Absicherung für die letzte Ruhe: Geld sparen und Wünsche notieren

  • Stirbt ein Mensch, muss er ordnungsgemäß bestattet werden.
  • Wer schon zu Lebzeiten auf Nummer sicher gehen will, dass nach seinem Tod alles so gemacht wird, wie er es will, sorgt vor.
  • So wie Joachim Busch.
Uta Zangemeister
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Leipzig. Das Gesetz in Deutschland sieht vor, dass ein verstorbener Mensch ordnungsgemäß bestattet wird. Für das Rund-um-Programm mit Redner, Blumen, Aufwendungen für Grabstätte, Krematorium und mehr müssen Angehörige mit Kosten um die 3000 Euro rechnen. Wer schon zu Lebzeiten auf Nummer sicher gehen will, dass nach seinem Tod alles so gemacht wird, wie er es will, sorgt vor. Vorgesorgt hat auch Joachim Busch.

Er hat in zwei dicken Ordnern alles gesammelt, für den Fall der Fälle. Der 64-Jährige will im Familiengrab in Gundorf, bei Leipzig, bestattet werden. Dort liegen auch seine Eltern und Großeltern. Auf einem Treuhandkonto hat er Geld dafür hinterlegt. „Ich bin da so reingewachsen, weil Mutti 2012 und mein Vati vor zwei Jahren gestorben ist“, erinnert er sich. „Ich habe die letzten zehn Jahre gebraucht, um mit ihnen eine Vorsorgevollmacht zu treffen. Das war sehr schwer. Man hat immer das Gefühl, dass man nicht drüber sprechen muss – dass wir noch Zeit haben.“ Letztlich war er heilfroh, dass er die Vollmacht hatte und man sich um alles kümmern durfte.

Im Bestattungsvorsorgevertrag alles geregelt

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Busch hat selbst zwei Söhne und auch zwei Enkel. „Ich möchte nicht, dass sie mal den gleichen Stress mit mir haben. Dass sie mir mal nicht hinterherrennen müssen, wenn ich nicht mehr so geschäftstüchtig bin.“ Deshalb hat Busch einen Bestattungsvorsorgevertrag abgeschlossen. Darin werden nicht nur die wichtigsten Entscheidungen rund um die Bestattung getroffen, sondern auch die Finanzen abgesichert. Wichtig war Busch, dass das Geld nicht bei einem Bestatter selbst, sondern auf einem Treuhandkonto liegt, dass über den Bestatterverband organisiert ist. „Es ist nicht an ein Unternehmen gebunden. Und im Gegensatz zu einer normalen Versicherung ist das Hartz-4-fest.“

So wie Joachim Busch entscheiden sich immer mehr, berichtet Bestatterin Doreen Hönsch. 20 bis 25 Prozent aller Sterbefälle, die sie bearbeitet, haben vorgesorgt. Nicht alle haben einen Bestattungsvorsorgevertrag abgeschlossen – einige haben Sterbegeldversicherungen oder andere Formen der Vorsorge gewählt. Die Tendenz sei steigend und die Gründe dafür verschieden. „Viele wollen ihre Angelegenheiten geregelt wissen, vor allem wenn die Kinder weiter weg leben. Oder sie haben eine schlimme Diagnose bekommen“, erzählt die Bestatterin. Manchmal hätten sie auch einfach nur etwas gesehen, was sie toll finden – eine Diamant-Bestattung oder einen Friedwald. Dann wollen sie das festmachen.“ Oft zähle aber auch, wie bei Joachim Busch, die eigene Erfahrung. Das bestätigt auch Bestatterkollege Heiko Sack: „Wir machen viele Vorsorgen zurzeit, Tendenz steigend. Viele handeln aus der Not heraus, weil sie niemanden haben oder aus zerrüttenden Familien kommen. Oder weil die Kinder nicht mehr hier wohnen, sie wollen das einfach geregelt haben.“

Verschiedene Anlageformen sind möglich

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Die Verbraucherzentrale Sachsen verfolgt die Entwicklungen. „Unsere Wahrnehmung ist, dass es den meisten Menschen nicht egal ist, was nach ihrem Tod in puncto Beerdigung passiert“, berichtet Andrea Heyer. Jeder könne seine Vorstellungen über die eigene Bestattung einschließlich Trauerfeier und Grabpflege in einer Bestattungsverfügung festlegen. Sicher sei es sinnvoll, eine finanzielle Vorsorge zu treffen. Dafür stünden im Grunde genommen alle Spar- und Anlagemöglichkeiten zur Verfügung. „Dazu kann man sich in der Verbraucherzentrale Sachsen individuell beraten lassen.“ Mit einem Vorsorgevertrag könne man schon zu Lebzeiten alles regeln und das Geld für die eigene Bestattung von einer Treuhandgesellschaft verwalten lassen. „Informationen dazu findet man bei der Stiftung Warentest, die solche Gesellschaften schon getestet hat.“ Doch empfiehlt Andreas Heyer auch wachsam zu sein und sich die Modelle und Konditionen genau anzuschauen. Denn wie überall gäbe es auch hier schwarze Schafe, die mit der Angst der Leute spielen, um Verträge zu verkaufen, die zum Teil unwirtschaftlich für die Erblasser sind.

Sterbegeldversicherungen und Sterbekassen: Sterbegeldversicherungen über Versicherer sind in der Regel eine Form der Kapital-Lebensversicherung mit einer Versicherungssumme zwischen 4000 und 10 000 Euro. Die Prämien sind zwar, auf den Monat gesehen, recht gering, die Auszahlungen aber auch nicht gerade hoch. Im Rentenalter oder kurz davor sollte man keine Sterbegeldversicherung abschließen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Sachsen. Denn die Höhe des Versicherungsbeitrags richtet sich nach der Wahrscheinlichkeit des Ablebens. Und das ist höher, umso älter man ist – und damit auch der zu zahlende Beitrag. Gerade bei Älteren sind schnell mehr Beiträge geflossen als Hinterbliebene im Todesfall erhalten. Die Absicherung über Sterbekassen kann zwar bessere Renditechancen beinhalten, aber ein Schutz im Fall der Insolvenz besteht bei Sterbekassen nicht.

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Sparpläne: Es kann außerdem sinnvoll sein, einen bestimmten Betrag monatlich auf ein Geldmarkt-, Festgeld- oder einen Banksparplan einzuzahlen. Allerdings liegen die Zinsen für solche Anlagen momentan oft unter der Inflationsrate. Man sollte dabei auch auf die Kündigungsmöglichkeiten achten, wenn das Geld kurzfristig benötigt wird.

Vorsorglicher Vertrag mit einem Bestatter: Vorsorgewillige können auch einen Vorsorgevertrag bei einem Bestattungsunternehmen schließen, in dem auch gleich die Form der Bestattung, die Art des Sarges und andere Einzelheiten schon zu Lebzeiten festgehalten werden können. Es wird eine bestimmte Summe für diese Leistungen festgelegt. Die Verbraucherzentrale rät Anlegern, das Geld keinesfalls auf das Konto des Bestatters einzuzahlen. Stattdessen auf ein Treuhandkonto – zum Beispiel bei der „Deutschen Bestattungsvorsorge Treuhand AG“ –, so geht bei einem etwaigen Konkurs des Bestatters das Geld nicht verloren. Alternativ kann man auch bei der Bank oder Sparkasse ein Sparbuch mit Sperrvermerk einrichten, das auf den eigenen Namen für Rechnung eines Dritten – also des Bestattungshauses – läuft.

Sterbegeld für einige Beamte: Für Beamte des Bundes und in einigen Bundesländern gibt es noch Sterbegeld. Hinterbliebene erhalten dann beim Tod des Beamten Geld – und zwar abhängig vom Einkommen des Verstorbenen.

Bestattungskosten auch per Ratenzahlung möglich

In der Regel bieten Bestatter auch Ratenzahlungen an. Manch einer kann sich aber auch das nicht leisten. Hat der Verstorbene kein großes Erbe hinterlassen, könne beim Sozialamt einen Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden. Das trifft aber nur zu, wenn es sonst keine anderen Personen gibt, die zur Leistung verpflichtet sind. Grundlage ist § 74 des Sozialgesetzbuches (SGB XII). Übernommen werden laut Sozialamt Leipzig nur Bestattungskosten in angemessenen Umfang. Das sind im Wesentlichen gewerbliche Kosten (Bestattungsunternehmen), Friedhofsgebühren und Kosten für ein Grabmal. Bei den gewerblichen Kosten sind jeweils die Preise der einfachsten Ausführung berücksichtigungsfähig. Für das Jahr 2018 gab es in Leipzig 347 bewilligte Anträge mit Gesamtausgaben in Höhe von rund 790 000 Euro. Nach einer Entscheidung des Bundessozialgerichtes im Jahr 2009, mit dem der anspruchsberechtigte Personenkreis erweitert wurde, sei 2010 eine Zunahme der Leistungen zu verzeichnen gewesen. Seither sei die Anzahl der Bewilligungen rückläufig. Grund sei die positive wirtschaftliche Entwicklung Leipzigs und der Rückgang der Sozialleistungsberechtigten. Angehörige seien häufiger und in gestiegenem Umfang in der Lage, die Kosten aus eigenem Einkommen und Vermögen zu tragen.