supercomputers simuliert, wie sich Aerosole in geschlossenen Innenräumen ausbreiten.  © Reuters
Anzeige

Zur Seite 1,5 Meter ausreichend - größeres Orchester möglich

Die Abstrahlung zur Seite blieb bei allen Musikern unter einem Meter. Ein Sicherheitsabstand von 1,5 Meter erscheint daher, im Gegensatz zu den bisher empfohlenen zwei Metern, hinreichend, wie Matthias Echternach, Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie am LMU Klinikum München, erklärte.

Nikolaus Pont, Manager des Symphonieorchesters des BR äußerte die Hoffnung, dass die Erkenntnisse der Studie schnell in die Vorgaben von Entscheidungsträgern einfließen. „Allein die Reduktion der seitlichen Abstände bei den Bläsern würde uns ermöglichen, wieder ein wesentlich größeres Repertoire zur Aufführung zu bringen“, sagte er.

Im Sommer hatte der BR bereits Studienergebnisse zur Aerosol-Verbreitung bei Chören veröffentlicht, die ähnlich ausgefallen waren: Chormitglieder sollten demnach zu ihren vorderen Kollegen einen größeren Abstand einhalten als zur Seite.

RND/epd

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen