„Wirtschaftsweisen“-Prognose: Arbeitsmarkt trotz geringen Wachstums stabil

Die „Wirtschaftsweisen“, Beratergremium der Bundesregierung, sagen für 2019 ein geringeres Wachstum voraus, aber mehr Erwerbstätige. Zur möglichen Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank haben sie eine klare Meinung.

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Berlin. Die „Wirtschaftsweisen“ haben sich deutlich gegen eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank ausgesprochen. „Das ist in jeder Hinsicht eine ganz schlechte Idee“, sagte Isabel Schnabel von der Universität Bonn.

Sie ist eines der fünf Mitglieder des Sachverständigenrats. Aufgabe des Rats ist es, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu begutachten.

Schnabel und ihre Kollegen stellten am Dienstag ihre Konjunkturprognose für 2019 und 2020 vor. In diesem Rahmen äußerten sie sich zu den Gesprächen zwischen der Commerzbank und der Deutschen Bank über eine mögliche Fusion. „Ich würde massiv davon abraten, einen solchen ‚nationalen Champion‘ zu schaffen“, sagte Schnabel.

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Schnabel: Bank wäre zu wichtig für die Wirtschaft

Es sei umstritten, inwiefern die beiden Banken durch die Fusion Kosten einsparen würden. Außerdem wäre die neue Mega-Bank so relevant für das deutsche Wirtschaftssystem, dass sie den Staat zwingen würde, sie mit Steuergeldern vor einem Scheitern zu retten. „Da muss man sich schon die Frage stellen, ob man denn aus der Finanzkrise gelernt hat“, so Schnabel weiter.

Die anderen vier stimmten Schnabel zu. Lars Feld merkte allerdings an, dass man nicht genug Einsicht in die beiden Unternehmen habe, um die betriebswirtschaftlichen Aussichten der möglichen Riesenbank gut genug einschätzen zu können. Aber auch er mahnte an, dass eine neue Mega-Bank im Krisenfall ein Risiko für Steuerzahler wäre.

Weniger Exportnachfrage dämpft Wachstum

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Die Prognose für die deutsche Konjunktur 2019 korrigierten die „Fünf Weisen“ um fast die Hälfte auf 0,8 Prozent nach unten. Im vergangenen Herbst hatten sie in ihrem Gutachten für 2019 noch mit einem Plus von 1,5 Prozent gerechnet. Im Frühjahr 2018 waren sie von einem Plus von 1,8 Prozent ausgegangen.

Die Sachverständigen begründen ihre Prognose damit, dass die Wirtschaft nicht mehr so stark wachse wie zuvor. Vorübergehende Produktionsprobleme in der Automobil- und Chemieindustrie seien dafür mitverantwortlich gewesen. Gleichzeitig habe sich die „Grunddynamik der deutschen Wirtschaft verlangsamt“. Dies gehe vor allem auf eine deutlich schwächere Exportnachfrage aus wichtigen Absatzmärkten zurück.

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Zum ersten Mal mehr als 45 Millionen Erwerbstätige

Der Arbeitsmarkt bleibe aber weiterhin stabil, sagen die Ökonomen. Sie gehen davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen 2019 um 470.000 Menschen und 2020 noch einmal um 360.000 Personen ansteigen werde. Somit wären in diesem Jahr erstmals mehr als 45 Millionen Personen erwerbstätig.

Dass der Jobmarkt stabil bleibe, zeige sich an der günstigen Lohnentwicklung, sagten die Experten. Auch bestünden nach wie vor Engpässe bei Fachkräften. Zudem kämen nicht mehr so viele Arbeitskräfte aus dem Ausland nach Deutschland.

Brexit und Handelskonflikte: Zukunft ist ungewiss

Den Experten fällt es in diesem Jahr besonders schwer, künftige Entwicklungen abzusehen. So sei der weitere Verlauf des Brexit und des von US-Präsident Donald Trump befeuerten Handelskonflikts mit China und der EU schwer einzuschätzen.

Ein harter, ungeordneter Brexit beispielsweise berge ein erhebliches Risiko für die konjunkturelle Entwicklung, sagte Christoph Schmidt, der Vorsitzende der „Wirtschaftsweisen“. Zwar sei davon in erster Linie das Vereinigte Königreich betroffen. „Für Deutschland wäre das natürlich auch keine gute Nachricht“, sagte Schmidt. Großbritannien sei ein wichtiger Handelspartner. Das Vereinigte Königreich importierte im Jahr 2018 deutsche Waren im Wert von 82 Milliarden Euro.

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Die Folgen der US-Handelspolitik seien ebenfalls schwer vorherzusehen. „In China haben die Zollerhöhungen der USA bereits offensichtliche Spuren hinterlassen“, sagte Schmidt. Er und seine Kollegen weisen darauf hin, dass die USA Zölle auf europäische Autos erwägen, die eine „Spirale protektionistischer Maßnahmen“ auf beiden Seiten auslösen könnten.

Von Elena Butz/RND/dpa