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700 Neuinfektionen pro Tag: Fidschis Kampf gegen das Virus und verworrene Verschwörungstheorien

Eine Frau im gelben Kajak vor einer Fidschi-Insel. (Symbolbild)

Eine Frau im gelben Kajak vor einer Fidschi-Insel. Die Corona-Krise ist dort momentan dramatisch. (Symbolbild/Archiv)

Fidschi. Zwischen März 2020 und Anfang April 2021 registrierte Fidschi gerade mal 70 Covid-19-Fälle. „Letztes Jahr war Fidschi noch unglaublich erfolgreich“, sagte der UN-Vertreter im Land, Sanaka Samarasinha, in einem Videotelefonat. Die frühe Grenzschließung und strenge Quarantäneregeln hatten das Virus erfolgreich aus dem Land gehalten.

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Der paradiesische Inselstaat dämmte das Virus so gut ein, dass Australien und Neuseeland bereits einen Reisekorridor ins Gespräch gebracht hatten. Für Fidschi wäre dies ein Segen gewesen, um die angeschlagene Wirtschaft wiederzubeleben, die in großen Teilen vom Tourismus abhängt. Doch dieser Traum ist vorerst geplatzt.

Über 10.000 aktive Fälle

Inzwischen verzeichnet das Land täglich rund 700 Neuinfektionen, am Donnerstag meldete die Gesundheitsbehörde sogar über 1200 Ansteckungen. „Insgesamt haben wir derzeit über 10.000 aktive Fälle“, berichtete Samarasinha. Die Entwicklung sei „besorgnisregend“. Die Delta-Variante, die zuerst in Indien auftrat, hat den Inselstaat fest im Griff. Ein Großteil der 74 Todesfälle im Land wurde in den letzten 14 Tagen verzeichnet. Zwei der größten Krankenhäuser wurden in reine Covid-19-Einrichtungen umgewandelt, während für andere medizinische Notfälle temporäre Feldkrankenhäuser errichtet wurden. Schwangere Frauen müssen ihre Babys momentan an Bord eines Schiffes zur Welt bringen, nachdem die Angst vor einer Infektion groß ist.

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Die Impfkampagne wird deswegen immer mehr ein Wettlauf gegen die Zeit. Derzeit sind zwar immerhin 64 Prozent der rund 900.000 Fidschianer mit einer ersten Dosis Astrazeneca und 12 Prozent mit beiden Dosen geimpft, doch laut des Pazifikexperten ist die Herausforderung nun, dies auf über 80 Prozent und damit Richtung Herdenimmunität zu katapultieren.

Impfgegner verbreiten „verrückte Geschichten“

Denn der Inselstaat kämpft nicht nur gegen das Coronavirus, sondern gleichzeitig auch gegen etliche verworrene Verschwörungstheorien, wie Samarasinha berichtete. „Impfgegner streuen geradezu Angst vor Gott“, sagte er. „Sie verbreiten verrückte Geschichten.“ Die Polizei in Fidschi greift jedoch hart durch. Wer Lügen verbreitet, muss sich inzwischen sogar vor Gericht verantworten. So ist ein Pastor angeklagt worden, nachdem er Anti-Impf-Kommentare auf sozialen Medien veröffentlichte und in kurzen Videos versuchte, den Leuten Angst vor der Impfung zu machen.

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Um die Herdenimmunität trotz dieser Schwierigkeiten zu erreichen, hat der Pazifikstaat nun eine Covid-Impfung für alle Arbeitenden zur Pflicht gemacht – für Regierungsangestellte wie auch für Angestellte in der Privatwirtschaft. Wer sich weigert, sich impfen zu lassen, dem droht eine Geldstrafe oder er wird zur Kündigung gezwungen. „Beamte, die ihre erste Dosis des Impfstoffs nicht erhalten haben, müssen ab Montag nächster Woche beurlaubt werden“, sagte Premierminister Frank Bainimarama in einem Livevideo auf Facebook Anfang Juli. Diese Mitarbeiter können erst dann wieder arbeiten, wenn sie mindestens ihre erste Dosis des Astrazeneca-Impfstoffs erhalten haben. Wer sich weigert, verliert seinen Job.

Auch die Lage in Papua-Neuguinea ist kritisch

Trotz der steigenden Infektionen hat Bainimarama bisher aber davor zurückgescheut, einen landesweiten Lockdown zu verhängen – aus Angst, die Wirtschaft nochmals weiter zu schädigen und noch mehr Leute in die Armut zu drängen. Stattdessen versucht er die Ausbreitung des Virus über lokale Sperren einzudämmen. Menschen, die in solchen Sperrzonen leben, dürfen diese nicht verlassen, andere dürfen die Zonen nicht betreten.

Fidschi ist nicht der einzige Pazifikstaat in der Krise. Auch Papua-Neuguinea kämpft gegen steigende Covid-Infektionen und ähnlich wie Fidschi gegen Missinformation und Angstkampagnen gegen die Impfungen. Obwohl sich der Premierminister des Landes, James Marape, Mitte März als Erster impfen ließ, um zu zeigen, dass der Impfstoff sicher ist, haben nur wenige bisher ein Impfangebot angenommen. Gerade mal 0,6 Prozent der Bevölkerung Papua-Neuguineas oder rund 60.000 Menschen haben eine erste Dosis Astrazeneca erhalten. Erst 2800 sind laut lokalen Medienberichten vollständig geimpft.

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Die kleineren Pazifikländer – vor allem die Inselstaaten, die freie Assoziierungsverträge mit den USA haben – haben die Pandemie dagegen außerordentlich gut gemeistert. Nicht nur haben sie das Virus bisher von ihren Ländern ferngehalten, auch die Impfkampagnen laufen vorbildlich. Palau, die Marshallinseln und Mikronesien, die von den USA hauptsächlich mit dem Vakzin von Moderna versorgt wurden, haben ihre Bevölkerungen unbürokratisch und schnell geimpft. Palau konnte deswegen bereits schon wieder erste Touristen aus Taiwan begrüßen.

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