3,1 Millionen Tote ohne Corona-Maßnahmen? Drosten erklärt Studie

  • Wären in Deutschland ohne Präventionsmaßnahmen Hunderttausende Menschen an Covid-19 gestorben, in ganz Europa Millionen?
  • Für den Virologen Christian Drosten sind diese Zahlen “hypothetische Werte”.
  • Die ihnen zugrunde liegende Studie zeige aber, was Deutschland geleistet habe.
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Haben die Schulschließungen und weitere nicht-pharmazeutische Corona-Maßnahmen wirklich 3,1 Millionen Europäern das Leben gerettet? Wären, hätte die Pandemie ihren freien Lauf genommen, in Deutschland womöglich 570.000 Menschen gestorben? Diese Zahl legt eine Modellrechnung von Wissenschaftlern des Imperial College in London nahe, die am Montag veröffentlicht wurde. Die Zahlen sind gewaltig und lassen aufhorchen - auch weil die Corona-Maßnahmen und ihr Zeitpunkt inzwischen kontrovers diskutiert werden.

Die Frage ist: Was haben die Maßnahmen wirklich gebracht? Der Bonner Virologe Hendrik Streeck kritisierte beispielsweise vor Kurzem, Deutschland sei zu schnell in den Lockdown gegangen. Es habe neben der Sorge um Krankenhauskapazitäten auch einen “gewissen Druck” in der Öffentlichkeit gegeben, sagte Streeck der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. Auf Twitter stellte Streeck klar, dass es dieses Vorgehen schwerer gemacht habe, die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen zu beurteilen.

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Drosten: “Hypothetische Werte”

Der Berliner Virologe Christian Drosten erklärt in seinem Corona-Podcast, dass es sich bei den Zahlen aus der Studie des Imperial Colleges um “hypothetische Werte” handle, “die sicherlich so in keinem dieser Länder aufgetreten wären”. Denn, so Drosten, man hätte ja gemerkt, dass eine Epidemie im Umlauf gewesen wäre und auch ganz ohne spezifische politische Entscheidungen hätten sich die Menschen vorsichtiger verhalten. “Es wäre einfach Angst aufkommen”, sagte Drosten. Auch ohne konkrete Anweisungen wären viele Menschen zu Hause geblieben.

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Erkenntnisse über die Sinnhaftigkeit von Maßnahmen ließen sich aber auch an einer anderen Stelle der Studie ablesen: Interessant sei, dass sie eine unabhängige Schätzung der Infektionsraten verschiedener Länder liefere, sagte Drosten.

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Hier seien etwa in den kleineren europäischen Ländern starke Unterschiede zu beobachten: so zum Beispiel zwischen Österreich (0,7 Prozent der Bevölkerung infiziert), Norwegen (0,4 Prozent), Dänemark (1 Prozent) und Belgien (8 Prozent). “Der Grund, warum das so ist, ist immer der Zeitpunkt, an dem Lockdown-Maßnahmen ergriffen wurden - ob das früher oder später passiert ist”, sagte Drosten.

“Sieht man, was Deutschland geleistet hat”

Mit Blick auf bevölkerungsreichere europäische Länder sei auffällig, dass Länder wie Frankreich (3,4 Prozent), England (5,1 Prozent), Italien (4,6 Prozent), Spanien (5,5 Prozent) bezüglich der Infektionsraten um einen Wert zwischen 3 und 5 Prozent schwankten. Für Deutschland dagegen sei die Infektionsrate in der Studie mit 0,85 Prozent angegeben. “Deutschland ist also das einzige große Land in Europa, das sich abhebt.” Drostens Fazit: “Hier sieht man mal wirklich, was wir geleistet haben in Deutschland durch die Präventionsmaßnahmen."

RND/asu


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