Aktienmarkt: Die Angst vor einem neuen Schwarzen Schwan

  • Die Anlegerstimmung bleibt wegen der Sorgen um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus angespannt.
  • Zudem gelangt auf dem Parkett nun wieder ein Tier in den Fokus, das Anleger immer viel Geld kostet – der Schwarze Schwan.
  • Das Tier ist auf den Finanzmärkten ein Symbol für unvorhergesehene Ereignisse.
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Am Dienstag meldet der deutsche Aktienmarkt wieder leichte Gewinne. Aus Sorge vor der rasanten Verbreitung des Coronavirus waren die Anleger noch am Montag von der Börse geflüchtet, der Dax rutschte auf den tiefsten Stand seit fast drei Wochen.

Heute zeigt Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer am Mittag leichte Erholungstendenzen, wenngleich die Zugewinne mager ausfallen. Der Dax gewinnt 0,11 Prozent auf 13.204 Punkte hinzu.

Coronavirus: Börsen in China bleiben geschlossen

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Die Stimmung an der Börse bleibe wegen der Sorgen um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus angespannt, schrieb Marktanalyst Milan Cutkovic von Axitrader. In China waren dagegen die Börsen auch am zweiten Handelstag der Woche wegen des Neujahrsfestes geschlossen, die Zahl der Toten durch die neuartige Lungenkrankheit und der bestätigten Infektionen ist aber weiter gestiegen und damit auch die Furcht an den Börsen.

Weltweit mussten Anleger am Montag an den Börsen einen Verlust von mehr als 1,6 Billionen Dollar verbuchen. Ob dies nur mit der Furcht vor einer Pandemie durch das Coronavirus ausgelöst wurde, wird an den Finanzmärkten diskutiert.

Ein schwarzer Schwan ist so selten, dass es schon fast einem Lottogewinn gleichkommt, einen zu sehen. Aus genau diesem Grund wurde der Begriff „Schwarzer Schwan“ zu dem Börsenbegriff für unvorhergesehene Ereignisse. © Quelle: David Clode/Unsplash

Nur eine ganz normale Kurskorrektur?

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Einige Analysten sehen letztlich die jüngsten Kursrekorde an den weltweiten Börsen als den eigentlichen Grund für die aktuellen Abschläge. Der Markt sei gut gelaufen und der eine oder andere Investor nehme nun erst einmal seine Gewinne mit. Dass eine solche Korrektur mit Ereignissen wie dem Coronavirus noch einmal verstärkt wird, ist nicht ungewöhnlich. Denn an der Börse gelangt nun wieder ein Tier in den Fokus, dessen Existenz Anleger und Investoren gern ausblenden würden. Der sogenannte Schwarze Schwan:

Schwäne gelten seit jeher als Symbol für Reinheit und auch für Macht. Im Mittelalter war es beispielsweise nur Herrschern vorbehalten, diese Gänseart zu halten. Und auch heute noch erfreuen die weißen Tiere viele Menschen in Parks und auf Seen. Allerdings ist Weiß nicht die einzige Farbe für einen Schwan.

Ein schwarzer Schwan ist jedoch so selten, dass es schon fast einem Lottogewinn gleichkommt, einen zu sehen. Aus genau diesem Grund wurde der Begriff „Schwarzer Schwan“ zu dem Börsenbegriff für unvorhergesehene Ereignisse.

Der Grund für die Einkehr in die Börsenterminologie liegt in der Finanzkrise 2008. Der Finanzmathematiker Nassim Taleb schaffte es mit dem bildhaften Begriff „Schwarzer Schwan“, den passenden Erklärungsansatz für die damaligen Ereignisse rund um den Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers zu liefern.

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Die Börsianer-Angst vor unvorhergesehenen seltenen Ereignissen

In seinem bereits im April 2007 veröffentlichten Buch hatte Taleb die Auswirkungen und den Umgang mit unvorhergesehenen seltenen, aber mächtigen Ereignissen beschrieben. Angewandt auf die Ereignisse von 2008 wurde daraus ein nachvollziehbares Geschehnis, das Anleger in aller Welt getroffen hat. Taleb wurde durch dieses Buch zum Krisenerklärer Nummer eins.

Im Gegensatz zur Tierwelt, in der Schwäne meist paarweise auftreten, kommt ein Schwarzer Schwan an der Börse aber meist allein vor. Fakt ist:

Das Coronavirus, das am Montag einer der Hauptgründe für die hohen Verluste war, sorgt weiter für Sorgen an den Kapitalmärkten. Erstmals wurde nun auch in Deutschland eine Infektion mit dem neuartigen Virus bestätigt. In China, wo die Ausbreitung der Krankheit begann, gibt es inzwischen mehr als 100 Tote.

Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel, sieht zumindest in den letzten Konjunkturdaten speziell für die deutsche Wirtschaft eine etwas eingetrübte Stimmung. Die weiteren Perspektiven würden vor allem von geopolitischen Faktoren abhängen, so der Experte weiter:

„Mit der Verbreitung des Coronavirus ist aktuell eine weitere potenzielle Belastung der Weltwirtschaft hinzugekommen. Je nach Verbreitung des Virus, könnten die jüngsten Anzeichen einer konjunkturellen Bodenbildung in Deutschland, der Euro-Zone und China größere Rückschläge erleiden.“

Die „sicheren Häfen“ bleiben gefragt

Unter Anlegern dürften vorerst die sicheren Häfen wie Bundesanleihen, Gold, US-Dollar, Yen und Schweizer Franken gefragt bleiben, so Mumm weiter und bestätigte damit auch die jüngste Entwicklung an den US-Börsen. An der Wall Street waren die Anleger zum Wochenauftakt auf Nummer sicher gegangen:

US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stiegen auf den höchsten Stand seit Anfang Oktober. „Die Risikoparameter geben klare Hinweise auf die Reaktion von Investoren auf den Ausbruch der Lungenerkrankung“, sagte ein Marktteilnehmer und verwies auch auf Kursgewinne der Gold- und US-Dollar-Notierungen als „sichere Häfen“ in unsicheren Zeiten.

Dagegen gibt es die „üblichen“ Verlierer in einer solchen Marktphase an den Börsen. Derzeit sind es Aktien aus dem Reise- und Fluggesellschaftensektor. In New York büßten American Airlines und United Airlines jeweils mehr als 5 Prozent ein. Die Papiere des Kreuzfahrtenanbieters Royal Caribbean Cruises fielen ebenfalls um 7,6 Prozent. An der Frankfurter Börse müssen sich auch die Anteilscheine der Deutschen Lufthansa mit roten Vorzeichen begnügen. Der Aktienkurs verliert fast 2 Prozent auf 13,53 Euro.

Wer sich als Dax-Anleger wiederum mithilfe der Charttechnik einen Überblick verschaffen möchte, wird von Experten wie beispielsweise von Martin Utschneider, Leiter der Technischen Analyse bei Donner & Reuschel, etwas beruhigt. „Der Dax 30 befindet sich daher trotz des gestrigen ‚Saure Gurken‘- Tages weiterhin im übergeordneten Aufwärtsmodus.“

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