EZB: Wie viel Inflation kann sich der Euroraum leisten?

  • Die EZB erreicht seit dem Jahr 2013 nicht mehr ihr eigenes Inflationsziel.
  • Innerhalb der EZB ist nun eine Diskussion über das richtige Maß der Teuerungsrate im Gange.
  • Welche Optionen gib es überhaupt?
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Frankfurt/Main. Christine Lagarde stellt die seit Jahren ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf den Prüfstand. Tabus gibt es dabei keine, wie die erste Frau an der Spitze der Notenbank betont, die an diesem Donnerstag (09.00 Uhr) zum zweiten Mal die Zinssitzung des EZB-Rates leiten wird. Ein Thema der Strategiediskussion: Was ist das richtige Maß für die Inflation?

Was ist Inflation eigentlich?

Die Preise für Waren und Dienstleistungen können sich in einer Marktwirtschaft jederzeit ändern - einige steigen, andere fallen. Erhöhen sich Preise allgemein, spricht man von Inflation. Das Geld ist dann weniger wert, Verbraucher können für einen Euro weniger kaufen als zuvor. Jeden Monat berechnet das Statistische Bundesamt, wie sich Preise in Deutschland entwickelt haben. Zahlen für die 19 Staaten im Euroraum gibt es von der Behörde Eurostat.

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Wieso haben Währungshüter ein Augenmerk auf die Teuerung?

Ist die Inflation zu hoch, verlieren Verbraucher an Kaufkraft und die Währung hat weniger Rückhalt. Stagnieren Preise andererseits oder fallen auf breiter Front, kann das Verbraucher und Unternehmen verleiten, Investitionen aufzuschieben. Denn es könnte ja bald noch günstiger werden. Dieses Abwarten kann die Konjunktur ausbremsen.

Was strebt die EZB an?

Hauptziel der Notenbank ist ein ausgewogenes Preisniveau - im Jargon der Währungshüter: Preisstabilität. Diese sieht die EZB am ehesten gewährleistet, wenn die Preise im Euroraum moderat steigen. Daher wurde ein Inflationsziel mit Abstand zur Nullmarke definiert. Bei Gründung der EZB im Juni 1998 lag dieses Ziel bei einer jährlichen Teuerungsrate von "unter zwei Prozent". Im Jahr 2003 präzisierte der EZB-Rat, mittelfristig werde eine Inflation von "unter, aber nahe zwei Prozent" angestrebt. Die meisten Zentralbanken entwickelter Volkswirtschaften richten ihre Geldpolitik auf das Ziel einer Teuerungsrate von rund zwei Prozent aus.

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Hat die EZB ihr Inflationsziel erreicht?

Seit 2013 wurde es Jahr für Jahr verfehlt. Die Teuerungsrate im Euroraum lag oft deutlich unter der Zwei-Prozent-Marke. Und das, obwohl die EZB viel billiges Geld in die Märkte gepumpt und die Zinsen auf Rekordtief gesenkt hat - beides in der ökonomischen Theorie probate Mittel, um für mehr Inflation zu sorgen.

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Was könnte nun der Ausweg sein?

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) fordert eine Abkehr vom bisherigen Inflationsziel. "Mit dem Inflationsziel hat sich die EZB in eine Sackgasse manövriert", argumentiert BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig. Schleichend sei das "unter, aber nahe bei 2 Prozent" auf eine Art Punktziel von 1,9 Prozent verengt worden - mit der Folge, dass sich die EZB gezwungen sah, ihre Geldschleusen immer weiter zu öffnen. "Das Inflationsziel der EZB sollte künftig als eine Art Inflations- oder Toleranzband zwischen ein und zwei Prozent ausgelegt werden", fordert der BdB in einem Positionspapier.

Ist das im EZB-Rat mehrheitsfähig?

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Auch unter Notenbankern gibt es Fürsprecher für mehr Flexibilität beim Thema Inflation. "Einige Ratsmitglieder haben empfohlen, dass es ein Band um das Ziel geben könnte", wurde Estlands Notenbankchef Madis Müller im Dezember in Medienberichten zitiert. "Ich denke wir sollten das diskutieren." Ein solches Inflationsband würde der EZB mehr geldpolitischen Spielraum einräumen. Die Notenbank müsste dann nicht mehr unmittelbar reagieren, sollten die Inflationsraten zeitweilig von dem prozentualen Ziel abweichen.

Welche Folgen hätte ein flexiblerer Umgang mit Inflation für Sparer?

Je mehr Spielraum sich die EZB in Sachen Inflation gibt, umso länger könnte die Notenbank an Null- und Negativzins festhalten. Würde sich der EZB-Rat beispielsweise auf eine Spanne von ein Prozent bis drei Prozent mit einem Anker in der Mitte festlegen, wäre "der Anreiz zur Normalisierung der Geldpolitik ... vergleichsweise schwach", analysiert die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Worum geht es Lagarde über die Geldpolitik hinaus?

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Transparenz, Offenheit, Dialog - die neue EZB-Präsidentin fordert eine neue Haltung. Lagarde will besser erklären, was die EZB tut und warum die Notenbank es tut. Die Währungshüter sollen sich nicht hinter der gläsernen Fassade des EZB-Turmes im Osten Frankfurts verschanzen, sondern präsent sein. "Wir werden versuchen, eine Sprache zu sprechen, die jeder versteht. Und wir werden zuhören und ein offenes Ohr für die Sorgen und Bedenken der Bürgerinnen und Bürger haben", verspricht Lagarde. Die von der Französin angestoßene Überprüfung der EZB-Strategie geht weit über die Finanzmärkte hinaus.

RNDdpa

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