Rassismus in den USA - Daten und Fakten

  • Afro-Amerikaner sind in den USA besonders häufig durch Polizeigewalt betroffen.
  • Das zeigen Statistiken, die seit Jahren geführt werden, deutlich.
  • Aber auch in anderen Bereichen wie Einkommen sind Schwarze deutlich benachteiligt.
Johannes Christ
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Washington. Der 46 Jahre alte Familienvater Georg Floyd aus Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota starb bei einem Polizeieinsatz. Er starb an einem Herz-Kreislauf-Stillstand infolge von Druck auf den Nacken, durch den Polizisten, der minutenlang auf seiner Kehle kniete. Das bestätigt ein Autopsiebericht im Auftrag der Familie.

Und er starb, weil er Afroamerikaner war. Das legen nicht nur die Aufnahmen und Informationen nahe, die es zu George Floyds Tod gibt. Auch statistisch gesehen ist das Risiko, in den USA als Afroamerikaner durch Polizeigewalt zu sterben, um ein Vielfaches höher, als es bei Weißen der Fall ist.

Insgesamt leben aktuell etwa 42 Millionen Afroamerikaner in den USA, 197 Millionen Weiße, 39 Millionen Hispanics und 49 Millionen Angehörige anderer Ethnien wie Asiaten. Die ganz genaue Zahl ist schwer zu ermitteln, da das Statistische Bundesamt der USA, das “US Census Bureau”, nur alle zehn Jahre umfangreiche landesweite Daten erhebt - und das auch nur auf mehr oder weniger freiwilliger Basis. Zuletzt geschah dies 2010. Noch in diesem Jahr soll es eine neue Statistik geben.

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Die Statistik hat Schwächen, aber die Tendenz ist deutlich

Was Polizeigewalt angeht, führt die “Washington Post” die wichtigste und landesweit anerkannteste Statistik. Und die spricht eine eindeutige Sprache. Das Risiko von Afroamerikanern, durch Polizeigewalt ums Leben zu kommen, ist fast drei Mal so hoch, wie beispielsweise für Weiße.

Die Statistik basiert auf Angaben verschiedener, teilweise unzureichender Zählungen von US-Behörden und auf Medien-Berichten über tödliche Vorfälle bei Polizeikontrollen. Sie unterscheidet auch nicht, ob jemand bei den Vorfällen bewaffnet war bzw. eine Waffe gezogen hatte oder nicht. Trotzdem ist eine klare Tendenz zu erkennen.

Auf eine Million Einwohner gerechnet, werden laut dieser Statistik 30 Schwarze durch Polizisten getötet, aber “nur” zwölf weiße Amerikaner. Bei Hispanics, also Menschen mit mittel- oder südamerikanischer Herkunft, sind es 23 auf eine Million Einwohner. In anderen Gruppen, wie Menschen asiatischer Herkunft, liegt die Zahl nur bei vier.

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Schwarze leben besonders häufig an der Ostküste und im Süden des Landes, wie die folgende Karte zeigt. Das ist vor allem historisch bedingt. Denn die große Mehrheit der Vorfahren der heutigen Afro-Amerikaner kamen seit dem 17. Jahrhundert unfreiwillig als Sklaven in das Land. Und die meisten Farmen, auf denen sie zum Arbeiten gezwungen wurden, lagen in südlichen US-Staaten wie Florida, Georgia oder Texas. Die Sklaverei endete erst 1875, die Rassentrennung, die es Schwarzen vor allem in den Südstaaten verbot, im Restaurant oder dem Bus neben Weißen zu sitzen oder Weiße zu heiraten, wurde in den gesamten USA erst 1964 abgeschafft.

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Entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil in den verschiedenen Bundesstaaten werden Schwarze dort auch häufiger bei Polizeieinsätzen getötet. Die folgende Grafik basiert auf Zahlen der Nichtregierungsorganisation mappingpoliceviolence.org (etwa: “Polizeigewalt kartografiert”) und dokumentiert den Zeitraum von 2013 bis 2019. Laut der Organisation kamen in diesen Jahren insgesamt 7663 Menschen durch Polizeigewalt ums Leben, davon 1944 Afro-Amerikaner, 1335 Hispanics, 3378 Weiße und 118 Asiaten.

In den USA liegt die Verantwortung für die Ausbildung der Polizei bei den Bundesstaaten. Entsprechend unterschiedlich fällt sie aus. In manchen Bundesstaaten oder sogar Städten dauert sie nur wenige Wochen, in anderen ein Jahr. In Deutschland beträgt die Ausbildungszeit zwischen zwei und drei Jahren.

Auch jenseits von Polizeigewalt sind Schwarze in den USA stark benachteiligt. Wissenschaftlich lässt sich das aber kaum exakt erfassen und ist nicht zuletzt eine Frage des politischen Blickwinkels. Die Zahlen die zugänglich sind, erschrecken aber: Die Arbeitslosenzahl unter Afro-Amerikanern liegt konstant höher als die anderer Ethnien.

In der Corona-Krise ist sie viel stärker gestiegen als beispielsweise bei Weißen. Bereits im April, zu Beginn der Krise in den USA, hatte sie sich auf annähernd 17 Prozent verdoppelt. Und auch etwa 70 Prozent der Todesopfer durch Corona sind Afro-Amerikaner. Sie stellen aber nur etwa 13 Prozent der Bevölkerung.

In Bildungsfragen haben Afro-Amerikaner in den letzten Jahrzehnten immerhin aufgeholt. Heute besitzen laut amerikanischer Statistikbehörde 23 Prozent von ihnen einen Hochschulabschluss. Im Durchschnitt aller Amerikaner liegt die Quote aber bei 33 Prozent.

Nur 41 Prozent der Schwarzen besitzen ein Eigenheim

Eine Folge schlechterer Bildung: Schwarze Haushalte haben im Schnitt nur etwa ein Zehntel des Vermögens oder der finanziellen Rücklagen von “weißen Haushalten”. Und: 72 Prozent der weißen US-Bürger wohnen in den eigenen vier Wänden, aber nur 41 Prozent der schwarzen US-Bürger.

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Bei der Zuwanderung in die USA spielen Afrikaner heute nur noch eine geringe Rolle. Sie liegt im einstelligen Prozentbereich. Über 40 Prozent aller im Ausland geborenen US-Staatsbürgerinnen und -bürger sind nach 1990 in die Vereinigten Staaten eingewandert. Innerhalb dieser Gruppe stammen wiederum über 41 Prozent aus Lateinamerika und etwa 37 Prozent aus Asien. Ginge es nur nach US-Präsident Donald Trump, gäbe es wohl bald gar keine Zuwanderung mehr in die USA.


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