Knappe Kassen durch Corona? Altersvorsorge nicht zu schnell kündigen

  • Durch die Corona-Pandemie sind viele Menschen in finanzielle Engpässe geraten und kürzen bei der Altersvorsorge.
  • Die Verbraucherzentrale Bayern gibt Tipps, wann sich die Auflösung alter Verträge lohnt und wann nicht.
  • Denn manchmal gibt es gute Alternativen zur Kündigung.
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Bremen. Kurzarbeit, geschlossene Geschäfte, kaum noch Aufträge - die Corona-Pandemie macht sich bei vielen auch im Geldbeutel bemerkbar. „Um den Stillstand zu überstehen, gehen viele Verbraucher an ihre Altersvorsorge“, sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen im Interview. Doch eine allzu schnelle Kündigung alter Verträge kann sich als teurer Fehler herausstellen.

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Frau Oelmann, was stellen Sie derzeit in ihren Beratungsstellen fest?

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Man merkt, dass durch die Corona-Krise in vielen Haushalten das zur Verfügung stehende Geld knapper wird. Staatliche Hilfen fließen spät oder reichen nicht aus, um die Lücken zu füllen. Viele kommen zu uns und stellen ihre Altersvorsorge auf den Prüfstand. Häufig haben die Verbraucherinnen und Verbraucher noch alte kapitalbildende Lebensversicherungen - immerhin war das lange Zeit ein beliebtestes privates Altersvorsorgeinstrument.

Das Problem: Verbraucherinnen und Verbraucher können oft nicht einschätzen, wie werthaltig ihre Lebensversicherung ist. Es gibt Verträge, die auf den ersten Blick positiv erscheinen, es aber gar nicht sind, und umgekehrt.

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Sie sagen aber, eine Kündigung ist eher schlecht. Warum?

Es kommt immer auf den Vertrag an. Ältere Verträge sind aus heutiger Sicht attraktiv, weil sie eine gute Verzinsung haben. Wenn man so einen Vertrag einfach kündigt - wozu auch mancher Versicherungsberater rät - dann verzichten Sie nicht nur auf diese Rendite. Sie verlagern das Problem in die Zukunft, denn Sie haben später einfach weniger Geld zur Verfügung.

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Besser ist es deshalb sich den Vertrag einmal anzuschauen und zu prüfen, welche Alternativen es zur Kündigung gibt: Manchmal kann es schon helfen, wenn auf die jährliche Anpassung, die sogenannte Dynamik, verzichtet wird. Oder die Beitragszahlungen werden gestundet. Viele Versicherungen bieten das für einen begrenzten Zeitraum an. Danach können die gestundeten Beiträge zurückgezahlt, oder mit der Versicherungssumme verrechnet werden.

Was kann man denn sonst tun?

Wenn die Lebensversicherung vorzeitig aufgelöst werden soll, ist ein Verkauf der Police am Zweitmarkt die bessere Alternative zur Kündigung. Der Vorteil: Kundinnen und Kunden bekommen dabei mehr Geld als beim Storno von der Versicherungsgesellschaft und erhalten über den Verkauf hinaus einen reduzierten Todesfallschutz. Daneben bieten einige Unternehmen des Zweitmarktes die Möglichkeit des Rückkaufes der Police. Der Vertrag bleibt dann nach dem Verkauf im Bestand des Händlers bestehen und kann später wieder zurückgekauft werden.

RND/dpa

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