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  • 200. Geburtstag von Florence Nightingale: Die Begründerin moderner Krankenpflege

Krankenschwester Nightingale: Das Gesicht visionärer Hygiene-Konzepte

  • Die britische Krankenschwester Florence Nightingale reformierte das Gesundheitswesen.
  • Sie gilt als Begründerin der modernen Krankenpflege und legte einen Fokus auf Hygiene.
  • Am 12. Mai jährt sich ihr Geburtstag zum 200. Mal.
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Als Florence Nightingale am 4. November 1854 während des Krimkriegs das Militärkrankenhaus in Scutari, einem Stadtteil des heutigen Istanbul in der Türkei, erreicht, bietet sich ihr ein Bild des Schreckens. Verlauste Soldaten, die oft seit Wochen dieselbe Kleidung tragen, liegen in ihren eigenen Exkrementen, in rattenverseuchten Korridoren der schlecht belüfteten Stationen.

Die Böden sind verdreckt, Pferde trinken neben Patienten aus dem Brunnen, es gibt kein sauberes Wasser und nicht genügend Essen, Decken und Betten. Verwundet von den Kämpfen an der Front sterben etliche Männer nicht aufgrund ihrer Kriegsverletzungen, sondern an Kälte, Cholera, Typhus und anderen Durchfallerkrankungen. Die Berichte der „Times“ über die miserablen Zustände des Krankenhauses sorgen in der britischen Heimat für Empörung.

Das Foto aus dem Jahr 1856 zeigt Florence Nightingale. Vor 200 Jahren am 12. Mai wurde die Begründerin der modernen Krankenpflege geboren. Ihr Vermächtnis scheint derzeit aktueller denn je. © Quelle: 37926769/PA Wire/dpa
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Florence Nightingale wird 200 Jahre alt

Es sollte die englische Krankenschwester Florence Nightingale sein, die nach ihrer Ankunft mit 38 weiteren Schwestern das Lazarett reinigt, Kleidung wie Bettzeug wäscht, die Soldaten physisch und psychisch betreut, sich gegen den Widerstand der Ärzte durchsetzt und für Ordnung sorgt. Und damit ihren Aufstieg zur legendären Sozialreformerin und Begründerin der modernen Krankenpflege einleitete. Am 12. Mai jährt sich Nightingales Geburtstag zum 200. Mal. Dann wird auch der Internationale Tag der Pflege begangen.

Obwohl die junge Britin damals nicht viel von Erregern und der Übertragung von Krankheiten gewusst habe, „realisierte sie, dass diese Männer oft unnötigerweise starben, weil die hygienischen Bedingungen so schlecht waren“, sagt David Green, Direktor des Florence-Nightingale-Museums in London. Die Sonderausstellung auf dem Gelände des St. Thomas‘ Hospital sollte Besucher im Jubiläumsjahr anlocken, doch wegen der Coronavirus-Krise wurde sie in eine Online-Schau umgewandelt.

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Zu sehen sind neben Briefen, Kleidern und persönlichen Gegenständen auch einige der raren Fotos und Porträts von Nightingale, die sich ab ihren frühen 30ern beinahe wie eine Nonne in schwarz kleidete. Zudem wird die ausgestopfte Eule Athena präsentiert, ihr kleines Haustier, das oft auf ihrer Schulter saß.

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Zum Tag der Pflege werden Pflegerinnen und Pfleger nicht nur besonders gewürdigt, es wird auch auf Missstände bei den Arbeitsbedingungen aufmerksam gemacht.  © RND
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Weniger Menschen starben wegen Hygiene-Maßnahmen

Unter anderem durch Nightingales Einsatz und ihre Maßnahmen sank die Sterblichkeitsrate im Lazarett in Scutari, die Soldaten liebten die „Dame mit der Laterne“. Den Spitznamen erhielt sie, weil die bis zu 21 Stunden pro Tag arbeitende Nightingale nachts oft mit einer türkischen Lampe in der Hand durch die Gänge lief, um Patienten zu kontrollieren, zu trösten, zu versorgen. Durch entsprechende Zeitungsberichte wurde „die Heldin der gewöhnlichen Soldaten“ in der Heimat immer berühmter.

Dünn, erschöpft und krank kehrte Nightingale im August 1856 zurück nach Großbritannien. Sie litt wahrscheinlich an Brucellose, einer Infektionskrankheit, die sie bis zu ihrem Tod 1910 chronisch schwächte und zunehmend depressiv werden ließ. Nach ihrer Ankunft nutzte die Angehörige der Oberschicht ihren Ruhm sowie ihre Kontakte in die höchsten Kreise der Gesellschaft bis hin zu Königin Victoria, um Reformen des Sanitätswesens und der Gesundheitsfürsorge einzuleiten. Mit Hilfe ihrer im Lazarett gesammelten Daten konnte sie Mängel aufzeigen und Lösungen anbieten.

Pflege umfasst auch Desinfektion, Ernährung und Psyche

Es ging der Visionärin um einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die Bedeutung von Hygiene und Desinfektion hervorhob, aber auch Dinge wie Ernährung, die jeweiligen Lebensumstände und die psychische neben der körperlichen Verfassung berücksichtigte. Nightingale profilierte sich als Statistikerin und hatte sogar die Architektur von Krankenhäusern im Blick, wies etwa darauf hin, dass Tageslicht und frische Luft für die Genesung der Kranken wichtig waren. „Sie schrieb unaufhörlich Briefe, Artikel und Bücher und machte als Schlüsselfigur hinter den Kulissen Lobbyarbeit, vermutlich auch, weil sie dachte, sie würde nicht mehr lange leben“, sagt David Green.

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Eine Pandemie hat 1918 rund 20 Millionen Menschenleben gefordert: die Spanische Grippe.  © RND

Wie aber konnte ausgerechnet Nightingale den gesellschaftlichen Wandel schaffen, der über die Grenzen Großbritanniens hinausging? „Sie war zur rechten Zeit am rechten Ort und hatte die richtigen Verbindungen, um die Dinge in solch einem großen Rahmen zu verändern.“ 1860 eröffnete sie eine Pflegeschule im St. Thomas‘ Hospital und legte damit die Grundlagen einer professionellen Krankenpflege. Ihr 1860 veröffentlichtes Buch „Notes on Nursing“ (Anmerkungen zur Krankenpflege) wurde ein internationaler Bestseller und richtete sich vornehmlich an normale Frauen, um ihnen Tipps für die häusliche Pflege von kranken Angehörigen zu geben.

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Krankenhäuser: Ein Ort zum Sterben

Dabei sollte ihr Leben eigentlich ganz anders verlaufen. Die gebildeten, wohlhabenden Eltern erzogen ihre beiden Töchter – Florence benannt nach ihrem Geburtsort Florenz, Parthenope nach einem von den alten Griechen gegründeten Vorort Neapels – zuhause. Doch Florence fühlte sich gefangen im goldenen Käfig und weigerte sich, dem Wunsch der Eltern nachzukommen und zu heiraten. Stattdessen glaubte sie bereits als Kind, von Gott berufen zu sein.

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Doch eine Arbeit als Krankenschwester schickte sich nicht für eine vornehme junge Frau im Viktorianischen Zeitalter. Damals galten die dreckigen, überfüllten Krankenhäuser als Orte, in die lediglich Arme kamen – nicht um geheilt zu werden, sondern um dort zu sterben. Wer sich medizinisches Personal leisten konnte, ließ sich zuhause behandeln.

Um sie von ihrem Berufswunsch abzubringen, schickten die Eltern ihre Tochter mit Freunden der Familie auf Reisen durch Europa und nach Ägypten. Das aber verfestigte nur den Traum der jungen Frau, Krankenpflegerin zu werden. Heimlich ließ sie sich zunächst in Kaiserswerth nahe Düsseldorf ausbilden, wo Pastor Theodor Flieder und dessen Frau ein Krankenhaus und Waisenhaus führten. Dort lernte Nightingale mehr über Medikamente und wie man Wunden behandelte. Sie schaute bei Amputationen zu und kümmerte sich um Kranke wie Sterbende. Nie fühlte sie sich glücklicher: „Jetzt weiß ich, was es heißt, das Leben zu lieben.“ Es sollte der Start einer beispiellosen Karriere sein.

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