Die Deutschen geben wieder mehr für Versicherungen aus

  • Die deutschen Versicherer haben ihre Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr überdurchschnittlich stark gesteigert.
  • Ein überraschend hohes Wachstum weist ein Klassiker der Altersvorsorge auf.
  • Mit Blick auf die Zukunft der privaten Altersvorsorge lehnt der GDV Staatsfonds-Lösungen ab.
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Berlin. Die Deutschen haben im vergangenen Jahr unerwartet viel Geld in Versicherungen gesteckt. Die Beitragseinnahmen der deutschen Versicherer stiegen um 6,7 Prozent auf die Rekordsumme von 216 Milliarden Euro, wie der Branchenverband GDV am Mittwoch in Berlin mitteilte. Verbandspräsident Wolfgang Weiler sprach von einem ausgesprochen zufriedenstellenden Jahr.

Ein überraschend hohes Wachstum gab es im Bereich der Lebensversicherungen. Zusammen mit Pensionskassen und Pensionsfonds verzeichneten Lebensversicherer im vergangenen Jahr demnach ein Beitragsplus von 11,3 Prozent auf 102,5 Milliarden Euro.

Davon entfielen 64,3 Milliarden Euro auf das Geschäft gegen laufenden Beitrag (+0,1 Prozent) und 38,2 Milliarden Euro auf Einmalbeiträge (+37,1 Prozent).

Letztere kommen beispielsweise durch Kunden zustande, die ihr Weihnachtsgeld oder einen Bonus in der Lebensversicherung zusätzlich fürs Alter zurücklegen wollen. Ebenfalls erfreulich entwickelte sich die betriebliche Altersversorgung: Die gesamten Brutto-Beiträge wuchsen 2019 um 5,3 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro.

Lohnt sich eine Lebensversicherung für die Zukunft?

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Ob sich künftig eine Lebensversicherung für Kunden aber wirklich lohnt? Anfang 2021 werde sich der Garantiezins ändern, sagte Andreas Wimmer, der Altersvorsorge-Experte des Verbands und Lebensversicherungschef bei der Allianz. Dem Bundesfinanzministerium liegt der Vorschlag von Versicherungsmathematikern auf dem Tisch, bei Neuverträgen den Garantiezins von 0,9 auf 0,5 Prozent zu senken. Hinzu kommt eine Überschussbeteiligung, über die die Versicherer selbst entscheiden. Zusammen ergibt das die laufende Verzinsung.

Sie liegt nach Wimmers Angaben 2020 im Branchendurchschnitt bei 2,3 Prozent. Die Gesamtverzinsung inklusive Schlussleistungen zum Ende eines Vertrags werde voraussichtlich 2,8 bis 3 Prozent betragen. Zum Vergleich: Vor etwa zehn Jahren konnten Kunden noch mit rund 5 Prozent rechnen.

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Verband lehnt Staatsfonds-Lösungen ab

Verbandspräsident Wolfgang Weiler warnte die Branche vor Euphorie. Weil die Konjunktur schwächer geworden sei und die Zinsen niedrig blieben, erwarte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dass die Beiträge in diesem Jahr insgesamt noch um 1,5 bis 2 Prozent wachsen werden.

Für den GDV-Präsidenten dürfte das Jahr 2020 aus Branchensicht von drei großen Themenbereichen geprägt werden: der Diskussion um den Klimawandel, der Notwendigkeit einer tiefgreifenden Reform der privaten Altersvorsorge und der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Mit Blick auf die Zukunft der privaten Altersvorsorge lehnt derweil Weiler Staatsfonds-Lösungen ab und plädiert stattdessen für eine tiefgreifende Reform der geförderten Privatvorsorge. Die gemeinsam mit anderen Verbänden vorgelegten Vorschläge wiesen dafür den Weg, so der GDV-Präsident weiter.

Ebenso forderte Weiler die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf, eine Trendwende einzuleiten, um die Folgen der Niedrigzinsen für Sparer und Sparklima einzudämmen.

RND/dpa

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