Kassenpatienten zahlen immer mehr aus eigener Tasche

Gesetzlich Versicherte müssen immer häufiger Teile der Behandlungskosten selbst finanzieren. Im Bereich der Heilmittel sind die Zuzahlungen seit 2017 um fast ein Fünftel gestiegen. Und das könnte so weitergehen.

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Berlin. Kassenpatienten haben im vergangenen Jahr mehr für Gesundheitsleistungen aus eigener Tasche dazu bezahlt. Die Zuzahlungen stiegen im Vergleich zu 2017 um rund 100 Millionen Euro auf 4,2 Milliarden Euro. Das geht aus einer Kleinen Anfrage des Linken-Gesundheitspolitikers Dr. Achim Kessler an die Bundesregierung hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Am stärksten ist die Belastung mit plus 18,4 Prozent bei so genannten Heil- und Hilfsmitteln gestiegen. Dabei geht es um Behandlungen von Therapeuten oder den Kauf von Hörgeräten, Schuheinlagen oder Blindenhunden. Am meisten zahlen Versicherte allerdings für klassische Medikamente oder Verbandsmaterial zu. im Jahr 2018 waren das 2,25 Milliarden Euro – immerhin auch 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das Krankenhaus kostet 10 Euro pro Tag

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Im Krankenhaus zahlen Patienten pauschal 10 Euro pro Tag. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten werden Patienten mit zehn Prozent des Kaufpreises zur Kasse geben – der Betrag ist aber mit fünf Euro beziehungsweise zehn Euro nach unten und oben „gedeckelt“. Bei den Heilmitteln müssen Patienten pro Verschreibung pauschal zehn Euro plus zehn Prozent der Behandlungskosten zahlen.

Im Bereich der Heilmittel gilt seit 2017 nicht mehr die so genannte Grundlohnsumme (dem Gesamteinkommen aller Beitragszahler) an dem sich die Preisfindung orientieren musste. „Wir finden das grundsätzlich richtig, denn beispielsweise Physiotherapeuten oder Logopäden sollen mehr Geld verdienen“, so Kessler. „Allerdings darf es nicht dazu führen, dass diejenigen die die Behandlung brauchen mehr zuzahlen müssen.“ Bei Arzneimitteln bestimmt die Preisentwicklung der Medikamenten zwischen 50 und 100 Euro die Höhe der Zuzahlungen. Und diese Preise steigen.

Linke wollen Zuzahlungen komplett abschaffen

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Kessler: „ Steigende Zuzahlungen bestrafen diejenigen, die krank sind und die einer ärztlichen Verordnung Folge leisten. Daher gehören Zuzahlungen komplett abgeschafft.“ Die eigentlich beabsichtigte Steuerungswirkung werde verfehlt. So könnten immer höhere Zuzahlungen Geringverdiener davon abhalten, Therapien zu beginnen.

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Prof. Wolfgang Greiner, Gesundheitsökonom an der Uni Bielefeld und Sachverständiger im Bundestag, erklärte dem RND: „Im internationalen Vergleich sind die Zuzahlungen in Deutschland noch immer sehr gering. Außerdem gelten bei uns Sozialklauseln. So ist die Zuzahlungshöhe für Geringverdiener gedeckelt.“

Greiner interpretiert die höheren Zuzahlungen sogar als gutes Zeichen: „Es gibt immer mehr Menschen, die so gut verdienen, dass sie den vollen Satz bei den Zuzahlungen entrichten.“

Von Christian Burmeister/RND