Welche Versicherungen wirklich sinnvoll sind

  • Rund 1500 Euro geben die Deutschen pro Kopf im Jahr für Versicherungen aus. Doch die meisten haben zu viele, manche zu wenige, andere wiederum nicht die richtigen Policen.
  • Der Jahresanfang ist eine gute Zeit, alle Verträge auf den Prüfstand zu stellen.
  • Welche sind wirklich sinnvoll? Wir haben bei Finanztip nachgefragt.
Katrin Schreiter
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Hannover. Früher war es bei vielen Leuten im September üblich, sich ihre Versicherungsordner vorzunehmen. Denn die meisten Verträge liefen von Januar bis Dezember und hatten eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Wer sich also im neuen Jahr besser versichern wollte, musste im September kündigen.

Doch das hat sich geändert: Die meisten Policen laufen nicht mehr nur von Januar bis Dezember – nur die dreimonatige Kündigungsfrist gibt es in der Regel noch. Das haben Finanztip-Recherchen bei Versicherern, Maklern und Kündigungsdienstleistern ergeben.

So ist also auch der Jahresanfang ein guter Anlass, die Verträge zu prüfen: Immerhin haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes deutsche Privathaushalte im Jahr 2019 durchschnittlich rund 1500 Euro für Versicherungen ausgegeben. Im Jahr 2009 waren es noch 1020 Euro. Doch ist das Geld tatsächlich gut angelegt? Und welche Verträge sind wirklich sinnvoll? Wir haben bei Finanztip nachgefragt.

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Das Leben ist ein Risiko – nach diesem Motto verkaufen Versicherungsunternehmen vermeintlichen Schutz für alle Lebenslagen. „Von der Hochzeitsrücktrittsversicherung über Krebsversicherungen bis hin zu Verträgen für Waschmaschine und Trockner: Es gibt wenig, was sich nicht irgendwie versichern lässt“, sagt Julia Rieder, Finanztip-Expertin für Versicherungen. Sinnvoll sei das in vielen Fällen jedoch nicht.

Wichtig: Zwei Pflichtpolicen

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„Zwei Versicherungen sollte wirklich jeder haben: eine Kranken- und eine Haftpflichtversicherung“, sagt die Fachfrau. Denn: Jede Bundesbürgerin und jeder Bundesbürger müsse entweder gesetzlich oder privat krankenversichert sein. „Das ist vom Staat vorgeschrieben.“ Und: „Jedes Fahrzeug muss mindestens haftpflichtversichert sein. Voll- und Teilkaskoversicherung sind dagegen optional.“

„Auch die private Haftpflicht ist eine der wichtigsten Versicherungen“, sagt Rieder. Sie könne vor existenzbedrohenden Kosten schützen. „Nicht jeder Mensch braucht allerdings einen eigenen Vertrag: Viele sind über den Familientarif der Eltern oder des Partners versichert.“

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Darüber hinaus gebe es je nach Lebenssituation einige weitere Policen, die sinnvoll sein können, so Rieder. Als Beispiele nennt die Finanztip-Expertin die Auslandsreisekrankenversicherung für Reisende – auch innerhalb der EU, die Berufsunfähigkeitsversicherung für Berufstätige, die Hundehaftpflichtversicherung für Hundehalter, die Wohngebäudeversicherung für Immobilienbesitzer sowie das Krankentagegeld für Selbstständige und Gutverdiener.

Verzichtbar: Unnötige Policen

Versichert wird heutzutage vieles. Rieder: „Doch jede Versicherung kostet Geld und nicht immer schützt sie wie gewünscht.“ Nach Ansicht der Finanztip-Expertin könne man auf folgende Policen verzichten:

Kapital- oder fondsgebundene Lebensversicherung: Wegen niedriger Zinsen und hoher Kosten lohnt sich der Neuabschluss nicht mehr. Auch die neuen Indexpolicen sind wenig geeignet. Für die Altersvorsorge gibt es Optionen jenseits der Versicherung: zum Beispiel ETF-Sparpläne in Kombination mit einem Auszahlungsplan in der Rentenphase.

Rentenversicherung: Auch hier rechnet sich der Neuabschluss wegen hoher Kosten und niedriger Zinsen derzeit nicht. Nur eine provisionsfreie Nettopolice, die mit günstigen Aktien-Indexfonds (ETFs) anspart, kann sich lohnen. Die beste flexible Altersvorsorge bekommt man mit einem ETF-Sparplan und kombiniertem Auszahlungsplan hin.

Ausbildungsversicherung: Das ist eigentlich eine Lebensversicherung für Kinder, die meist Eltern oder Großeltern abschließen. Sie ist teuer und unflexibel – in der Regel ist es sinnvoller, das Geld selbst anzulegen.

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Ambulante Zusatzversicherung: Diese Police hat nur Sinn, wenn man häufig alternative Heilmethoden nutzen will. Allerdings ist die jährliche Erstattung meist begrenzt und viele Kran­ken­kassen bieten mittlerweile umfangreiche Zusatzleistungen für Homöopathie, alternative Arzneimittel und Osteopathie.

Restschuldversicherung/Kreditausfallversicherung: Besonders bei kleineren Ratenkrediten lohnt sich eine Restschuldversicherung nicht. Sie ist zu teuer und springt in vielen Fällen gar nicht ein, wenn die Raten nicht mehr gezahlt werden können.

Sterbegeldversicherung: Von der Sterbegeldpolice bekommen Angehörige im Todesfall des Versicherten Geld für die Beerdigung. Sinnvoller ist, das Geld für eine Beisetzung selbst anzusparen.

Handyversicherung: Sie sind oft teuer und schließen viele Schäden aus. Besser, man zahlt die Reparaturen selbst.

Tierkrankenversicherung: Sie sind unnötig teuer und übernehmen viele Kosten nicht oder nur zum Teil. Die meisten Behandlungen für Hund oder Katze sind zudem nicht so teuer, dass sie die Halter finanziell ruinieren. Sinnvoller: jeden Monat etwas Geld für spätere Tierarztbesuche zurückzulegen

Glasbruchversicherung: Viele Glasschäden sind bereits mit der Privathaftpflicht-, der Wohngebäude- oder der Hausratversicherung abgedeckt.

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Brillenversicherung: Meist wird sie im Paket mit anderen Versicherungen verkauft, die alle nicht besonders leistungsstark sind. Doch auch auf eine einzelne Brillenversicherung kann man verzichten. Die Erstattungshöhen sind immer gedeckelt, oft gibt es zwischen 100 bis 400 Euro alle ein bis drei Jahre. Spare lieber Geld für eine neue Brille, statt Beiträge zu bezahlen.

Krankenhaustagegeldversicherung: Sie zahlt einen Betrag für jeden Tag, den man im Krankenhaus verbringt. Sinnvoller ist eine Krankentagegeldpolice, denn die hilft auch, wenn man zu Hause krank ist.

Reisegepäckversicherung: Meist deckt die Hausratversicherung den Verlust von Gepäck im Urlaub ab. Eine Reisegepäckversicherung ist daher unnötig.

Kinderunfallversicherung: Sie soll Kinder finanziell schützen, falls sie durch die Folgen eines Unfalls für den Rest ihres Lebens auf Hilfe angewiesen sind. Da sie nur im Falle eines schweren Unfalls bezahlt, sichert die Versicherung Kinder nur unzureichend ab. Besser: eine Kinderinvaliditätsversicherung.

Reiserücktritt in Corona-Zeiten

Und wie sinnvoll ist eine Reiserücktrittsversicherung – vor allem bei Corona? Dieses Thema handhaben die Versicherer ganz unterschiedlich, meint der Reisereporter. Bei manchen ist eine Covid-Erkrankung in Folge einer Pandemie als Grund für einen Rücktritt oder eine ungeplante Verlängerung des Aufenthalts abgedeckt, andere verlangen dafür eine kostenpflichtige Zusatzpolice. Das gilt auch für Quarantäne oder positiven PCR-Test.

Stiftung Warentest hat 130 Tarife für kombinierte Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherungen unter die Lupe genommen. Nur für die Anbieter Hanse Merkur, Travel Secure/Würzburger und Europ Assistance gab es die Note „sehr gut“.

Policen regelmäßig prüfen

Ein regelmäßiger Versicherungscheck macht Sinn. Es gibt drei gute Gründe, den Versicherungsordner zur Hand zu nehmen und die Verträge durchzusehen.

  • Beim Wechsel sparen: Die Preise für Versicherungen sind nicht festgeschrieben – sie verändern sich ständig. Durch einen Wechsel des Tarifs oder des Versicherers lassen sich mitunter mehrere Hundert Euro im Jahr sparen.
  • Auf moderne Policen umstellen: Oft ändern sich die Bedingungen für die Verträge. So beinhalten zum Beispiel neue Tarife in der Privathaftpflicht- und Hausratversicherung mehr als alte. Wer auf moderne Policen umstellt, ist oft besser versichert.
  • Aktuellen Bedarf überprüfen: Auch die eigene Lebenssituation ändert sich. Wenn beispielsweise Paare zusammenziehen oder heiraten, können einige Policen zusammengelegt werden. Familien mit kleinen Kindern sollen checken, ob ihre Privathaftpflichtversicherung auch greift, wenn Kinder unter sieben Jahren einen Schaden anrichten. Und wer in die eigene Immobilie einzieht, benötigt eine Wohngebäudeversicherung.
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